Amtsrichterin Ilona Conver nannte es "unbefriedigend", aber juristisch blieb nichts anderes übrig, als das Betrugsverfahren gegen den ehemaligen selbstständigen Fensterbauer, der jetzt arbeitslos ist, ohne weitere Auflagen einzustellen. Denn bei genauer Betrachtung der Umstände eines schiefgegangenen Auftrages war dem 35-Jährigen kein Betrugsvorsatz nachweisbar. Die Gelackmeierte bei der ganzen Sache ist eine 45-jährige Kundin, die für einen Handwerkerauftrag mit 2700 Euro in Vorkasse ging.
In dem Verfahren ging es um einen Vorgang im Mai vergangenen Jahres. Die Frau hatte sich ein älteres Haus in der Gemeinde Gerhardshofen im mittelfränkischen Landkreis Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim gekauft. Um die Fenster zu ersetzen, suchte sie im Internet nach einer Handwerkerfirma. So stieß sie auf die Ein-Mann-Firma des Angeklagten, die seinerzeit im Eltmanner Ortsteil Roßstadt gemeldet war.
Nach der Kontaktaufnahme wurde man sich schnell einig. Für insgesamt 3600 Euro versprach der Handwerker, die Fenster zu liefern und einzubauen. Am 16. Mai 2017 ging die Hausbesitzerin in Vorkasse und überwies 2700 Euro an das Kleinunternehmen. Tatsächlich bestellte dieser bereits einen Tag später bei einem Großlieferanten die Fenster und zahlte diesem dafür 2000 Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles nach Plan.
Dann aber geriet der Beschuldigte in eine missliche Lage. Er musste sich genau in dieser Zeit vor dem Würzburger Amtsgericht verantworten, weil sich auf seinem PC "unerlaubte Sachen" (Rechtsanwalt Jürgen Spahn) befanden. Vermutlich handelte es sich um kinder- und jugendpornografische Dateien. Dieses Verfahren in Würzburg wurde mit einer Geldauflage eingestellt. Inklusive der Gerichtskosten musste er nun auf die Schnelle rund 1800 Euro aufbringen.
In dieser Situation stornierte er die Fensterbestellung und erhielt seine Vorzahlung von 2000 Euro zurück. Das Geld brauchte er dringend, um Schlimmeres aus der Würzburger Gerichtsverhandlung zu verhindern. Der Hausbesitzerin erklärte er, dass er den Auftrag nicht ausführen könne. Er wolle die 2700 Euro bis September 2017 zurückzahlen. Die Kundin glaubte ihm zunächst. Nachdem aber weder im September noch im Oktober ein Euro bei ihr einging, erstattete sie im November Anzeige.
Im Zeugenstand zeigte die Frau sogar Verständnis für den Beschuldigten. "Ich glaube, er hat große Probleme", meinte sich mit Blick auf den 35-Jährigen. Auf Nachfrage der Staatsanwältin Andrea Götz erklärte sie, warum sie ein halbes Jahr zugewartet habe, bevor sie zur Polizeidienststelle ging. "Ich wollte ihm halt eine Chance geben", lautete ihre Antwort.


Gewerbe abgemeldet

Der Angeschuldigte hat zwischenzeitlich sein Gewerbe abgemeldet, bezieht Leistungen zur Grundsicherung und wohnt mit seiner Freundin im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld. Mit im Haushalt leben zwei Kleinkinder. Zudem ist die Lebensgefährtin hochschwanger und erwartet demnächst ihr drittes Kind.
Das bedeutet, dass bei dem Mann nichts zu holen ist. Erst, wenn er eine neue Arbeitsstelle findet, könnte er damit anfangen, seine Schulden abzutragen. In einem Nebensatz erwähnte die geprellte Hausbesitzerin, dass der Arbeitslose seine Schulden bei ihr auch durch Arbeiten am und im Haus "abarbeiten" könne. Ob es dazu kommt, ist aber fraglich, weil er diese Tätigkeit ja der Sozialbehörde melden müsste, die ihm dann wohl die Leistungen streichen würde.