Zum gleichen Thema erhielten wir folgende Zuschrift: In den letzten Tagen sind gegen Oberbürgermeister Schramm neue, anonyme Vorwürfe aufgetaucht, die eines gemeinsam haben: sie sind ziemlich nebulös. Anders als die ersten Kritikpunkte von Hans Werther, die sich an Fakten festmachen lassen (Zeitpunkt der Käufe, Preise, Gutachten), sind die neuen Vorwürfe nicht so eindeutig nachprüfbar.

Das hat für die anonymen Schreiber den Charme, dass sie sich nicht schnell widerlegen lassen und dass gerne ein bisschen was hängen bleibt.

Laut Bericht über die Podiumsdiskussion im Gasthof Geuther reagierten die vier OB-Kandidaten wie folgt: Herr Schramm wünschte sich eine schnelle Klärung der "teilweise absurden" Behauptungen, um zur Sachpolitik zurückkehren zu können. Herr Lehmann sagte, die SPD würde mit "offenem Visier" kritisieren. Frau Kreis-Lechner bedauerte die aktuelle Diskussion sehr, auch, weil ihr Thema Kommune und Klimaschutz dadurch verdrängt würde. Für Hagen Hartmann, so sagt er, ist das wichtigste Thema: "Was wird hier gespielt? ... In dieser Stadt liegt unheimlich viel im Argen."

Ich kann nicht beurteilen, was an den neuen Anschuldigungen dran ist. Aber die Art und Weise, wie sie publik gemacht wurden, gibt viel Stoff zum Nachdenken. Die anonymen Vorwürfe scheinen zeitlich koordiniert. Es sieht ja auch so aus, als hätten nicht nur eine, sondern verschiedene Personen diese Briefe geschrieben.

Da drängen sich Assoziationen auf: zu bekannten Wahlmanipulationen über soziale Medien (zum Beispiel in den USA), zu dem - wie man inzwischen weiß - absichtlich gepushten Protest gegen das Parodie-Lied "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...", oder zu den Vorgängen im Thüringer Landtag, wo die Demokratie vorgeführt werden sollte.

So fragt man sich unwillkürlich: Wer profitiert in Kulmbach von dieser Situation? Wer hat wenig Risiko, etwas zu verlieren, aber viel zu gewinnen? Und: Sollen wir uns wirklich so leicht manipulieren lassen?

Die Bürger im Landkreis sind nahe genug dran an ihren Politikern, um sich selbst eine (politische) Meinung bilden zu können. Was hat der Kandidat oder die Kandidatin bisher geleistet? Was plant er oder sie konkret zu tun? Welchem Kandidaten traue ich die nötigen Fähigkeiten zu? Das sollten die Kriterien für die Wahl sein.

Anonyme Anschuldigungen können jeden von uns treffen. Sie unkritisch zu übernehmen führt zu einer Art von Gesellschaft, in der wir sicher nicht leben wollten.

Angela Wagner

Neudrossenfeld