Veronika Schadeck

"Bayern muss sozialer werden", unter diesem Motto fand am Samstag im Schützenhaus eine Podiumsdiskussion der VdK-Kreisverbände Kronach und Lichtenfels mit den Landtagskandidaten Jürgen Baumgärtner (CSU), Michael Zwingmann (FW), Ralf Pohl (SPD) und Edith Memmel (Grüne) statt.
Der VdK-Kreisvorsitzende aus Lichtenfels, Heinz Wittmann, ging zuvor auf die aktuellen Situation ein. Wenn man der aktuellen bayerischen Regierung glauben möchte, leben die Bayern im weiß-blauen Paradies. Doch die Idylle zeige deutliche Risse. "Die soziale Spaltung nimmt zu", sagte Wittmann und sprach von Herausforderungen wie Altersarmut, Pflegebedürftigkeit, Krankheit.
Der VdK forderte den Landtag auf, die Armut wirksam zu bekämpfen. Zudem müsse bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, die Arbeit müsse fair entlohnt werden. Denn trotz boomender Konjunktur müssten in Bayern über 83 000 Arbeitnehmer ihren Lohn vom Jobcenter aufstocken lassen, sagte Wittmann. Auch sollte das vom ehemaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gegebene Versprechen, nämlich bis 2023 l Bayern barrierefrei zu machen, umgesetzt werden. Zudem bestehe im Pflegebereich Handlungsbedarf. Nach wie vor gebe es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze. Das Angebot der ambulanten Pflege müsse ausgebaut werden.
Wittmann sprach von den Ängsten der Menschen wie Krankheit, Armut, die Furcht, im Alter den Lebensstandard nicht mehr halten zu können, und schloss mit den Worten: "Es braucht mehr Menschlichkeit."
Bei der Podiumsrunde konnten die Zuhörer den Eindruck gewinnen, dass hier im Landkreis Kronach so ziemlich alles schlecht ist. Da wurde der Kronacher Bahnhof angesprochen, dessen Gleise man als Behinderter nicht erreichen kann, die fehlende Mobilität. Es wurde mangelnder bezahlbarer Wohnraum erwähnt, die ärztliche Versorgung sei nicht sichergestellt - und natürlich durfte auch das Thema Pflege nicht fehlen. "Wir brauchen Ärzte im ländlichen Raum, die in barrierefreien Praxen sitzen", sagte der SPD-Landtagskandidat Ralf Pohl. Damit diese Praxen aber auch erreicht werden können, müsse das Mobilitätskonzept so schnell wie möglich umgesetzt werden. "Die älteren Menschen müssen Geschäfte und Ärzte gut erreichen können."
MdL Jürgen Baumgärtner, der auch Mitglied im Gesundheitsausschuss ist, wies auf sein "Ärztepaket" hin. Er meinte, und somit sprach er für alle Podiumsteilnehmer, dass ein guter Arzt nicht unbedingt ein Einser-Abitur vorweisen müsse. Deshalb habe die CSU auch die Landarztquote eingeführt. Das bedeute, dass junge Leute aus der Region die Chance bekommen, ohne Einser-Abitur Medizin zu studieren. Diese Studienplätze sollen auch mit 1000 Euro gefördert werden. Den Prognosen zufolge, so Baumgärtner, werden dann jedes Jahr zehn junge Menschen aus der Region Medizin studieren. Was die geforderte Barrierefreiheit betrifft, so meinte Baumgärtner, dass diese nicht so schnell in den Griff zu bekommen sei. Der Freistaat gebe 100 Millionen Euro für die Planung des Bahnhofs aus. Bis 2025 sollte die Barrierefreiheit geschaffen sein. "Das ist wichtig, schon wegen der Hochschule."
Bezüglich des Wohnens sprach der Landtagsabgeordnete von unterschiedlichen Situationen im Landkreis. Insgesamt sei die Situation jedoch gut, bis auf einige Brennpunkte. Aber auch in Nordhalben habe man sich mit Unterstützung des Freistaats auf den Weg gemacht. Ralf Pohl bezeichnete den Verkauf von kommunalen Wohnungen als einen Fehler. Es sollte ein staatliche Wohnungsbaugesellschaft etabliert werden. Michael Zwingmann sprach das Nord-Süd Gefälle an. Immer weniger Familien zögen in den nördlichen Frankenwald. "Diese fragen: Was habe ich denn da?" Er plädierte dafür, dass der soziale Wohnungsbau mit bis zu 50 Prozent gefördert werden sollte. Denn: "Nicht alle Kommunen können sich den zehnprozentigen Eigenanteil leisten!" Baumgärtner widersprach dem. Zudem, so meinte er, halte er es für besser, die Menschen in Eigentum zu bringen. Als eine Hilfe dafür bezeichnete er das Baugeld.
Edith Memmel stellte klar, dass der Staat verpflichtet sei, für alle Bürger einen angemessen Wohnraum zu schaffen. Sie kritisierte, dass öffentliche Bauten und Seniorenheime zu sehr auf die grüne Fläche gebaut würden, während im Ortskern die Gebäude leer stünden.
Was den Pflegenotstand betrifft, so sprachen Pohl, Memmel und Zwingmann von einer besseren Entlohnung. Baumgärtner meinte, dass das Geld nicht das überwiegende Problem sei. Eher seien es die Arbeitsbedingungen.
Eine Zuhörerin forderte die Politik auf, die Gehörlosen nicht zu vergessen. Ein anderer wies darauf hin, dass viele Ärzte zwar in Deutschland studierten, aber anschließend ihren Lebensunterhalt im Ausland verdienten.
Insgesamt kamen die Podiumsteilnehmer zu dem Schluss, dass das Mobilitätskonzept schnellstmöglich umzusetzen sei. "Das muss Lücken schließen", sagte Zwingmann. Baumgärtner sah eine Kommunikation zwischen den Wohlfahrtsverbänden und der Politik als notwendig an. Ralf Pohl bezeichnete den ÖPNV als einen zentralen Punkt.