Karl-Heinz Hofmann Weißenbrunn —  Die Grundschule Weißenbrunn hat eine "Friedensecke" als Ort der Versöhnung, Schlichtung und Besinnung eingerichtet. Dies war das Ergebnis einer Streitschlichter- Ausbildung. Die Schule ohne Rassismus und Schule mit Zivilcourage setzte damit ein Zeichen gegen Hass und Gewalt und unterbricht die Gewaltspirale.

Zur Einführung informierte Rektor Ralf Knöchel, dass die Lehrerverbände mit großer Sorge eine Verrohung der Sprache, die Verbreitung von Hassreden und die Zunahme von Gewalt in der Gesellschaft beobachten. Insbesondere schaffen die Veränderung der Sprache eine Atmosphäre des Hasses, des Misstrauens, der Aggression und der Gewalt, so Ralf Knöchel. Deshalb haben sich die Grundschule Weißenbrunn, der Weiße Ring und die öffentliche Hand, vertreten durch das Projekt "Demokratie leben", auf den Weg gemacht, um durch ein Konzept der Mediation der Hass- und Gewaltspirale ein Ende zu bereiten beziehungsweise andauernden Konflikten vorzubeugen. "Menschen verändern sich, wenn sie gehört werden", ist einer der Haltungsgrundsätze aus der "Gewaltfreien Kommunikation" (GFK), die von M.B. Rosenberg stammt. Dieses Konzept war die Grundlage der Streitschlichter-Ausbildung, welche von der Trainerin Katja Reitz, die in Kronach eine Praxis für Psychotherapie leitet, durchgeführt und geleitet wurde.

Neun Schüler erklärten sich bereit, an der Ausbildung teilzunehmen und erhielten während eines kleinen Festaktes an der Schule ihre Urkunden, im Beisein einiger Ehrengäste. Die zahlreichen Besucher der Veranstaltung erfuhren, wie man durch die Methode der GFK Konflikte professionell lösen kann. Als Streitschlichter fungierten Hanna und Eva. Den Streitschlichtern gelang es durch geschicktes Hinterfragen der Fakten, den Konflikt zu durchleuchten, den Gefühlen und Bedürfnissen der Beteiligten Streithähne auf die Schliche zu kommen und dadurch Lösungsvorschlägen einem Raum zu verleihen.

In diesem authentisch gestellten Konfliktfall konnten die Parteien erkennen, dass den verbalen Angriffen, die gegenseitig ausgetauscht wurden, die jeweiligen Bedürfnisse nach Kontakt und Action einerseits, nach Ruhe und Entspannung andererseits, zugrunde lagen. Beide Fronten suchten so unter Einschaltung und Hilfe der Schüler-Mediatoren eigenständig nach Lösungen.

Dies ist gelungen. Die Kontrahenten konnten sich wieder in die Augen sehen. Coronabedingt konnten sie sich nicht auf die Schulter klopfen, sondern deuteten mit der Ferse ihre Einigung an. Es gab von Eltern und Gästen großen Beifall.

Sie nahmen das Fazit mit, dass brisante Themen durch Offenlegung tatsächlich das Potenzial für Lösungen freisetzen können. Eine schöne Geste zeigten die Vertreter vom Weißen Ring, Kronach, Inge und Walter Schaller, die das "Friedenseck", bestehend aus Giraffensitzsäcken, finanzierten. Der "Weiße Ring" ist eine Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. Nicht die Täter, sondern die Opfer stehen im Mittelpunkt.

Schulleiter Ralf Knöchel dankte schließlich allen Akteuren, besonders auch Moderatorin Katja Reitz und Sabine Nachtrab von der Partnerschaft "Demokratie leben" des Landkreises Kronach, einem Projekt welches durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, das sich für die Finanzierung der Streitschlichter-Ausbildung einsetzte.