Zum Artikel "Lästig, aber sehr nützlich" vom 11.8.: Wenn man Nutzen und Schaden gegenüberstellt, muss man zu dem Schluss kommen, dass Wespen Schädlinge sind - obwohl sie dem Artenschutz unterstehen!

Folgende Tatsachen werden Herrn Ohls Aussagen empfindlich relativieren: Wespen spielen in der Natur für die Bestäubung überhaupt keine Rolle, da sie keine Reusenhärchen an den Hinterbeinen und zu geringe Körperbehaarung besitzen, in denen sich Blütenpollen verfängt, wie das bei den Bienen der Fall ist. Blüten aufsuchende Bienen flüchten übrigens vor Wespen, und harmlose, aber ökologisch wichtige Wildbienen werden nicht selten von Wespen angegriffen.

Wespen sind, zumindest während der Hauptzeit ihrer Brutpflege, gierige Fleischfresser. Zu ihrem Speiseplan gehören eben nicht nur einige Schädlinge - wie Herr Ohl von sich gibt -, sondern meistens sogar Nützlinge wie Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere Fluginsekten, die eine wichtige Bedeutung bei der Pflanzenbestäubung innehaben.

Diese werden von Wespen richtiggehend gejagt, bei lebendigem Leib zerlegt und gefressen. Die Schmetterlingsflügel verschmähen sie, die findet man nach der "Schlacht" am Boden liegen.

Wespen sind Kulturfolger und suchen ganz konkret menschliche Zusammenkünfte auf, weil sie sich dort mit allerhand Köstlichkeiten unserer Konsumgesellschaft eindecken können. Sie sind zweifelsohne kluge Lebewesen und verfügen über eine komplizierte und erfolgreiche Kommunikation bezüglich vielfältiger Nahrungsangebote durch freilandhungrige Picknicker, Eisesser, limotrinkende Kinder, Brotzeitler. Das heißt: Eine einmal entdeckte Nahrungsquelle wird rasch den Mitbewohnern eines Wespenstaates mitgeteilt, und damit werden noch mehr ungebetene Gäste zum Festmahl an einer menschlichen Tafel eingeladen.

Wenn die Wespen im Frühjahr ihren Nestbau von teilweise beachtlichem Ausmaß betreiben, schälen sie überwiegend von Weichgehölzen als Baumaterial Rinde ab; der Busch beginnt aus den Wunden zu bluten. Betroffene Sträucher stellen in der Folge bestenfalls Wachstum und Blüte ein oder fallen schlimmstenfalls durch ihre Schwächung anderen Parasiten, Pilzen usw. zum Opfer.

Wespenstiche bei Menschen bergen enorme Gesundheitsgefahren oder können sogar zum Tod führen. Als Allergikerin wurde ich schon viermal in letzter Sekunde nach einem anaphylaktischen Schock infolge eines Wespenstichs gerettet.

Zweimal war jedoch wohl nicht das Wespengift der Auslöser, sondern eine Kontamination mit irgendwelchen Umweltgiften. Wespen sind Aasfresser und tummeln sich auch auf allen möglichen Abfällen, deren toxische Wirkungen sie übertragen können. Daher verursachen Stiche nicht nur höllische Schmerzen, sondern können auch schwere Infektionen provozieren.

Wespen haben - wie ihre großen Schwestern, die ebenfalls geschützten Hornissen - eine bizarre Position im Ökosystem inne, da natürliche Feinde komplett fehlen. Sie besitzen eine mehrfach verwendbare Waffe - nicht wie Bienen, die ihren Stachel nur in einer ultimativen Notsituation für sie oder ihr Volk einsetzen und dann in Kamikaze-Manier sterben.

Fazit: Wespen sind gnadenlose Räuber und überwiegend schädliche Mitbewohner auf unserer Erde.

Irene Braun

Forchheim