Die Kfz-Werkstätten sind von den Einschränkung der bayerischen Staatsregierung nicht betroffen. Die Bürger dürfen das Haus aber nur verlassen, wenn sie einen triftigen Grund haben. Ist eine Autoreparatur ein solcher? Darf der Mechaniker die Reifen seiner Kunden wechseln? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Branche aus der Coronakrise generell? Antworten auf diese Fragen gibt Michael Neumann. Er ist Geschäftsführer der Auto Com GmbH in Rödental und Kreisvorsitzender der Kfz-Innung Oberfranken. Welche wirtschaftlichen Konsequenzen aus der Coronakrise ergeben sich für Autowerkstätten? Michael Neumann: Bis jetzt noch keine dramatischen – zumindest bei den kleineren. Bei uns jedenfalls ist alles im grünen Bereich. Die größeren Vertragswerkstätten haben aber zum Teil schon Kurzarbeit angemeldet. Wir müssen mal schauen, wie sich das alles entwickelt. Weshalb haben die kleineren Betriebe aktuell weniger Probleme? Die haben keine so große Verwaltung – also sind die Fixkosten auch niedriger. Momentan werden auch nicht alle Aufträge angenommen. Die Menschen dürfen eigentlich nur in die Werkstatt, wenn sie einen triftigen Grund haben. Ein solcher wäre? Wenn es ein wirkliches Problem gibt. Zum Beispiel wenn ein Kontrolllämpchen aufleuchtet oder das Auto nicht mehr fährt. Nach einem größeren Unfall natürlich auch. Um den Ölstand überprüfen zu lassen, sollte man aber nicht kommen. Wie sieht es mit einem Reifenwechsel aus? Bis letzte Woche war das offiziell nicht erlaubt. Mittlerweile ist das aber kein Problem mehr. Könnten die Winterreifen denn im Notfall auch im Sommer genutzt werden? Das geht schon. Allerdings ist die Gummimischung des Reifens für den Winter gedacht. Also hat man im Sommer eben einen höheren Verschleiß. Verkehrsminister Andreas Scheuer gewährt bei abgelaufenen HU-Plaketten vier statt der üblichen zwei Monate Zeit, um den Tüv nachzuholen. Ist es also ratsam, die vorgeschriebene Untersuchung zu verschieben? Es ist theoretisch möglich, aber nicht ratsam. Schon nach zwei Monaten erhöhen sich nämlich die Gebühren für die Untersuchung. Die ist alle zwei Jahre durchzuführen – also ein triftiger Grund. Die Prüfer kommen zu uns. Ich hatte bisher auch noch keinen Fall, in dem jemand von der neuen Regelung Gebrauch gemacht hat. Die Kunden kommen auf den Tag genau. Wie schützen Sie sich und ihre Mitarbeiter beziehungsweise die Kunden vor einer Ansteckung? Wir versuchen bei der Arbeit Abstand zu halten. Das ist nicht immer einfach. Manchmal braucht man einfach Hilfe beim Drücken, Schieben oder Halten. Wir achten auch darauf, dass sich keine Fremden in der Werkstatt aufhalten. Die kommen höchstens ins Büro. Dort achten wir ebenfalls auf genügend Abstand. Wir benutzen außerdem Lenkradschoner aus Plastik – beispielsweise wenn ein Auto ausgeliefert wird. Hat sich durch die von Ministerpräsident Markus Söder angeordneten Beschränkungslockerungen für Ihren Betrieb etwas geändert? Für den Werkstattbetrieb nicht. Der Verkauf von Autos und Zubehör ist nun aber wieder vor Ort möglich. Zuvor war eine Bestellung nur online oder telefonisch machbar – danach haben wir ausgeliefert. Jetzt dürfen die Kunden wieder persönlich zu uns kommen, um etwas zu kaufen. Das Gespräch führte Sven Dörr.