Bruno Preissinger Der Zahn der Zeit nagt an der alten Sandsteinmarter auf der Grundstückspitze der Sankt-Josef-Siedlung in Marktschorgast. Auf einem viereckigen Sockel stehen eine runde Säule und ein viereckiger Aufsatz. In den Rundbogennischen sind drei Reliefs zu erkennen.

"In der Südseite in Richtung des Marktes ist der Namenspatron des Spenders der Marter dargestellt. Es ist eine einmalige Darstellung des heiligen Bruno. An der Stelle des Kopfes ist ein Totenschädel mit zwei Knochen dahinter, den Rock hochgerafft", so schreibt Karl Dill in dem Buch "Die Flurdenkmäler des Landkreises Kulmbach".

Der Totenschädel und zwei Gebilde, die die beiden Knochen darstellen sollen, sind auf der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichteten Sandsteinmarter noch einigermaßen zu erkennen. "In der linken Hand einen Stab in der rechten ein Buch", schreibt Dill weiter. Beide Utensilien sind stark verwittert und nahezu unkenntlich.

Dill weiter: "Der heilige Bruno war von 1033 bis zu seinem Tod im Jahre 1045 Bischof von Würzburg. Er begleitete Kaiser Heinrich III. auf dessen Zug nach Ungarn und starb in Persenbeug bei Linz durch Einsturz des Saales. Im hochgerafften Rock hält er die Trümmer, die ihn erschlugen."

Pfarrer Fuchs aus Marktschorgast spricht dagegen vom Apostel Jakobus dem Älteren, dem Wanderapostel. Das Denkmal gibt also Rätsel auf. Ist ein Heiliger oder ein Apostel dargestellt? Wir lesen weiter: "Die Gesamthöhe der Sandsteinmarter beträgt 310 Zentimeter.

Leere Nische

Auf der Straßenseite ist die Nische leer. Auf der westlichen Seite zur Grund- und Thalmühle im Schorgasttal ist der Gekreuzigte zwischen der Mutter Maria und dem Jünger Johannes."

Eine derartige Gruppe ist auch in der Sankt-Jakobus-Kirche im Ortskern dargestellt. "An der Nordseite ist das stark verwitterte Bild der Mutter Gottes mit Krone und Szepter" zu erahnen.

Eine Marter ist ein christliches Kleindenkmal, das beispielsweise die Kreuzigung zeigt. Die Steinsäulen wurden aus verschiedenen Gründen errichtet: als Unglücks-, Gedächtnis-, Gelöbnis- und Stiftungsmarter oder ganz einfach aus Dankbarkeit zu Gott.

Als "Orschkerm" bekannt

In der Marktschorgaster Bevölkerung kursiert immer noch der Name "Orschkerm". Und jeder weiß, dass damit ein Areal im Bereich der St.-Josef-Siedlung gemeint ist. Es beginnt bei der Abzweigung des Talwegs und bei der Steinmarter an der Ziegenburger Straße. Die Marktgemeinde Marktschorgast hat die Grundstücksspitze von der Pfarrpfründe erworben und dort 1997 eine entsprechende Atmosphäre geschaffen.

Was den Namen "Orschkerm" angeht, so wurde von Generation zu Generation weitererzählt, dass beim Einzug der Preußen ein Hauptmann im Bereich des Flurstücks von seinem Pferd gestürzt ist. Dabei muss er so unglücklich gefallen sein, dass er vor lauter Schmerz schrie: "Ach, mei Orschkerm." Und in der Chronik ist nachzulesen, dass im Krieg 1866 die Einquartierung von bayerischem und preußischem Militär in Marktschorgast bemerkenswert war. Dabei erfolgte der Einzug der Preußen in Marktschorgast von der Stammbacher Seite her, also aus Richtung Talkessel.

Vom Historiker Reinhard Bauer aus München, der Flurnamenforschung betrieb, wird bestätigt, dass in Marktschorgast der Begriff "Orschkerm" für einen Holzweg verwendet worden ist. Aus Unwissenheit oder Scham habe der Geometer "Arztkinn" ins Kataster geschrieben.

Der ehemalige Verwaltungsstellenleiter Erwin Will erklärte, dass den Namen "Arztkinn" in Marktschorgast niemand kennt. Dafür weiß jeder, was die "Orschkerm" ist ...