Stefan Fössel In meinem Elternhaus wurde in der Regel kein technisches Gerät ausgemustert, so lange es noch funktionstüchtig war. Das galt zu meinem Leidwesen auch für einen Telefunken-Fernsehapparat, der seine Dienste noch in den späten 80ern zuverlässig ohne Farbe und Fernbedienung verrichtete.

Als Kind erzählte ich lieber keinem, dass ich die 1986 in Mexiko ausgetragene Fußball-WM als Einziger ganz in Schwarz-Weiß erlebte. Zwei Jahre später gönnten wir uns zu den Olympischen Spielen 1988 in Seoul endlich den von mir so ersehnten Farbfernseher. Das Schwarz-Weiß-Modell wurde natürlich nicht entsorgt, es diente mir noch einige Jahre als Computer-Bildschirm (und würde nach meinem Wissensstand immer noch funktionieren).

Als Erwachsener habe ich dann gemerkt, dass diese Form von Nachhaltigkeit durchaus prägend war. Mein Handy ist mittlerweile sieben Jahre alt und gehört damit in unseren schnelllebigen Zeiten schon längst zum alten Eisen. Es ist langsamer als seine jungen Brüder, macht schlechtere Bilder und der Akku hält keinen Tag mehr - aber es funktioniert noch. Das Gemeine ist, dass die Hersteller irgendwann behaupten, das Gerät sei nicht mehr sicher. Und sie unternehmen auch nichts, um das vielleicht noch zu ändern. So werde auch ich das bewährte Mobiltelefon einmal ausmustern müssen. Und das, obwohl es doch schon so ein hochmodernes Farb-Display hat...