Klaus-Peter Gäbelein "Der Franz aus der Nachbarschaft, das is a arma Seel!" Diese Worte meiner Großmutter klingen mir noch heute in den Ohren. Und wenn ich von "einer armen Seele" höre oder lese, dann habe ich spontan das Herzogenauracher Seelhaus vor Augen.

Doch was haben "arme Seelen" mit dem frisch restaurierten Gebäude mit seinem mächtigen, vorkragenden Walmdach am Kirchenplatz mit dem genannten Begriff zu tun? Der genannte Franz, dieser arme Kerl, war schlichtweg eine "arme Seele" , weil er in Armut lebte, genauer gesagt, "dahinsiechte", kaum genug zu essen hatte und in abgetragenen, alten Kleidern oder Lumpen daherkam. Er hatte zum Leben und zum Sterben schlichtweg zu wenig, "die arme Seel".

Als Seelhaus wurde ursprünglich ein Gebäude bezeichnet, das zum Heil (Wohl) einer bestimmten Seele gestiftet wurde und zur Aufnahme Bedürftiger dienen sollte, später auch ein Haus, das aus Mitteln einer solchen Stiftung gebaut wurde. Das Seelhaus war auch eine Herberge für Pilger, sowie (in Herzogenaurach) für unvermögende oder kranke Menschen, insbesondere für Frauen aus der unteren Bevölkerungsschicht, die keine Heiratsaussichten hatten oder länger erwerbslos im Ort ansässig waren. Fremde durften durften in diesen Herbergen ohne Genehmigung nicht beherbergt werden. Frauen, die gegen die Hausordnung mehrfach verstoßen hatten, wurden aus der Herberge verwiesen und erhielten teilweise sogar das Aufnahmegeld wieder zurück.

Herberge für Bedürftige

Das Herzogenauracher Seel- haus diente seit dem 15. Jahrhundert als Herberge für bedürftige oder kranke Duchreisende; später durften auch die Armen der Stadt darin wohnen. Verschiedene Heimatforscher, unter anderem Luitpold Maier, Bernhard Dietz und die Leiterin des Stadtmuseum, Irene Lederer, haben zuletzt über die Insassen und auch über die Baugeschichte des Hauses geforscht.

Seel- oder Armenhäuser, auch als Pilgrimsherbergen bezeichnet, trugen sich ursprünglich durch das Stiftungskapital, das von wohlhabenden Bürgern gespendet worden war. In unserem Fall konnte nach etwa 100 Jahren dieser Stiftungszweck nicht mehr erfüllt werden, das Geld war aufgebraucht und die Stadtväter widmeten die Herberge in ein Armenhaus um, in dem ursprünglich vier bedürftige Frauen eine "lichtfreie Wohnung" erhielten. Ihren Lebensunterhalt durften sie durch Almosensammeln in der Stadt betreiben. In das Haus wurden, laut Luitpold Maier, in erster Linie Bürger oder Bürgerskinder aufgenommen.

1519 betreute die Seelhausfrau Margaretha eine Insassin, nämlich die "närrische Christina", die den Rest ihres Lebens in einem "Narrenhäuslein", einem hölzernen Käfig, verbringen musste. 1618, als der 30-jährige Krieg ausbrach, fand man ein zweijähriges Kind, das auf Kosten des Rates im Seelhaus "gewartet" (betreut) wurde, bis man Pflegeeltern fand.

Im 18. Jahrhundert hatte das Seelhaus als Armenhaus oder Herberge für Bedürtige ausgedient. Es wurde von Privatpersonen gekauft, ebenso das angrenzende Gebäude (heute Engelgasse), das einst ein Zimmermann besessen hat. In den 1930er Jahren wurde das Anwesen renoviert und restauriert.