Viel ist nach sechs Verhandlungstagen am Landgericht Bamberg von dem Vorwurf der versuchten besonders schweren Brandstiftung an einem Mehrfamilienhaus in Scheßlitz und des versuchten Mordes in 13 Fällen nicht übrig geblieben. Die Strafkammer verurteilte einen 30-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg wegen vergleichsweise leichterer Delikte zu zweieinhalb Jahren Haft. Sein 20-jähriger Komplize muss 300 Euro an den Tierschutzverein Bamberg zahlen.

Den versuchten Mord kann man nicht wirklich nachweisen. Die versuchte Brandstiftung nicht bestrafen, weil der Täter freiwillig aufgehört hat, Feuer zu legen. Für Staatsanwalt Johannes Wedekind ist die Verkündung des Urteils ein ernüchternder Moment. Acht Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe hatte er für den Hauptangeklagten gefordert.

Verstoß gegen Waffenrecht

Der Handlanger, der ihn zum Tatort gefahren hatte, sollte 1000 Euro für einen guten Zweck zahlen. "Sie hatten die Absicht, das Anwesen in Brand zu setzen und nahmen in Kauf, dass die des Nachts schlafenden Bewohner an den Rauchgasen erstickten." Es bleibt im Urteil freilich nur die Sachbeschädigung für die eingeschlagene Glasscheibe am Hintereingang des Mehrfamilienhauses. Und natürlich, dass der Angeklagte sich zwei Molotow-Cocktails gebastelt hat. Ein gravierender Verstoß gegen das Waffenrecht. Denn nach dem Wurf habe man die Folgen der brennenden Flüssigkeit nicht mehr unter Kontrolle.

Dass es eine brandgefährliche Handlung war, daran zweifelte auch der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt nicht. Nur könne man nicht beweisen, dass der Angeklagte gewusst habe, dass es nur einen Fluchtweg aus dem Gebäude gegeben habe. Auch hätte das Feuer, wenn es denn im Windfang entflammt wäre, einige Zeit gebraucht, bis es groß genug wäre, um auf das Treppenhaus überzugreifen. Besonders ins Gewicht fiel, dass der Angeklagte keine Anstalten machte, besonders leise vorzugehen. So weckte er mindestens einen Bewohner durch den Lärm am Hintereingang. Der musste wenige Sekunden später nicht einmal etwas innerhalb des Gebäudes löschen, weil der Angeklagte zwar die Benzinbomben hineingeworfen, diese aber nicht entzündet hatte. "Es wäre möglich gewesen, ein Streichholz hineinzuwerfen", so Richter Schmidt. Was der Angeklagte jedoch nicht getan habe.

Nur Angst machen wollen

Der Angeklagte verteidigte sich, er habe dem italienischen Gastwirt und seiner Familie nur Angst machen wollen. Im Hintergrund schwelte ein längerer Konflikt der Nachbarn, der mit einem ins Wohnzimmer des Angeklagten geworfenen Felsbrocken eskaliert war. Das Geschoss hatte ihn und seine Freundin nur knapp verfehlt, die Scherben beide verletzt. Dies hatte wohl die folgende Racheaktion ausgelöst.

Zudem wurde der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte wegen eines Vorfalls einige Wochen zuvor belangt. Ein anonymer Anrufer hatte die Polizei auf seinen Hund im Zwinger aufmerksam gemacht, der weder genügend Auslauf noch ausreichend Wasser gehabt hätte. Auch eine Ruhestörung stand im Raum. Als die Beamten ermitteln wollten, hätte der Angeklagte versucht, sie daran zu hindern. "Sie haben die verdammte Pflicht, sich dem zu fügen, was die Polizei sagt", so Richter Schmidt. In der Folge griff der Angeklagte einen Polizisten von hinten an, der zu Fall kam und sich dabei eine Schürfwunde zuzog. Bei der Festnahme suchte er sich aus der Fixierung zu befreien. Am Ende standen ein tätlicher Angriff auf und ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie eine vorsätzliche Körperverletzung.

Die Verteidigung der Rechtsanwälte Moritz Bode (Augsburg) und Nikolai Odebralski (Essen) argumentierte mit nicht brennenden Lunten, geringen Benzinmengen und dem Einfluss von LSD auf den Angeklagten. Sie hielten sogar eine Bewährungsstrafe für möglich. Aber nur, weil sie den Polizeieinsatz in Sachen Hund für rechtswidrig erachteten.

Komplize kommt glimpflich weg

"Das Tier hatte alles, was es braucht. Der Angeklagte wurde zu Recht böse", so Rechtsanwalt Bode. Im Gegenteil: Sein Mandant sei von den Polizisten verletzt worden. Er sei deshalb in diesen Punkten freizusprechen. Einige etwas ruhigere Tage am Landgericht hatte indes Christian Barthelmes. Der Rechtsanwalt aus Bamberg hatte den Komplizen zu verteidigen und konnte sich lange im juristischen Windschatten seiner Kollegen verbergen. Schließlich kämpften die auch für seinen Mandanten. Indem sie die schwersten Anschuldigungen entkräften konnten, kam das auch dem 20-jährigen Heranwachsenden zugute. "Normalerweise stünde er wegen der Beihilfe zur Sachbeschädigung vor dem Jugendrichter am Amtsgericht, der ihm eine richterliche Weisung erteilte", so Barthelmes, der sich wunderte, dass man das Ganze so hoch gehängt habe.