Was macht ein Projektchor, wenn er nicht auf ein neues Musical hinarbeiten kann, weil er sich nicht treffen darf? Das hat sich Pfarrerin Gabriele Töpfer gefragt, die den Musicalprojektchor der evangelischen Kirchengemeinde in Dörfles-Esbach leitet und im letzten Jahr das Mehrgenerationenmusical "Dem Glück auf der Spur" mit Chor, Solisten und Band aufgeführt hat.

Einfach schweigen oder das Singen auf nächstes Jahr verschieben? Für Sängerinnen und Sänger, die so gerne mit Herzenslust singen, ist das keine wirkliche Alternative. Immer nur unter der Dusche zu singen, erst recht nicht.

Weil ein Projektchor aber das Wort Projekt im Namen trägt, wurde einfach ein neues Projekt gestartet: Singen übers Internet!

Der Grundgedanke von Gabriele Töpfer war: Wenn man sich beruflich per Videokonferenzen treffen kann, muss das auch als Chor gehen. Beispiele dafür fand sie im Internet genug. Und so entstanden die Dörfles-Esbacher Projektchor-Zoomproben, mit denen der Chor seit der Ausgangsbeschränkung gemeinsam weiterprobt.

Zunächst spielte und sang Gabriele Töpfer alle Stimmen ein und verschickte sie zum Üben alleine zu Hause. Seitdem klingt das Lied "You raise me up" in der Chorversion aus den verschiedensten Häusern. Einmal in der Woche wird es ernst: Die gemeinsame Chorprobe steht an. Verbunden über die Videokonferenz ist - fast - alles so wie immer: Erst ein wenig unterhalten, gemeinsam einsingen, einzelne Stimmen proben, Stimmen zusammenfügen und singen, singen, singen.

Locker und entspannt

Nur zwei Dinge sind anders: Statt Stühlerücken sind einmal erst kleine technische Schwierigkeiten zu meistern ("Haben alle Ton?"). Außerdem kann man sich nicht zusammen hören, sondern nur den Chorleiter, weil die Internetgeschwindigkeit unterschiedlich ist und es ein ziemliches Chaos gibt, wenn alle zusammen singen. Aber auch da gibt es vielleicht bald eine Lösung: "Jeder wird die Stimme alleine einsingen und dann werden sie zusammengeführt - und dann wird man vielleicht auch den ganzen Chor hören können." Eine neue Erfahrung, die tatsächlich auch etwas für die Zukunft des Chores austragen wird.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dieses Medium ,Chor-zoomprobe‘ auch nach Corona als Einzelstimmenprobe weiterführe", sagt Gabriele Töpfer. "Außerdem staune ich, wie locker und entspannt die Sänger und Sängerinnen in ihren eigenen vier Wänden singen, obwohl sie genauso gesehen werden von den anderen. Ich hoffe sehr, dass wir das auch für die Zukunft behalten, wenn wir uns wieder im Gemeindesaal oder in der Kirche treffen". Bis dahin heißt es: Durchhalten und singen und sich das Singen nicht verbieten lassen.

Wer noch mitmachen will, kann sich gerne an Gabriele Töpfer wenden unter Telefon 09561/2310728 oder per E-Mail gabriele.toepfer@elkb.de. red