Eckehard Kiesewetter Altenstein — Es geht nicht um Zerstörungen wie vor 400 Jahren im Bauernkrieg. Beileibe nicht. Aber "irgendwas geht immer kaputt", sagt Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein. Er tippt auf mutwillige Sachbeschädigung. Ein Leser hatte den FT auf das Problem aufmerksam gemacht und Schäden beklagt, die eindeutig auf Wettereinflüsse und Vernachlässigung zurückzuführen seien. Schon seit Jahren zeigt er den Verfall von Bänken und witterungsanfälligen Teilen bei Gemeinde und Landratsamt an, "aber da wird nichts gemacht", bedauert er: "Wenn man die Einrichtungen auf der Burgruine sich selbst überlässt, dann verfallen sie eben."

Weil immer wieder mal Schäden auftreten, glaubt der Bürgermeister an Vandalismus, "aber man kann nichts nachweisen". Überwachungskameras wurden auf dem Burgengelände, das dem Landkreis Haßberge gehört, bislang nicht aufgestellt.

Wolfram Thein ist zugleich der Vorsitzende des Zweckverbands Deutscher Burgenwinkel, dessen Hauptattraktion das 2012 eröffnete Informationszentrum in Altenstein darstellt. Dort und auf dem Ruinengelände sollen das Leben und der Alltag auf einer mittelalterlichen Burg lebendig dargestellt werden.

Das Burgeninformationszentrum bleibt derzeit, wie alle Museen, Ausstellungen und andere kulturelle Einrichtungen in Bayern, wegen der Corona-Beschränkungen für Besucher geschlossen. Das Ruinengelände ist bis auf die Kellerverliese täglich von 9 bis 20 Uhr öffentlich zugänglich. Doch gibt es offenbar Gäste, die später kommen. Immer wieder finden sich Spuren von Feiern, umherliegende Flaschen und Kerzenwachs, berichtet der Bürgermeister. Und immer wieder tauchen Beschädigungen am Inventar auf, die auf Kosten der Öffentlichkeit repariert werden müssen.

Jüngstes Beispiel ist ein Spielgerät auf dem Freigelände, aus dem Teile herausgebrochen sind. Die Verantwortlichen haben die Station außer Betrieb gesetzt und die Reparatur in Auftrag gegeben. Kostenpunkt 2000 Euro. Statt aus MDF-Platten wird man das Ganze jetzt in Aluminium fertigen lassen, um die Spielstation widerstandsfähiger zu machen. Ob's auch gegen Zerstörungswut hilft? Die Kommune und der Zweckverband behalten ein Auge darauf, versichert Thein und weist darauf hin, dass Sachbeschädigung ein Straftatbestand ist.

Zuwachs an Besuchern

Doch es gibt auch Positives aus dem Burgenwinkel zu berichten - trotz oder vielleicht gerade wegen Corona. Allgemein scheint die Krise in Verbindung mit dem sonnigen Frühlingswetter zunehmend zu Ausflügen in die Region anzuregen. Immer mehr Menschen entdecken offenbar die landschaftlichen Reize von Haßbergen und Steigerwald. Burgruinen wie Bramberg und Raueneck erlebten an den vergangenen Wochenenden erhöhten Zulauf und selbst die Anstiege nach Lichtenstein und Altenstein schrecken die Wanderer und Radfahrer nicht ab - erst recht nicht, wenn die Fahrräder mit Hilfsantrieb versehen sind.

"Reisen ins Ausland fallen heuer wohl flach und so wird Urlaub in Deutschland attraktiver werden", ist sich Wolfram Thein sicher. "Jetzt werden mehr Leute Deutschland ganz neu entdecken", sagt er und rechnet mit wachsendem Touristenandrang in den Haßbergen und im Deutschen Burgenwinkel. Um so wichtiger ist es, alles freundlich und einladend zu präsentieren und die Anlagen zuverlässig in Schuss zu halten. Ein schlechtes Erscheinungsbild spricht sich rasch herum.

Für den zentralen Anlaufpunkt in Altenstein, wo Traditionsgasthäuser in den vergangenen Jahren geschlossen haben, habe der Markt Maroldsweisach ein gastronomisches Konzept erstellt, um Bistro sowie Kiosk im Freibad aufzuwerten. Und der Pächter habe einen Automaten aufgestellt, um Ausflügler nicht darben zu lassen und eine kleine Einnahmequelle zu sichern.