Das Projekt Meilenstein der Caritas Lichtenfels und der Jugendmigrationsdienst (JMD) haben sich zusammengetan und ein Projekt zur Integration von Flüchtlingen im Alter von 14 bis 24 Jahren gestartet. Zwei Gruppentreffen haben sie schon organisiert. Zuletzt erfolgte eine Bootsfahrt von Schwürbitz auf dem Main bis zum Flussbad. "Wenn sich eine Gruppe etabliert hat, sollen regelmäßig Treffen stattfinden. Das war jetzt eine größere Aktion am Anfang", erklärt Jonas Müller vom JMD.
Der freiwillige Mitarbeiter beim Projekt Meilenstein, der Sozialpädagoge Siegfried Simon, hat die Boote zurecht gemacht. Jonas Müller, Meileinstein-Leiterin Andrea Zellmer und die Jugendlichen kamen dann später dazu. "Wir sind dann einfach mal losgefahren", sagt Siegfried Simon und fügt hinzu: "Das war schon toll und wir waren beeindruckt, wie viele begeistert bei der Sache waren. Man muss bedenken, was das für viele bedeutet, wenn sie auf einem Boot sind."


Vertrauensbasis schaffen

In Zweier-Kanadiern, Einer-Kajaks und einem Sechser-Boot, genannt "Gummibus", ging die 16-köpfige Gruppe auf die Reise. Bis in den Nachmittag hinein paddelten sie in Schwimmwesten gepackt und in wechselnden Teams. Statt Frust und Schuldzuweisung, wenn das Boot mal nicht in die richtige Richtung steuerte, herrschten "eiserne Ruhe" und Begeisterung.
"Das war gerade das Tolle - zu sehen, wie manche da nach anfänglichen Sorgen richtig mitgezogen haben. Wir wollten genau so eine Gruppendynamik schaffen und das Vertrauen untereinander stärken", erklärt Jonas Müller. Doch auch für ihn, der den Flüchtlingen als Berater sonst nur im Büro gegenüber sitzt, ist es wichtig, "sich mal abseits vom offiziellen Rahmen kennenzulernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen".
Das Projekt Meilenstein arbeitet schon lange mit kriminellen Jugendlichen zusammen und versucht, diese wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Das JMD habe festgestellt, so Müller, dass sich die Klientel überschneide - nämlich frustrierte Jugendliche, die ungewiss in die Zukunft blicken. "Die Idee dahinter ist, dass das auch nur Jugendliche, wie eben alle anderen Jugendlichen hier auch sind, die dieselben Bedürfnisse haben, etwas zu erleben, anstatt nur von einer Behörde zur nächsten latschen zu müssen", erklärt Siegfried Simon.


Offene Anlaufstelle

"Uns ist noch nicht ganz klar, wo der Weg hingeht", sagt Jonas Müller. Das Ziel dahinter stehe aber fest. "Zum einen bieten wir Freizeitangebote, zum anderen sollen die Treffen den Charakter einer offenen Anlaufstelle erhalten", so der Sozialpädagoge. Denn in den Schulen und Behörden würden manche "soft skills" nicht gelehrt, zum Beispiel einfach "selbst zu erproben, wie man bei uns lebt". Auch sollen die Jugendlichen offen über alle Themen reden können und mit Fragen gut aufgehoben sein, die sonst nicht besprochen werden, wie zum Beispiel zum Thema Sexualität. Jonas Müller ist davon überzeugt: "Wir schaffen dadurch einen niedrigschwelligen Zugang - und das hilft ihnen dann auch, hier besser Fuß zu fassen."
In Zukunft soll die Gruppe noch gemischter werden. "Wir können alle voneinander lernen, jeder kann teilnehmen, der Interesse hat", sagt der Sozialpädagoge. Frauen waren bisher nicht dabei. Müller: "Es ist schade, wir wissen noch nicht, ob sie vielleicht aus ethnischem Gehorsam nicht teilnehmen oder vielleicht gar nicht teilnehmen dürfen. Da müssen wir noch dahinterkommen. Es ist uns unheimlich wichtig, dass Frauen dabei sind." Vielleicht koste es sie auch einfach nur Überwindung.
Allgemein sollen die Vorurteile jedes Einzelnen überwunden werden. Vereine, so Jonas Müller, könnten einen großen Beitrag dazu leisten: "Ich wäre froh, wenn sich der eine oder andere Verein finden lässt, der mit uns zusammenarbeitet."
Fürs Erste sind alle Beteiligten mehr als zufrieden. Ein Kritikpunkt fällt Siegfried Simon dann aber doch ein: "Man hätte sich nur wünschen können, dass mehr Leute dabei waren, um zu erleben, wie friedlich das Miteinander war." Denn gegen Vorurteile könne man sich wehren, gegen das eigene Erleben aber nicht.