Bamberg — Bamberg ist eine Theaterstadt. Über zehn Theatergruppen unterschiedlichster Couleur gibt es. Viele davon fristen jedoch ein Schattendasein hinter den Mauern der Universität. Weswegen vermutlich nur wenige Bamberger bisher von den Gruppen gehört haben. Damit sich das ändert, hat Marie-Theres Schmidt in Zusammenarbeit mit dem E.T.A.-Hoffmann-Theater und der Otto-Friedrich-Universität das "Internationale Theaterfestival UniON" initiiert.


Offenheit und Begeisterung

Eigentlich hatte sie vor etwa einem Jahr nur nach einer Bühne für die Bamberg University English Drama Group, in der sie selbst mitspielt, fragen wollen. Mit der Idee stieß sie beim E.T.A.-Hoffmann-Theater auf Offenheit und Begeisterung. Allerdings, das war die Bedingung des Theaters, müssten dann alle studentischen Theatergruppen die gleiche Möglichkeit bekommen. Schließlich kooperiert das Theater Bamberg seit der Intendanz von Sibylle Broll-Pape eng mit der Universität.
So erzählt Marie-Theres Schmidt vom Ursprung des Festivals, das am 12. Juli ab 15 Uhr und am 13. Juli ab 18 Uhr im E.T.A.-Hoffmann-Theater als kultureller Abschluss der Internationalen Woche der Universität stattfinden wird. Insgesamt sechs studentische Theatergruppen werden sich vorstellen. Mit dabei sind die englische, italienische, russische und die spanische Theatergruppe, das Improtheater Pipperlapupp sowie das Theater International des Studiengangs Deutsch als Fremdsprache.
"Wir wünschen uns, dass wir ein anderes Publikum vor die Nase bekommen. Selten kommt jemand von außerhalb", fasst Schmidt das Problem vieler studentischer Gruppen zusammen. Dabei betont sie auch, fremdsprachiges Theater sei "wesentlich zugänglicher, als man sich das vorstellt." Zwar gehe es beim Theaterspielen auf Englisch auch um den Spracherwerb, aber es soll eben genauso ein Einblick in die jeweilige Kultur gegeben werden. Diese wird die English Drama Group mit dem Stück "no pink. no blue", das die heutige jüngere Generation thematisiert, auf die Bühne bringen.
Die englischsprachige Kultur mag vielen bekannter sein als der slawische Kulturraum, dem sich die russische Theatergruppe ArtEast verschrieben hat. Sie wird eine Szenenauswahl aus dem Stück "Die Lastergrube" spielen.
Die erste Vorsitzende Christine Renker sagt: "Das Theater ist eine Möglichkeit, die Kultur nicht als Stereotyp, sondern am echten Objekt, aber aus der Sicht der in Deutschland lebenden Slawen darzustellen." Muttersprachler treffen auf (ehemalige) Slavistikstudierende und Fachfremde, aber alle profitieren vom gemeinsamen Spiel.


"Wir haben uns verselbständigt"

Dass die Gruppe mehr ist, als nur der verlängerte Arm des Instituts, hat sie gerade gezeigt, indem die Mitglieder einen Verein gegründet haben. Sie wollen versuchen, sich durch Aufführungen auch deutscher Übersetzungen nicht als rein studentische, sondern als freie Theatergruppe in Bamberg zu etablieren. "Wir sind zwar aus der Uni heraus entstanden, haben uns aber mittlerweile verselbstständigt", sagt Eugeniya Ershova, Schauspielerin und Dritte Vorsitzende. So ist das aktuelle Stück zwar eine Wiederaufnahme, aber gespielt wird dieses Mal auf Deutsch.
Dennoch bleibt die 2009 aus einem Seminar heraus entstandene Gruppe ihrer Ausrichtung treu, nur Stücke aus dem gesamten slawischen Raum zu spielen - sie sind also nicht allein auf Russland fokussiert.
Anders als ArtEast ist das von Marion Then, Lektorin für Deutsch als Fremdsprache, geleitete Internationale Theater ein regulärer Kurs an der Universität. Der richtet sich vor allem, aber nicht ausschließlich, an ausländische Studierende in Deutschland.
Then bindet die Studierenden in alle Prozesse von der Stückauswahl bis zur Regie mit ein, um ihnen auch einen "Blick von außen" auf die Theaterarbeit zu geben. In diesem Semester ist die Wahl auf "36 000 Sekunden" gefallen. Dabei ist sie so etwas wie der primus inter pares. "Ich mache alles mit allen zusammen." Sie sagt, dass das Theater eine Möglichkeit sei, sich spielerisch in der Sprache zu verbessern.


Vermittlung der Schönheit

Das ist etwas, das alle Gruppen eint: einerseits das Lernen einer fremden Sprache durch regelmäßiges Sprechen in freier und ungezwungener Atmosphäre, ebenso wie das Spielen selbst, das einfach Spaß macht und ein guter Ausgleich zum klassischen Sprachenlernen ist. Und andererseits natürlich die Vermittlung der Schönheit, die jede Sprache in sich trägt, sowie die Kultur, deren Träger die Stücke sind, an neugierige Zuschauer. Denen wird an den beiden Tagen ein vielseitiges Theaterprogramm geboten. Eine italienische Beziehungskomödie, das Leben in einem russischen Freudenhaus, die Lieben und Leiden mit einer spanischen Dating-App, die letzten Stunden im Leben, ein englisches Portrait unserer heutigen Generation oder die freie Improvisation, bei der man vorher gar nicht weiß, was am Ende rauskommt.
Das alles verspricht viel Spannung, und vielleicht werden die einzelnen studentischen Theatergruppen durch das UniON-Festival auch in der Stadt etwas bekannter, so dass sich niemand mehr fragen muss: "Was ist denn das für ein Theater?"