Vater werden - Nikola Franke freut sich drauf. Seine Frau Natalie ist mit Zwillingen schwanger, am 20. April ist der Kaiserschnitt-Termin. Am Donnerstag erfuhr Franke, dass Väter bei der Geburt nicht dabei sein sollen, aus Infektionsschutzgründen.

Das habe er schon fast erwartet, sagt der frühere Kreisläufer des HSC 2000. "Aber natürlich waren wir traurig." Denn das junge Ehepaar macht ohnehin schon eine schwierige Zeit durch: Am 11. März wurde Natalie Franke vorsorglich stationär ins Klinikum aufgenommen. Kurz danach erging die Besuchersperre. "Wir haben uns seit zwei Wochen nicht gesehen. Am 13. März war ich das letzte Mal bei meiner Frau", sagt Franke. Die beiden behelfen sich, so gut es geht, mit Nachrichten übers Handy und Video-Anrufen.

Dann aber, noch am Donnerstagabend, änderte der Klinikkonzern die Bestimmungen wieder: Nun sollen die Väter doch mit den Kreißsaal dürfen, aber nur, wenn sie selbst keine Verdachtsfälle sind und Vollschutz tragen. "Das ist zufriedenstellender", sagt Franke vorsichtig. "Aber dafür würde ich meine Hand jetzt nicht ins Feuer legen." Denn es könne sich ja noch einiges ändern bis dahin.

Dass der Regiomed-Konzern von seiner harten Linie wieder abkam, liegt mit an den Landtagsabgeordneten Michael Busch (SPD) und Martin Mittag (CSU). Diese beiden hätten sich darum gekümmert, dass vom bayerischen Gesundheitsministerium eine sichere Auskunft kam, "wie die Allgemeinverfügung ausgelegt wird", sagt Alexander Schmidtke, Hauptgeschäftsführer bei Regiomed. In dieser Allgemeinverfügung sei von "Geburtenstationen" die Rede gewesen, ohne dass speziell auf unterschiedliche Räume wie Kreißsäle, Geburts- oder Familienzimmer eingegangen wurde.

Schmidtke verteidigte die erste Entscheidung, Väter nicht in die Kreißsäle zu lassen. Zum einen herrsche bei den Hebammen ohnehin schon Fachkräftemangel. Wenn einige wenige Mitarbeiterinnen im Kreißsaal wegen einer Infektion oder Quarantäne ausfallen würden, drohe die Kreißsaalschließung.

Das Thema Hygiene werde bei Regiomed sehr ernst genommen. So habe der Klinikkonzern schon die ersten Besucher-Beschränkungen erlassen, als das noch gar nicht gefordert war. Auch die Cafeterien in allen Regiomed-Häusern seien geschlossen worden, bevor das allgemein verbindlich wurde. Mit Professor Klaus-Dieter Zastrow habe man einen international renommierten Experten als Leiter des hauseigenen Hygiene-Instituts. "Ich habe mich sehr schwergetan mit dem Aussperren der Väter, denn ich selbst habe die Geburt meiner Kinder miterlebt", sagt Schmidtke. "Aber ich würde mich als Geschäftsführer niemals über den Hygieniker stellen. Sonst bräuchte ich keinen."

Nun habe man einen Kompromiss gefunden, "der für alle tragbar ist", sagt Schmidtke: für die Mediziner, das Ministerium, die Betroffenen. Konkret sieht die Regelung vor, dass Väter in den Kreißsaal gelassen werden, wenn sie selbst symptomfrei sind, 14 Tage lang keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatten und sich umfangreichen Schutzmaßnahmen unterziehen: Mantel, Jacke, Handy müssen abgelegt werden, die Schuhe werden desinfiziert. Der werdende Vater trägt einen Schutzanzug mit Atemventil, Schutzbrille, zwei Paar Handschuhe und spezielle OP-Schuhe. Verlässt er den Kreißsaal und will wieder hinein, beginnt die Hygiene-Prozedur von vorn. Nach der Geburt können die jungen Eltern mit ihrem Kind einige Stunden gemeinsam im Familienzimmer verbringen. Dort sind dann keine weiteren Schutzmaßnahmen nötig.

Für Nikola Franke, den Zwillingsvater in spe, steht eines fest: "Ich kann eher damit leben, bei der Geburt nicht dabei zu sein, als dass die Jungs sich infizieren", sagt er.