Diana Becht-Zwetkov

Vom Marterl hoch oben über Viereth haben sie einen schönen Blick über das Land: Ein paar Seen, einige Gewerbebauten, ein Schallschutzwall und endlose Ackerflächen. Bürgermeisterin Regina Wohlpart und Gerd Franke, Leiter der Gemeindegeschäftsstelle, schauen damit allerdings auch auf viele Probleme.
Widrigkeiten, die nun - nach mehr als 20 Jahren des Planens, der Skandale und des Verschiebens - aus dem Weg geräumt werden sollen. "Wir müssen jetzt zeigen, dass es weitergeht. Dass hier wirklich etwas entsteht", sagt Wohlpart (Bürgergemeinschaft), seit drei Jahren im Amt.
"Und irgendwie muss man ja anfangen, denn die Menschen müssen sehen: Hier entwickelt sich etwas weiter." Das "Irgendwie" heißt für das Endlos-Bau- und Erschließungsprojekt "Mainäcker" jetzt, dass sämtliche neuen Ideen, Erkenntnisse und Vorhaben öffentlich ausliegen. Ämter und Bürger können sich die Zukunft der "Mainäcker" nun auf Papier anschauen. Verantwortliches Planungsbüro ist die Firma Strunz aus Bamberg. "Das ist nötig, damit wir erschließen und alle weiteren Schritte einleiten können", erklärt Franke.
Denn die Zeit drängt. Die Gewerbetreibenden, die bereits vor Ort sind, wollen ihren Betrieb vergrößern und benötigen dafür vor allem eins: Flächen. Genau wie die Firmen, die sich gern dort ansiedeln würden. Bewerbungen werden im Rathaus bereits entgegengenommen. "Wir haben schon Gewerbe verloren, weil wir keine geeigneten Flächen anbieten können", erzählt die Bürgermeisterin. Und dass das niemand für seinen Ort will, verstehe sich von selbst, meint Franke.
Doch die Zeit arbeitet gegen die beiden. Sie blicken hinunter zur Bundesstraße 26, die direkt am Gewerbegebiet "Mainäcker" vorbeiführt. "Die Hälfte der Fläche dort", die Bürgermeisterin zeigt auf einen riesigen Acker, "bräuchten wir dringend. Doch der Landwirt möchte ihn noch nicht hergeben.
Es läuft wohl auf längere Verhandlungen hinaus. Erschwerend kommt hinzu, dass in das Projekt "Mainäcker" gleich mehrere Landkreise (Bamberg, Haßberge) und Regierungsbezirke (Ober- und Unterfranken) involviert sind. Denn dort, wo die zwei stehen, ist die Grenze zu Unterfranken nur einen Steinwurf entfernt. Im wörtlichen Sinne.
"Dort", Franke zeigt in westliche Richtung, "beginnt schon Unterfranken." Und damit ein anderer Regierungsbezirk. "So viele Interessen, Meinungen und Wünsche unter einen Hut zu bringen, das dauert", sagt Wohlpart. Sie weiß, dass die Gefahr groß ist, dass sich in Zeiten zähen Ringens viel ändern kann: So hat sie vor vier Wochen erfahren, dass sie noch vor 24 Monaten Geld ausgegeben hat, das sie sich komplett hätte sparen können. Damals sollten die Mitarbeiter im Bürogebäude der Gerüstfirma, die ihr Domizil vor drei Jahren in die "Mainäcker" umsiedelte, vor Lärm von der nahen Bundesstraße geschützt werden. Ein Erdhügel - zwölf Meter hoch und knapp hundert Meter lang - wurde errichtet. Das Planungsbüro Strunz hat nun errechnet: Der Wall ist zu hoch und zudem unnötig. "Er steht nun und jetzt bleibt er da", sind sich Gerd Franke und Regina Wohlpart einig.


Ein bisschen schönreden

"Außerdem ist ein bisschen Grün an der Straße nicht ganz schlecht", sagt Franke. Man müsse es sich halt schönreden. Ohnehin wären die beiden froh, wäre der überdimensionierte Schallschutzwall das größte Problem vor Ort.
Denn auch die Arbeiten am Freizeitpark, der mit Campingplatz, Gastronomie, Wasserski und erholsamen Dingen rund um die Seen entstehen soll, sind längst nicht abgeschlossen. Die Idee dafür entstand vor gut zehn Jahren.
Zu sehen ist noch so gut wie nichts. Auch dort verhinderten neue Erkenntnisse im Lauf der inzwischen 22-jährigen Planungszeit ein schnelles Vorankommen. Teile des Gebietes wurden inzwischen als Auenflächen zum Hochwasserschutz ausgewiesen.
Was wiederum heißt, dass nicht mehr so und nicht mehr dort gebaut werden kann, wie dereinst vorgesehen. Also stocken die Arbeiten am Park immer wieder.
Durch das Aufschütten von jeder Menge Erde nimmt der zukünftige Campingplatz zwar erste Formen an. "Bis alles einmal so ist, wie wir es gern hätten, vergehen bestimmt noch 25 Jahre", zeigt sich Regina Wohlpart als Realistin. Mit der Erschließung und Bebauung der Gewerbeflächen soll es jedoch schneller gehen: 2025 lautet das ehrgeizige Ziel.
Sehr viel erfolgreicher, aber nicht weniger dringend, ist die Erschließung des Baugebietes "Sandleite" auf der anderen Ortsseite. "Obwohl das hier nicht so einfach ist", sagt Franke ehrlich.
Das Gebiet liegt am Hang. Auf den gut 8000 Quadratmetern - der Fläche einer Fußballarena - ist dann Platz für zehn Eigenheime. Die gute Nachricht: An der "Sandleite" wird es viel schneller gehen als an den "Mainäckern".


Baubeginn im Frühjahr 2019

Die Bauarbeiten für die Häuser können - wenn alles gut läuft - im Frühjahr nächsten Jahres beginnen. Aber eben nur für zehn Familien. "Wir haben für jeden Bauplatz drei Bewerber", sagt Wohlpart. "Uns wird nichts anderes übrig bleiben, als per Losverfahren zu entscheiden." Sie verkündet damit die schlechte Nachricht: Es gibt mehr Bedarf im Ort, als Platz da ist. Ein Dilemma, mit dem sich derzeit viele Gemeinden im Landkreis plagen.
"Meinen Sie, geteiltes Leid ist halbes Leid?", fragen sie und lachen. Ihren Humor haben Regina Wohlpart und Gerd Franke jedenfalls beide noch nicht verloren.