Karl-Heinz Hofmann Bürgermeister Rainer Detsch hatte den neu konstituierten Bauausschuss der Bergwerksgemeinde in der ersten Sitzung am Donnerstag zu einer Ortsbegehung an die wichtigsten und momentan relevanten Bauprojekte eingeladen.

Größte derzeit im Bau befindliche Maßnahme ist zweifellos die Rentei auf dem ehemaligen Bergwerksgelände. Es handelt sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, welches 1847 errichtet wurde und als Wohn- und Verwaltungsgebäude diente. Das Gemeindeoberhaupt freute sich, außer den Ratsmitgliedern auch die Bauleiterin, Diplom-Ingenieurin Kerstin Förtsch vom Architekturbüro 3 D Detsch, Kronach, und Kreisheimatpfleger Robert Wachter als fachkompetente Begleiter der Exkursion begrüßen zu können.

Rentei liegt im Plan

Rainer Detsch stellte eingangs fest, dass man nach bisher etwa einem Jahr Bauzeit gut im Finanz- und Zeitplan liege. Das auf rund 2,7 Millionen Euro geschätzte Sanierungsbauwerk wird der Gemeinde Stockheim rund 300  000 bis 400 000 Euro an Eigenanteil abverlangen. Die Förderung beläuft sich dank der Förderoffensive Nordostbayern des Freistaates Bayern auf circa 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Rathauschef informierte, dass hier ein einzigartiges Begegnungs- und Kulturzentrum entstehen wird, in dessen Mittelpunkt die Erinnerung an die Bergbaugeschichte Stockheims stehen soll.

Kreisheimatpfleger Wachter sprach von einer tollen Sache, die dieses Projekt darstelle. "Endlich erhält die über 400- jährige Stockheimer Bergbaugeschichte ein würdiges Domizil, dazu im eigentlich letzten noch authentisch erhaltenen Gebäude des Bergwerkareals. Dank gebührt dafür vor allem der FONOB, die durch ihre großartige Förderkulisse die Realisierung des Vorhabens ermöglicht", drückte Wachter seine Freude aus. So werde eine Sehenswürdigkeit und eine zusätzliche Facette für den Tourismus im Frankenwald geschaffen.

Der Kreisheimatpfleger bedauerte zwar, dass durch die zukünftige öffentliche Nutzung nicht unerhebliche Eingriffe gerade in der inneren Baustruktur des Gebäudes aufgrund heutiger Bauvorschriften nötig sind. Diese führen leider zwangsläufig zu einem nicht unerheblichen Verlust originaler Bauteile und Strukturen.

Als große Leistung hebt Wachter hervor, das Gebäude statisch für die neue Nutzung zu ertüchtigen, ein neues Raumkonzept zu integrieren und dabei den Bestand aber immer im Blick zu haben sowie auf ihn Rücksicht zu nehmen mit seinen ganzen Unwägbarkeiten. Gut findet er auch, dass vorgesehen ist, die markante historische Rundung der Stirnfläche der zentralen Treppenanlage im Inneren trotz der notwendigen neuen Treppe wieder herzustellen - diese war eine Besonderheit der Rentei.

Historie nacherlebbar machen

So hielt sich der Kreisheimatpfleger aber auch nicht mit Anregungen zurück. Die weiteren noch vorhandenen historischen Teile und Ausstattungsstücke - auch wenn nicht vorgesehen - sollten soweit möglich doch noch in einem Raum integriert beziehungsweise Teile davon im Inneren präsentiert werden, damit die Historie des Gebäudes etwas besser nacherlebbar bleibt.

Gerade im ersten Stockwerk der Rentei befinde sich im sogenannten "Herrenzimmer" ein spannender schöner Holzfußboden wohl aus der Bauzeit mit auf Gehrung gelegten Brettbohlen, die so ein interessantes Muster mit mittlerem Spiegelfeld ergeben. Ebenso anschließend in einigen Räumen mitunter Holzfußböden aus der Bauzeit mit extrem breiten Bohlen, die man so heute eigentlich gar nicht mehr bekomme. Er regte an, zu prüfen, ob gerade dieser Fußboden des "Herrenzimmers" auf dem neuen Belag nicht wieder mit eingebaut, mit diesem integriert oder zusammengefügt werden könne und dabei schadhafte oder fehlende Teile durch Material aus den anderen alten Holzfußböden ergänzt werden können. Das wäre gerade in diesem Nordost-Zimmer, aus dem ein großer Vortragsraum werden soll, sicherlich ein besonderes Highlight, wenn jener Vortragsraum komplett mit so einem historischen Fußboden, der sogar hier noch am originalen Einbauort sich befände, versehen würde. Ebenfalls sollte man dort die auch von hier stammende kassettierte Lamperie, die größtenteils schon ausgebaut und im Bauhof eingelagert wurde, wieder einbauen.

Voller Begeisterung stellte Wachter fest, dass das Gebäude außerdem in weiten Teilen noch seine bauzeitlichen Fenster aufweist, die sogar vielfach noch die historischen, mundgeblasenen und gewalzten Gläser von 1847 besitzen. Er regte daher an, ob man ebenfalls in diesem Raum oder auch in einem anderen, wo es passt, vielleicht mindestens drei dieser Fenster in situ erhalten, aufarbeiten und zu Kastenfenstern umbauen könnte.

Der Umbau zu Kastenfenstern erfolgte in einem Raum im Mittelteil sogar schon um 1900, wie noch heute vorhanden, ergänzt der Fachmann. Damit könnten spätere Generationen nachvollziehen, wie ursprünglich so ein Fenster um 1847 ausgesehen hat, weil allein diese handgefertigten Glasscheiben einen ganz eigenen Charme haben durch ihre unregelmäßige Struktur mit Luftbläschen.

Da wohl ebenfalls die noch aus der Bauzeit stammende Haustüre vermutlich nicht in situ erhalten werden kann, schlug der Kreisheimatpfleger vor, sie auf jeden Fall zu sichern und vorzusehen, dass man sie zum Beispiel als Deko- Element im Gebäude irgendwo wieder anbringt, wie etwa in den neuen Gasträumen.

Für Räte und Bürgermeister waren die Worte des Kreisheimatpflegers wie Balsam und sie fühlten sich in ihrem Vorgehen bestätigt, ein Baudenkmal wieder mit Leben zu erfüllen und der Nachwelt zu erhalten. Der Bürgermeister erörterte in den einzelnen Etagen die vorgesehenen Nutzungen.

Das soll entstehen

Im Dachgeschoss soll sich ein variabel nutzbarer Bereich für leichte Archivgegenstände, Ausstellungen und Archivierungstätigkeiten befinden, dessen Erkundung für die Besucher ermöglicht wird. Die OG-Nutzung berücksichtigt drei Räume, die variabel und vielseitig nutzbar sind: zwei kombinierbare Veranstaltungs-/Seminarräume und einen Ausstellungsbereich. Der gegebene symmetrische Grundrissaufbau mit zentral gelegenem Treppenhaus ermöglicht im EG ein besucherfreundlich orientiertes Rundgangkonzept für wechselnde Ausstellungs- und Informationsthemen.

Das UG wird geprägt durch einen von außen ebenerdig erschlossenen Sanitärbereich auch für die vielfältigen Nutzungen im Außenbereich. Im zweiten Teil des UG ist eine gastronomische Betreuung unter Organisation der ehrenamtlich engagierten Mitglieder von Vereinen vorgesehen. Alle Geschosse werden barrierefrei erreichbar sein.

Fortschritt am Maxschacht

Von der Baustelle Rentei ging es zur nächsten Großbaustelle, dem Kunstrasenplatz des FC Stockheim auf dem Maxschacht. Bauausschussmitglieder zeigten sich überrascht über den Fortgang der Maßnahme. In weit mehr als 3000 freiwilligen Stunden haben sich über 70 Mitglieder des FC Stockheim eingebracht. Bürgermeister Detsch bedankte sich im Namen der Gemeinde für diese Leistung und sagte auch im Namen der Mitglieder des Bauausschusses weiterhin Unterstützung seitens der Gemeinde zu. Es entstehe hier in Stockheim eine weitere Attraktion im Freizeitbereich.

Feuerwehrhalle fast fertig

Auch der Ausbau der ehemaligen Halle der Fa. Scholz zur Nutzung für die Feuerwehr Stockheim nimmt Formen an. Der Ausschuss konnte sich im Rundgang durch die Räume der Qualität und Ausführung der Bauarbeiten überzeugen. Die Atemschutzwerkstatt ist bereits fast komplett eingerichtet, die Küche wird demnächst geliefert. Tische und Stühle für den großen Besprechungsraum stehen bereit. Das Schwerlastregal für das Lager wurde kurz vor der Sitzung angeliefert. Im Kellergeschoss sind die baulichen Vorkehrungen getroffen für ein Materiallager und die Kleiderkammer der sieben Wehren der Großgemeinde.