Die Fans von Brose Bamberg haben derzeit ob der letzten Ergebnisse wenig Grund zur Freude. Dennoch gab es in den vergangenen Wochen auch Lichtblicke: einer ist sicherlich die Nachwuchshoffnung Louis Olinde. Das Vertrauen des Trainerstabs und die damit einhergehende Berufung in die Startformation des Deutschen Meisters dankte er mit starken Leistungen zurück. Dabei wurde ihm sein Basketballtalent in die Wiege gelegt.
Sein Vater Wilbert Olinde, ein gebürtiger Amerikaner, war einer der ersten dunkelhäutigen Basketball-Profis in der Bundesliga. Als er 1977 nach Göttingen wechselte, wollte er eigentlich nur eine Saison bleiben, mittlerweile lebt er seit über 40 Jahren in Deutschland. Wie es dazu kam und was er in dieser Zeit alles erlebte, steht in seiner Biographie "Deutschland für eine Saison: Die wahre Geschichte des Wilbert Olinde Jr.", die Autor Christoph Ribbat geschrieben hat. Bevor er mit dieser am Sonntag um 20 Uhr beim Bamberger Literaturfestival im Kulturboden Hallstadt gastiert, blickte der 62-Jährige, der seit 2003 in Hamburg als Inspirationscoach und Unternehmensberater arbeitet, im Gespräch mit unserer Zeitung auf seine bewegende Karriere zurück.

Als 1977 Ihre erste Saison in Deutschland begann, waren Sie der einzige Ausländer im Team des SSC Göttingen. Gab es Schwierigkeiten bei der Integration?
Das fand ich eben sehr gut von der Mannschaft, dass die Spieler mich direkt gut aufgenommen haben. Besonders ein Ereignis blieb mir gut in Erinnerung: Als ich schon ein paar Wochen in Göttingen war, klingelte es eines Samstagsmorgens an der Tür. Mehrere Mitspieler kamen zu Besuch und brachten Frühstück mit; wir saßen dann alle gemeinsam in der Küche und haben gegessen.Was das Mannschaftsgefüge angeht, musste ich mich schon umstellen: An der Highschool und auch später am College war ich es gewohnt, eher ein Teamspieler zu sein, in Göttingen sollte ich der Führungsspieler sein. Ich stand nun mehr im Vordergrund, sollte mehr Verantwortung in bestimmten Situationen übernehmen und als Punktesammler die Mannschaft in der Offensive tragen.

Zu Beginn Ihrer ersten Saison betonten Sie, nur ein Jahr in Deutschland bleiben zu wollen. Warum?
In den Staaten habe ich Volkswirtschaftslehre studiert und wollte anschließend Anwalt werden. Ich habe auch schon die Zusage für einen Studienplatz an der juristischen Fakultät der UCLA bekommen. Dann kam das Angebot aus Deutschland. Den Studienplatz weiterhin zu behalten, war nicht möglich. Man sicherte mir aber zu, dass ich bei einer Bewerbung im nächsten Jahr gute Chancen auf einen Platz haben würde. Daher beschloss ich, für dieses eine Jahr nach Europa zu gehen, um Neues zu erleben. Danach wollte ich mein Leben in Kalifornien weiterführen.

Doch dann kam alles anders: Sie verlängerten immer wieder Ihren Vertrag in Göttingen und wurden 1983 sogar deutscher Staatsbürger. Wie kam es dazu?
Das entwickelte sich alles von Jahr zu Jahr. Der frühe sportliche Erfolg war natürlich ein wichtiger Grund. Ich lernte hier aber auch meine Frau kennen, die ich 1980 heiratete; ein Jahr später kam dann unsere Tochter zur Welt. Bereits 1979 habe ich in Göttingen neben der Basketballkarriere ein BWL-Studium aufgenommen. Ich wollte mir bei meiner Rückkehr in die USA nicht vorwerfen lassen, nur Basketball gespielt zu haben. Außerdem habe ich schnell gemerkt, wie wichtig es in Deutschland ist, ein Blatt Papier zu besitzen, auf dem draufsteht, was man kann (lacht). All diese Dinge führten dazu, dass ich immer mehr an Deutschland gebunden war und gerne hier bleiben wollte. Mit der deutschen Staatsbürgerschaft sah ich eine gute Gelegenheit, mir den Druck als einzig erlaubter Ausländer im Team zu nehmen. Das Gefühl, auch Amerikaner zu sein, konnte mir ja keiner wegnehmen. In dieser Zeit habe ich gar nicht mehr daran gedacht, in die USA zurückkehren zu wollen. Ich hatte hier meine Familie, konnte mit Basketball meiner großen Leidenschaft nachgehen und war kurz davor, mein zweites Studium abzuschließen.

In Ihrer Karriere haben Sie mit Göttingen große Erfolge gefeiert und gewannen neben drei Meisterschaften auch zwei Mal den Pokal. Doch 1987 zwang Sie eine Krebserkrankung zum Aufhören...
Tatsächlich habe ich mich aber schon vor der Diagnose dazu entschlossen, meine Karriere zu beenden. Ich habe bereits 1985 in der Versicherungsbranche voll gearbeitet und wollte diese Arbeit auch hauptberuflich weiterführen. Mitte 1986 habe ich also den Verein informiert, dass ich noch eine letzte Saison spielen werde. Dann kam aber die Krebserkrankung und ich konnte folglich die Saison nicht mehr zu Ende spielen. Ein Auswärtsspiel in der Bamberger Graf-Stauffenberg-Halle war mein vorletztes Bundesligaspiel. Als ich knapp 30 Jahre später das erste Mal meinen Sohn Louis bei einem Spiel für Baunach besuchte (Anm. d. Red.: Die Baunach Young Pikes bestreiten ihre Heimspiele in der Graf-Stauffenberg-Halle), kamen beim Einbiegen auf den Parkplatz vor der Halle die Aufregung und die Erinnerungen von damals wieder hoch (lacht). Das war immer eine tolle Stimmung in Bamberg.

Das Gespräch führte
Max Eberlein