Der Getränkehersteller Jürgen Ackermann von der Kreuzbergquelle lagert Leergut in einer eingezäunten Fläche seines Firmengeländes. Immer wieder wurde dort eingebrochen und es wurden große Mengen Wasserkästen geklaut. Das ließ sich leicht bewerkstelligen, denn man kann an das Gelände gut hinfahren. Ackermann musste das in Läden eingelöste Leergut im Endeffekt nochmals bezahlen.

Irgendwann war ihm das zuviel. Deshalb brachte er Bewegungsmelder an und legte sich zwei Wachhunde zu, die sich des Nachts auf dem Firmengelände frei bewegen können. Einen Malinois, eine Hunderasse, die auch gern im Polizeidienst verwendet wird. "Unser Spike ist ein aufgewecktes Kerlchen", sagt Ackermann. Das zweite Tier ist ein junger kaukasischer Owtscharka, wie im Russischen Herdenhütehunde heißen.

Mit den Diebstählen war dann erst mal Ruhe. Doch dann bekam er eines Nachts um drei Uhr einen anonymen Anruf. Auf seinem Anrufbeantworter war nur Hundegebell zu hören. Das nahm Ackermann erst einmal nicht dramatisch, ist es doch die Aufgabe der zwei Hunde, anzuschlagen, wenn sich jemand um das Firmengelände herumtreibt. Sie sollen ja auch die Wirkung einer losplärrenden Alarmanlage haben.

Vor vier Wochen aber lag ein Brief in seinem Postkasten - mit einem Zeitungsausschnitt über die Gefahren von Hundekot in Wiesen. Sachlich fühlt er sich davon nicht betroffen, weil seine Hunde zwar eine Wiese als Auslauf haben, deren Gras aber nicht an Kühe verfüttert wird.

Gift wirkt verzögert

Doch vor kurzem fand Ackermann den 37 Kilogramm schweren Malinois in ganz schlechtem Zustand vor. Er brachte ihn eilends zur Behandlung in die Tierklinik am Nürnberger Hafen. Die Fachärzte dort teilten ihm mit, dass er an einer Vergiftung durch Rattengift leide. Wenige Tage später ereilte den jungen Hütehund das gleiche Schicksal. "Ihn hätte es fast erwischt", beschreibt Ackermann den Zustand des 55 Kilogramm wiegenden Hundes.

Beide Tiere sind noch in Behandlung. Das liegt an der Wirkweise von heutigem Rattengift, den Cumarin-Derivaten. Der Giftstoff haftet sich statt Vitamin K an das Enzym für die Blutgerinnung; deshalb tritt die Wirkung erst um Stunden verzögert ein, wenn das Cumarin genug Vitamin K verdrängt hat. Und umgekehrt erhält ein Tier bei der Behandlung Vitamingaben, die langsam wieder das Cumarin verdrängen, erläutert Tierärztin Tamara Eichtmayer.

Die Rotendizide, die heutigen Mittel zur Nagerbekämpfung, sind höchst toxisch. In der Fachliteratur sind tödliche Dosierungen von weniger als einem halben Milligramm pro Kilgramm Körpergewicht angegeben. Seit 2013 gibt es deshalb strenge Einsatzbeschränkungen; die Mittel dürfen nur gegen einen Sachkundenachweis ausgegeben werden.

"Uns wird häufig ein Verdacht auf ausgelegte Rattenköder gemeldet", weiß Polizeihauptkommissar Michael Ott aus langer Berufserfahrung. In solchen Fällen habe es sich meist um Altbestände von Rattengift gehandelt. Denn zeitweilig wurde sogar von Gemeinden Gift ausgegeben, um Rattenplagen zu bekämpfen. Streng kontrolliert wird auch heute noch Rattengift in Kanalisationen ausgelegt, aber eben so, dass weder Wasser noch gar Menschen zu Schaden kommen können.

Letzteres treibt Ackermann besonders um. In das Gelände, das die Hunde nachts bewachen, kommen tagsüber seine Kunden. Nicht selten ist es, dass deren Kinder die Schaukel dort benutzen. "Wie leicht könnte dabei ein Kind einen Giftbrocken als vermeintliches Plätzchen probieren?", sorgt er sich. Keiner hätte es gemerkt und in der Nacht wäre das Kind womöglich innerlich verblutet.

Leuchtende Farben

"Rattengift hat leuchtende Farben, das könnte ein kleines Kind schon verlocken", sagt die Tierärztin. Sie selbst hatte einmal fünf Hunde einer Familie zu behandeln, denen die Giftbrocken in den Garten geworfen worden waren. "Die hatten das alle gefressen."

Ackermanns Besorgnis ist nicht übertrieben, vergleicht man die Gewichte der Hunde mit denen kleiner Kinder. Deshalb ist ihm sehr an der Überführung des oder der Täter gelegen. Er setzte eine Belohnung in Höhe von 10 000 Euro dafür aus.