Niklas Schmitt Ja, ist denn schon Weihnachten? Für die Paketzusteller in Deutschland schon. Die hatten nämlich in den letzten Monaten so viel zu tun, wie sonst nur in der (Vor-)Weihnachtszeit. Gerade die Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Krise haben die Bestellungen im Internet, die ohnehin in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, noch weiter befeuert.

Während die einen vor allem verstärkt im Internet mobil sind, müssen die anderen die dort bestellten Dinge nach Hause bringen. Das bringt die Zustelldienste an ihre Grenzen - auch im Raum Höchstadt. Deswegen baut die Post, wozu auch DHL gehört, nun in Höchstadt ein neues Verteilerzentrum.

Immer mehr Pakete

Bereits vor zwei Jahren hatte der Fränkische Tag über die "untragbar engen" Verhältnisse im Zustellstützpunkt Uehlfeld berichtet. Das Unternehmen reagierte mit einer Erweiterung, die Pläne, die Stützpunkte Höchstadt, Uehlfeld und Weisendorf zusammenzulegen, wurden erst einmal abgesagt, kurze Zeit darauf zog das Zentrum weiter nach Neustadt.

Zwei Jahre später sieht die Situation wieder anders aus. Erwin Nier, Pressesprecher der Post, sprach damals noch von rund 4,6 Millionen Paketen, die alleine die Post täglich zustellt. Heuer sind es etwa 5,3 Millionen. Und das ist nur ein Durchschnittstag.

In der Zeit des Lockdowns hätten die Zustellungen fast die Höhe der Vorweihnachtszeit erreicht, meint Nier. Ab November stellt die Post bis Weihnachten etwa 9 Millionen Pakete täglich zu - an Spitzentagen sogar bis zu 11 Millionen. Und jetzt, nachdem die Geschäfte wieder geöffnet haben? "Die Kunden bestellen noch mehr als sie in den Vorjahren bestellt haben." Viele Kunden blieben beim Bestellen, vielleicht sei es bequemer, erklärt Nier die höheren Zahlen als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.

Neues Verteilerzentrum

Wegen dieser Mengen baut die Post nun am Gewerbering in Höchstadt einen neuen, größeren Stützpunkt, der Ende des Jahres fertig sein soll. "Es wird konzentrierter an einer Stelle gearbeitet", sagt Nier. "Man kriegt dann schneller mehr Sendungen in die Region." Dafür wird das Paketzentrum in Hemhofen in Höchstadt integriert. 60 Mitarbeiter bedienen dann 40 Zustellbezirke zwischen Höchstadt, Adelsdorf, Heroldsbach und Röttenbach.

Sorgen von Personaleinsparungen kann Nier zerstreuen: "Wegen solcher Umstrukturierungen verliert niemand seinen Arbeitsplatz." Eher im Gegenteil, meint der Pressesprecher, die Gemeinden wachsen und damit die Kunden, die, wie bisher auch, mehr im Internet bestellten.

Für den Kunden wird sich durch die logistische Zentrierung auf Höchstadt nicht viel ändern, sagt Nier. Die Routen würden angepasst, weswegen es durchaus sein kann, dass jemand, der seine Pakte bisher gegen 11 Uhr etwa bekommen hat, dann bis 14 Uhr warten muss und umgekehrt.

Auch die Konkurrenz wächst

Mit ähnlichen Steigerungen hat es der Mitbewerber Hermes zu tun. Die Sendungsmengen seien um rund 40 Prozent gestiegen, so Julia Kühnemuth, Pressesprecherin bei Hermes. Die Mengen hätten sich in der Corona-Zeit heterogen entwickelt. Anfang März waren sie leicht rückläufig, stiegen aber in den Folgemonaten weiter an. "Ein solches Pensum kennen wir ansonsten aus der Weihnachtszeit", so Kühnemuth. Genaue Zahlen will sie aus Wettbewerbsgründen nicht nennen.

Hermes bedient seine Kunden aus einem Zentrum in Nürnberg. "Mit dem Depot decken wir in etwa das Gebiet von Forchheim im Norden bis Eichstätt im Süden sowie von Ansbach im Westen bis Parsberg im Osten ab."

So ist der Komfort der einen die Arbeit der anderen. Und irgendwer von beiden muss in jedem Fall mobil sein. Dass jemand die bestellten Waren per Drohne vor die Haustür fliegt, soweit sind wir im Moment noch nicht.