Die Gegner neuer Stromleitungen haben am Donnerstagmittag noch einmal ihr "Nein" zu den geplanten Trassen in Oberfranken verdeutlicht. Prominenter Gast im Heim der Arbeiterwohlfahrt in Redwitz war der Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Florian Pronold.
Eingeladen hatte die Altenkunstadter SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld. "Wir werden den Widerstand verstärken und noch mehr Menschen mobilisieren", sagte sie.


Körner: Redwitz hat genug getan

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jochen Körner fasste zusammen: "Unsere Region und insbesondere Redwitz haben schon genug zum Gelingen der Energiewende beigetragen." Kürzlich ist die Thüringer Strombrücke zwischen Altenfeld nach Redwitz fertiggestellt worden. Diese Trasse wird als Bestandstrasse angesehen und im Rahmen der Bündelungsvorgabe mit der Variante "P44mod" trotz massiver Proteste von der Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan 2030 bestätigt. Das bedeutet, dass eine weitere Leitung daneben entstehen oder dass die kürzlich in Betrieb genommene Leitung abgerissen und durch höhere Masten ersetzt werde könnte.
Die Trasse "P44mod" sei im Vergleich zur ursprünglich geplanten "P44" länger, teurer und naturunverträglicher, meinte Körner. Dazu komme noch, dass die "P44mod" gar nicht an das Redwitzer Umspannwerk angeschlossen werden müsse.
Das Gemeindegebiet Redwitz sollte deshalb von solchen Leitungen, die nicht notwendig zum Umspannwerk geführt werden müssen, verschont bleiben.


Verweis auf Koalitionsvertrag

Florian Pronold wies auf den Koalitionsvertrag hin, in dem festgelegt wurde, dass für die erneuerbaren Energien neue Stromleitungen benötigt werden. Die Energiewende sei nur zu schaffen, wenn der Strom aus Windkraft von der Nordsee weitertransportiert werden könne. Gerade Bayern sei ein verbrauchsintensives Land.
Der ehemalige Vorsitzende der SPD in Bayern wünschte sich, dass Entscheidungen über Stromtrassen nicht politisch, sondern aufgrund von Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit gefällt werden. Er forderte die Bundesnetzagentur auf, nach neutralen Gesichtspunkten zu planen. Auch das Leitungsnetz von abgeschalteten Kernkraftwerken müsse mit einbezogen werden.
Der SPD-Kreisvorsitzende und Listenkandidat bei der Landtagswahl, Sebastian Müller, forderte, den Protest nicht nur in der Region, sondern auch in Berlin vorzubringen. Landtagsabgeordneter Klaus Adelt, der bei den bayrischen Landtagswahlen 2018 wieder im Stimmkreis Hof als Direktkandidat zur Wahl steht, gab bekannt, dass Landwirte aus Protest Mahnfeuer auf ihren Grundstücken entzünden wollen. Auch er bezeichnete die "P44" als einzig mögliche Stromtrasse. Den Anwesenden versprach er: "Wir kämpfen dafür, dass Redwitz keine weiteren Leitungen bekommt."
Ralf Pohl, SPD-Landtagskandidat für den Stimmkreis Kronach-Lichtenfels, unterstrich die Solidarität mit den Landkreisen Kronach und Coburg. Auch dort dürften keine weiteren Stromleitungen gebaut werden.
Er sicherte den Redwitzern volle Unterstützung zu.