Wir erleben momentan eine Krise, die viele von uns verunsichert, uns als Einzelne und als Gesellschaft Sorgen bereitet oder gar beängstigt. In der Krise könne jedoch auch eine Chance stecken, sind Ulrike Mahr und Lars Hofmann überzeugt; Konflikte und schwierige Zeiten seien oft Zeichen, dass etwas verändert werden wolle. Nach ihrer Auffassung brauche es eine Initiative, um wieder auf positive Gedanken zu kommen. Diesen Raum möchte man mit dem Projekt "WirPunktNullJetzt! - Deine Ideen für unsere Zukunft" schaffen.

"Wir alle erleben durch Corona eine extreme und veränderte Situation", verdeutlichte Ulrike Mahr bei der Projektvorstellung, dass diese Krise nicht nur unser unmittelbares Umfeld durchziehe, sondern die ganze Welt. Vieles davon sei schmerzhaft und existenzbedrohend; manches aber erleichternd und sogar erfreulich. So hätten ihr beispielsweise Bekannte erzählt, wie gut es ihnen tue, einmal "runter" zu fahren, keine gesellschaftlichen Verpflichtungen zu haben, sondern stattdessen Zeit für sich und die Familie. Unsere Fähigkeit, Krisen überwinden zu können und etwas zu verändern, wolle man nutzen, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

"Es geht darum, jetzt zu handeln, den Mut zu haben, neue Wege zu gehen - gesellschaftlich, sozial, ökologisch, wirtschaftlich. Im Kleinen wie im Großen", appelliert die Grafikdesignerin, die gemeinsam mit Lars Hofmann die Projektidee hatte. Von ihr stammt auch der Projektslogan "WirPunktNullJetzt!". "Wir" steht für die Gemeinsamkeit aller Menschen; "Jetzt" für den akuten Handlungsbedarf; "PunktNull" spielt auf das Schlagwort "4.0" an.

Bedürfnisse der Menschen

Während der Begriff "Industrie 4.0" gerade auch ein stetig steigendes Wirtschaftswachstum propagiere, stelle "PunktNull" die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund, die vor allem anderen stehen müssten. Zugleich drücke "PunktNull" auch aus, durch die Krise gewissermaßen bei einem Nullpunkt angekommen zu sein.

"Der Ethikrat der Bundesregierung hat gefordert, dass die Bevölkerung in die Diskussion, wie der Staat mit der Corona-Pandemie umgeht, eingebunden werden soll", verdeutlicht Lars Hofmann. Daher werde man eine Ideen- und Kreativwerkstatt mit sechs Gesprächsrunden eröffnen, vier online sowie zwei vor Ort in Kronach und Steinbach am Wald.

Aus der Krise zu lernen und echte Veränderungen für eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, könne jedoch nur gelingen, wenn die Sichtweisen und Bedürfnisse möglichst vieler berücksichtigt werden. Daher richten sich die Gesprächsrunden an möglichst viele Menschen aus möglichst allen gesellschaftlichen Bereichen, Berufs- und Altersgruppen der Bevölkerung im Landkreis Kronach. Angesprochen seien, so der Mediator, alle vom Schüler bis zum Rentner, vom Azubi bis zum Firmeninhaber, vom Krankenpfleger bis zum Arzt, Lehrer, Studenten und Arbeiter in Kurzarbeit, da ja jeder die Krise anders erlebe.

Persönliche Resümees

Ihnen allen will man Raum geben für ihr persönliches Resümee. Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist der Wunsch, etwas zu verändern. Es geht nicht - so die beiden - um die Überlegung, wie wir wieder zurück zum gleichen Leben wie vor der Krise kommen. Ebenso gehe es dabei nicht um Tagespolitik oder um Kritik an den Corona-Maßgaben, sondern um die ganz persönliche Reflexion. Der zweite Schwerpunkt der Gesprächsrunden liege im Austausch der Interessen und Vorstellungen sowie darauf basierend in der Entwicklung von Ideen für die Zukunft.

Wichtig sei, dass das gemeinsam Erarbeitete auch gehört werde. "Es macht keinen Sinn, wenn die Ergebnisse verpuffen oder in einer Schublade verschwinden", betont der Bildungsreferent des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) Andy Fischer, bei dem die Projektidee auf offene Ohren stieß. Alle Teilnehmer könnten sich sicher sein, dass ihre Visionen, Wünsche und Bedürfnisse auch gehört werden von oberster Stelle im Landkreis. Dafür fanden als erste Projektphase Gespräche mit politisch Verantwortlichen statt. Dabei wurde dem Landrat sowie den Vertretern aller dem Kreistag angehörenden Parteien das Projekt vorgestellt.

Herzstück des Projekts sind als Projektphase 2 die Workshops. Um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, finden sechs Gesprächsrunden statt - vier digital sowie zwei vor Ort im Kronacher Schützenhaus bzw. im Freizeit- und Tourismuszentrum in Steinbach/Wald. Die Workshops werden von Fischer und Lars Hofmann moderiert; die Ideen von Ulrike Mahr als Graphic Recording festgehalten.

Projektabschluss im November

Als Projektphase 3 werden die Ergebnisse zusammengefasst. Das ist die Vorlage für einen siebten, vorerst letzten Workshop. Dabei sollen Vertreter aus allen Werkstätten erarbeiten, was mit den Ideen passieren soll. Das Gesamtprojekt wird in einer Dokumentation zusammengefasst und in einem Abschlusstreffen am 20. November (ab 18 Uhr) den politisch Verantwortlichen präsentiert. Der Termin ist fix. Veranstaltungsort wird voraussichtlich die Rodachtalhalle in Marktrodach sein.