Viele interessierte Familien kamen zum Tag der offenen Tür der Waldorfschule. Plakativ warf Franziska Bartels, Lehrkraft an der Waldorfschule, im Einführungsvortrag Schlagworte in den Raum, die auf den ersten Blick den Unterschied dieser Schulform ausmachen, wie "kein Sitzenbleiben", "keine Noten", "Individualität und Persönlichkeit stärken". Anschließend erläuterte sie, wie die Waldorfpädagogik arbeitet, um die in den Kindern schlummernden individuellen Fähigkeiten zu erwecken, zu entdecken und dann auch recht speziell zu entwickeln.
Gerade die Vielfältigkeit und Individualität sei heutzutage wichtig, und trage außerordentlich zur Persönlichkeitsbildung eines jungen Menschen bei. Dies geschehe unter anderem dadurch, dass den Kindern ein sehr breit gefächertes Lehrangebot zur Verfügung stehe, und alle schulischen Inhalte durch viel praktische und künstlerische Arbeit bereichert werden. Wichtig dabei sei, dass alles alle Kinder zusammen machten, so merken sie von Anfang an, dass eben jeder etwas anderes gut kann. Und wer im einen Fach nicht so gut ist, kann dafür etwas anderes besser. Oder wer etwas noch nicht so gut kann, der lerne es vielleicht später, in jedem Fall schule er sich. Und jeder schule seine Sozialfähigkeit.
Dass bei solcher Sichtweise eine "Beurteilung" mit gleichen Maßstäben keinen Sinn mache, und es dadurch weder ein Notenzeugnis noch ein Sitzenbleiben geben kann, stellte sie anschließend fest. Anliegen der Waldorfpädagogik sei es vielmehr, dass alle Kinder möglichst lange gemeinsam lernen und jedes Kind Zeit zur eigenen Entwicklung habe.
Anschließend konnte im offenen Unterricht den Kindern über die Schulter geschaut werden: beim Schneidern von eigens entworfenen Kleidungsstücken ebenso wie beim Technischen Zeichnen, im Gartenbauhaus beim Flechten von Untersetzern, beim Russisch-Unterricht oder dem rhythmischen Rechnen.
Zum Abschluss fand eine Gesprächsrunde mit Ehemaligen statt. Sie alle erzählten von ihren Erfahrungen an der Schule, ihren verschiedenen Abschlüssen und Werdegängen. Die selbstständige Skipperin, die am Mittelmeer im Sommer ihr Geld verdient war ebenso vertreten wie die Gymnasial-Lehramtsstudentin oder der Physiotherapeut, der neben Yoga-Kursen auch noch eine Farm mit Weideschweinen betreibt, der selbstständige IT-Fachmann aus Hamburg oder die Erzieherin und die Pharmazeutische Assistentin, die lieber in der Heimat geblieben sind. red