Von Anfang an war Armin Grötzner bei der Lesung aus den Werken "verbrannter Dichter" dabei, sagte uns Ingo Cesaro, der Organisator dieses besonderen Abends, der am Dienstag, 8. Mai, wieder in der Kronacher Synagoge stattfinden wird. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Obwohl Armin Grötzner seit einiger Zeit in Bamberg lebt, lässt er es sich nicht nehmen, Erich Remarque mit seinem Roman "Im Westen nichts Neues" vorzustellen. Remarque, 1898 in Osnabrück geboren, diente als Soldat an der Westfront bis zum Ende des Krieges. Seine Kriegserlebnisse haben ihn lebenslang geprägt und er wurde als pazifistisch-antimilitaristisch bewertet. Am 1. Februar 1933 verließ er Deutschland Richtung Schweiz. 1933 wurden seine Bücher unter dem Feuerspruch "Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wehrhaftigkeit" verbrannt.
"Ich glaube, ich habe genug gelebt." Dieser Satz stammt von der in Nürnberg geborenen Claire Goll, von der Gisela Gülpen einige Gedichte vortragen wird. Mit zwanzig Jahren heiratet Claire Ivan Goll. Nach fünf Jahren wurde die Ehe geschieden.
Die Verbindung mit Ivan Goll war schicksalhaft. Da trafen sich zwei Ohnmächtige mit einem Überbedürfnis an Zuwendung und Zärtlichkeit. Später wurde sie Rainer Maria Rilkes Geliebte. Nach der Trennung zog sie mit Ivan Goll nach Paris. Dort wurden Marc Chagall und die Golls Freunde.
Odette Eisenträger-Sarter wird den Roman "Der Gang vor die Hunde" von Erich Kästner (1899 -1974) vorstellen. Kästner begründete gleich mit zweien seiner ersten Bücher seinen Weltruhm: "Herz auf Taille" (1928) und "Emil und die Detektive" (1929). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Bücher verbrannt. Sein Werk erschien in der Schweiz. "Fabian" ist Erich Kästners Meisterwerk. Für den Verlag wurde es zu einem Sprengsatz. Vom Verlag entschärft, wurde es trotz der verharmlosten Fassung von vielen als dekadent und obszön angesehen. Er selbst sagte dazu: "Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind."


Glossen gegen die NSDAP

Gisela Lang wird aus Alfred Kerrs "Die Diktatur des Hausknechts" einige Gedichte aus der Zeit von 1926 bis 1934 nach dem Motto: "Keiner hat es gewusst - nur ein paar wenige" vortragen. Alfred Kerr (1867-1948) war Schriftsteller, Journalist und einer der einflussreichsten Kritiker. Er sah in der Kritik eine eigene Kunstform, treffend, geistreich-ironisch, oft absichtlich im saloppen Stil. Seit 1932 nahm er in Glossen für den Rundfunk gegen die NSDAP Stellung. 1933 wurden alle seine Schriften verbrannt und er selbst ausgebürgert.
Ingo Cesaro wird den Anarchisten Erich Mühsam, der die Gewalt hasste, vorstellen. Zusammenfassend könnte man ihn als Vagant, Bänkelsänger, Dramatiker und Anarchist bezeichnen. 1904 erschien in Berlin sein erster Gedichtband: "Die Wüste". Er zog nach München, trat bei den "Schafrichtern" auf und schrieb für den "Simplicissimus". Nach seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde er zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt, allerdings 1924 nach sechsjähriger Haft entlassen. Beim Schutzverband deutscher Schriftsteller sagte er: "Und ich sage euch, dass wir, die wir hier versammelt sind, uns alle nicht wiedersehen. Wir sind eine Kompanie auf verlorenem Posten. Aber wenn wir hundertmal in den Gefängnissen verrecken werden, so müssen wir heute noch die Wahrheit sagen, hinausrufen, dass wir protestieren."
"Gerade der Antisemitismus, der sich in Berlin erst auf schrecklichste Art zeigte, macht uns klar, dass wir auf diese Veranstaltung nicht verzichten können", merkt Ingo Cesaro an. Natürlich sei es ein "Farbe Bekennen" für jeden, der als Zuhörer an der Lesung in der Synagoge teilnehmen wird. red