Christian Reinisch

Über das Paarungsverhalten der "Generation Internet" gibt es ja jede Menge Theorien. Dass da angeblich beim Dating ohne Smartphone nach dem "Tinder"-Prinzip "Wisch und weg" nicht wirklich was geht, zum Beispiel. Umso schöner, wenn das gute alte analoge Leben auch bei den Eingeborenen des digitalen Zeitalters noch funktioniert - zumindest, wenn es um die Liebe geht. Oder um deren Anbahnung...
Sonntagmittag, auf dem Erba-Gelände: Der Triathlon geht in seine finale Phase, die Sportler haben Schwimmen und Rennradstrecke bereits hinter sich und kämpfen sich nun laufend über die letzten zehn Kilometer dem Ziel entgegen. Auf Höhe des Faltbootclubs stehen Zuschauer, applaudieren. Plötzlich springt aus deren Reihen eine junge Frau vor auf die Laufbahn, versucht Schritt zu halten mit einem Triathleten. "Hey", ruft sie ihm zu, "ich hab dich beobachtet - ich finde dich voll süß!" Dann steckt sie ihm, schon leicht außer Atem, einen Zettel zu. "Ich geb dir meine Nummer. Wenn du Single bist, ruf mich bitte an!" Der Triathlet läuft weiter, stoisch in seinem Tempo. Die junge Frau bleibt zurück.
Ob der junge Sportler sich im Ziel nun mehr für seine Zeit oder für die Ziffern auf seinem Zettel interessiert hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber eines zeigt uns diese kleine Beobachtung: Den Wagemutigen gehört die Zukunft. Und, ja: Ausdauersport macht sexy.