Eine weite Reise hatte der zwölfjährige Lamine* aus Gambia in Westafrika hinter sich, als er im vergangenen Jahr gemeinsam mit sechs weiteren Kindern mit der Hilfsorganisation "Friedensdorf International" nach Deutschland kam.
Lamine hatte sich 2010 eine schwere Fraktur zugezogen, hierbei wurde die Wachstumsfuge am Oberschenkel verletzt, und es entwickelte sich eine starke Fehlstellung des Beins mit Verkürzung um fast zehn Zentimeter. Hierdurch hatte Lamine starke Schmerzen im Knie und in der Hüfte. Selbst mit seinen Unterarmstützen konnte er nur kurze Strecken gehen, an rennen oder Fußball spielen war auch aufgrund der stark unterschiedlichen Beinlänge nicht zu denken. Zu Hause konnte man dem Jungen jedoch nicht helfen, und eine Behandlung in den Nach-barländern konnte sich die Familie nicht leisten.
Für Eva Gill, Krankenhausdirektorin des Regiomed-Klinikums Lichtenfels, und Dr. Jörg Harrer, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, war es ein Herzensanliegen, zu helfen. Während der stationären Aufenthalte in Lichtenfels wurde der Junge liebevoll vom Pflegepersonal des Klinikums umsorgt. Zusätzlich besuchten ihn ehrenamtliche Friedensdorfbetreuerinnen aus Scheßlitz und Lichtenfels, die ihm am Krankenbett die Zeit vertrieben. Besonders das Kartenspielen liebte der junge Gastpatient aus Westafrika. Zwischen den Krankenhausaufenthalten lebte Lamine in der Heim- und Pflegeeinrichtung des Friedensdorfes in Oberhausen (NRW).
In mehreren Operationen wurde das Bein nun wiederhergestellt. Mit einem Nagel wurde der Knochen am Oberschenkel begradigt und mit einem zusätzlichen äußeren Spanner das Bein Stück für Stück langsam um einen Millimeter am Tag verlängert. Eine extrem komplexe, aufwendige und langwierige Behandlung: Für zehn Zentimeter Beinlänge braucht es über ein Jahr, bis der Knochen nachgewachsen war!
Nun ist endlich der Beinlängenausgleich geschafft, der Fixateur konnte abgenommen werden. Jetzt muss der nachgewachsene Knochen noch ausreifen. Erst dann kann das Metall entfernt werden und der Junge in sein Heimatland zurück. Die komplexe Knochenumstellung erfordert eine intensive Kooperation zwischen Dr. Harrer und den Mitarbeiterinnen des Friedensdorfes. So erhält dieser regelmäßig Röntgenbilder, um den Heilungsprozess zu kontrollieren und gegebenenfalls die Ein-stellung des Fixateurs neu zu justieren. Noch einige Monate wird Lamine im Friedensdorf verbringen. Dort erhält er die notwendige Physiotherapie und erholt sich bei Spaß und Spiel mit etwa 200 Kindern aus acht Nationen, bis er im Spätherbst wieder zu seiner Familie zurückkehrt, die ihn bereits sehnlichst erwartet.
* Name geändert. red