SeBASTIAN SCHANZ

Schederndorf — Bei 28,5 Grad Celsius fällt es leicht, sich die Erderwärmung als etwas Reales vorzustellen. Und in Zeiten des Klimawandels muss sich auch der Wald wandeln. Da ist Verjüngung ein notwendiges Gebot. Doch das ist gar nicht so einfach, wie gestern bei einer jagdlichen Lehrfahrt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg bei Schederndorf und Steinfeld klar wurde. Die Exkursion bei Stadelhofen mit Vertretern der Jagd, der Waldbesitzer, der Landwirtschaft und der Behörden war die erste in dieser Form. Und sie soll wiederholt werden. Denn das Fazit der Teilnehmer lautete: Es ist gut, miteinander zu sprechen, um Missverständnisse zu vermeiden, Gräben zu schließen und gemeinsam an einer nachhaltigen Verjüngung des Waldes zu arbeiten.
Wie das gelingen kann, machte Organisator Hans-Rüdiger Schmittnägel, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anhand der Hegegemeinschaft Jura-Nord deutlich. In dem Waldgebiet bei Schederndorf ist der Verbiss seit 1997 ein massives Problem. Junge Pflanzen fielen den Rehen zum Opfer, Emporkömmlinge wurden gestutzt - mit der Folge, dass der Wald alterte. "Die Alterspyramide der Bäume steht auf dem Kopf", erklärte Michael Bug vom Forstamt anhand von Schaupostern, die an einer Schnur zwischen den Ästen aufgespannt waren. Um den Negativtrend zu stoppen, mussten sich alle Beteiligten - vor allem aber Waldbesitzer und Jäger - an einen Tisch setzen und Lösungen suchen. Da wurde durchaus Tacheles geredet, berichtete Christoph Bächmann stellvertretend für die Jagdpächter in dem Revier. Wo sonst gerne der schwarze Peter an den jeweils anderen geschoben wurde, habe man ehrlich diskutiert. Mit Erfolg. "Wir haben abgesprochen, wann der nächste Hieb stattfindet und das direkt abgestimmt", berichtete der Jäger, der in den Sichtschneisen nach den Baumfällarbeiten gute Schussmöglichkeiten und zwischen den neu treibenden Jungpflanzen auch genügend Ziele vorfand. 33 Schüsse auf 700 Hektar zählte nannte Bächmann. Schlecht für die Rehe, gut für die jungen Triebe der Bäume, die nun die heikelsten ersten Monate überlebten. Der Verbiss ging deutlich zurück. "Vom früher vorherrschenden Nadelholz sind wir hier zum führenden Laubholz gekommen", berichtete Schmittnägel. Und nicht nur die schattenresistente Buche, sondern auch Ahorn wuchs nach - was auch aus holzwirtschaftlicher Sicht positiv gewertet wurde, denn Ahorn erzielt bessere Preise als Buche.


Reden statt streiten

Das Beispiel sollte zeigen: Es ist wichtig, dass man miteinander redet. Am besten unbürokratisch. Denn was taugt eine Klausel in der Satzung der Hegegemeinschaft, die Jagdgenossen einzuladen, wenn die Gräben so tief sind, dass niemand kommt. "Grundstückseigentümer, Jäger und Förster haben die große Aufgabe, das Spannungsfeld zu lösen", erklärte Bug vom Forstamt. Jagdstrategien und Waldbau müssten Hand in Hand aufeinander abgestimmt werden. "Das Miteinander kommt dann mit der Zeit", erzählte Jäger Bächmann.
Zum Reden und Ausräumen von Vorurteilen war auch die jagdliche Lehrfahrt gedacht. "Es ist gut, dass sich alle treffen, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen", erklärte Landrat Johann Kalb (CSU). "Denn bei Wildschäden geht es schnell mal um mehrere 100 000 Euro."
Besonders Maisfelder sind betroffen, was die Wildschweine ins Visier rückt. So widmete sich der zweite Exkursionspunkt bei Steinfeld auch den Schwarzkitteln. Hier kommen noch die Landwirte als Akteure mit ins Spiel. Pflanzen sie ihren Mais direkt an den dichten Waldrand, bleibt für Jäger oft nur ein Schussbereich von wenigen Metern - zu schmal, um die schlauen und schnellen Wildschweine zu treffen. Schussschneisen im Feld, Blühstreifen am Rand oder ganze Wiesenbereiche können den Jägern helfen und werden teilweise gefördert, berichtete Markus Heckmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, kritisierte allerdings die bürokratischen Hürden und die wirtschaftlichen Einbußen bei diesen Lösungsansätzen.
"Die Politik sollte die unterstützen, die wirklich draußen an einer Verbesserung der Situation arbeiten", lautete hinterher auch das zweite Fazit.