Bernhard Panzer

Am heutigen Dienstag steht ein Thema auf der Tagesordnung des Stadtrates, das man sowohl sachlich- nüchtern als auch emotional angehen kann. Es geht um den Gewölbekeller des Ratskellers im Schloss: Bislang gehört er zu dem Lokal und wird auch bewirtschaftet. Das könnte künftig anders werden, denn das Gewölbe soll zweckentfremdet werden.
Bürgermeister German Hacker (SPD) hat seine sachlichen Gründe, auf das Gewölbe künftig zu verzichten, wenn auch nur vorübergehend. In erster Linie nämlich soll darin die massive Lüftungsanlage untergebracht werden, die zurzeit noch außerhalb des Schlosses ruht. Der hintere Bereich zur Terrasse des Ratskellers hin soll umgebaut werden, eine Rampe soll barrierefreien Zugang zur Terrasse ermöglichen. Deshalb müsse die Lüftung weg, und zwar am besten ins Innere des Gebäudes. Und dafür wäre für Hacker bislang nur im Gewölbekeller des Ratskellers Platz.
Diese Argumente hatte der Bürgermeister schon in einer früheren Debatte im Mai geäußert. Schon damals reagierte die CSU-Fraktion mit Murren und hat anschließend gemeinsam mit den Freien Wählern einen Antrag an den Stadtrat gerichtet. Der wird in der öffentlichen Sitzung heute Abend (ab 18 Uhr) behandelt.
Die Befürworter eines gastronomischen Gewölbes sehen das Thema emotionaler, auch wenn ihre Forderung eher sachlich-nüchtern formuliert ist: "Der Ratskeller (Gewölbekeller) soll auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein und gastronomisch genutzt werden", heißt es in dem Antrag wörtlich. Um dann schon mehr an die Gefühle zu appellieren: "Der mit viel Geld sanierte historische Gewölbekeller gehört zur Urkeimzelle, ist ein Teil der Stadtgeschichte und gehört zum Ensemble", stellte FW-Sprecher Manfred Welker in einem Pressegespräch im Juni fest (der FT berichtete). CSU-Kollege Bernhard Schwab erinnerte damals daran, dass schon im Mai "annähernd der halbe Stadtrat" mit dem Beschluss nicht einverstanden gewesen sei.


"Stadtrat muss entscheiden"

Inzwischen haben die beiden Fraktionen weitere Unterstützung erhalten. Auch die Grünen haben einen Antrag gestellt, der heute Abend in die Beratung kommt. Auch sie beantragen die Planung eines Raumkonzepts, das auch weiterhin die Bewirtschaftung des Kellers zulässt. Darüber hinaus verlangten CSU und Freie Wähler, dass der Planer für die Sitzung eine Alternative aufzeigt, um das Gewölbe gastronomisch zu erhalten.
Bürgermeister Hacker sieht das freilich mit weniger Emotionen. Für ihn sei es eine Sachentscheidung, aber "der Stadtrat muss entscheiden." Die Ausarbeitung des Architekten bestätige die Ansicht, den Ratskeller vorerst nicht weiter zu betreiben. Dennoch sollen die geforderten Vorschläge auf den Tisch kommen. "Machbar wäre es", sagt Hacker, aber seiner Meinung nach zu teuer. Außerdem gehe es auch um Fluchtwege und andere Fragen.
Hacker erinnerte auf Anfrage des FT wenige Tage vor der Sitzung daran, dass man die unter der Schlossterrasse befindliche kleine Tiefgarage für die Lüftung nicht hernehmen könne. Man brauche die Fläche unter anderem für die städtischen E-Fahrzeuge. Die Stellplätze seien nicht verzichtbar, "für uns ist jeder wichtig", sagte Hacker.


Neun Jahre Wartezeit

Was würde das aber konkret bedeuten? Erst wenn das Bürgerzentrum respektive eine Tiefgarage auf dem Hubmann-Parkplatz realisiert werden könnten, könne man auch auf den Platz unter der Terrasse verzichten und für eine Lüftung hernehmen, bilanziert Hacker. Acht bis neun Jahre, so der Bürgermeister, würden bis dahin aber wohl mindestens ins Land ziehen.
Das wiederum mag den Gegnern dieser Haltung gar nicht gefallen. "Wenn die Lüftungsanlage einmal installiert ist, dann bleibt sie auch drin, da kann uns der Bürgermeister viel erzählen", kritisierte Schwab im Juni. Ebenso wenig einverstanden ist man mit der Aussage, dass der Ratskeller während des Neubaus des Rathauses geschlossen sein wird. Zumal jederzeit ein Zugang über die Terrasse möglich wäre. CSU-Stadtrat Walter Drebinger hatte es auf den Punkt gebracht: "In den drei, vier Jahren haben sich die Gäste verlaufen".
Bleibt abzuwarten, ob heute Abend dennoch eine Lösung auf den Tisch kommt. Die möglicherweise die Gegner einer Schließung des Gewölbes versöhnt.


Der Pächterin gekündigt

Die Pächterin des Ratskellers, Bea Wirth, hat ihre Kündigung jedenfalls schon zum April bekommen. Aktueller Stand ist, dass bis Ende Oktober verlängert wird, sagte sie auf Anfrage.