"Befürchtungen, das Lehrstellenangebot könnte sich coronabedingt dermaßen verknappen, dass ausbildungswillige junge Menschen wegen der Pandemie keine Lehrstelle finden, sind unbegründet. Das zeigt die aktuelle Entwicklung im Landkreis ganz deutlich", so Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.

Unter dem aktuellen IHK-Motto "Ran an die Lehrstellen!" richtet Wasikowski seinen Appell an Wirtschaft und Jugendliche zugleich. Zum 31. Juli verzeichnet die IHK für Oberfranken Bayreuth im Landkreis Lichtenfels 118 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse für das Ausbildungsjahr 2020/2021, 46 weniger als im Vorjahr. "In diesen Zahlen spiegelt sich die Corona-Pandemie deutlich wider", so Bernd Rehorz, Leiter der Beruflichen Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Der gesamte Auswahlprozess hat sich gut sechs Wochen nach hinten verschoben. Eine Berufsorientierung in der Schule fand kaum statt, Ausbildungsmessen wurden abgesagt, Bewerbungsgespräche erst gar nicht vereinbart." Inzwischen sind immer mehr Unternehmen in Sorge, dass sie ihre Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen können. Auf 272 unbesetzte Berufsausbildungsstellen im Raum Lichtenfels kommen laut Agentur für Arbeit 92 unversorgte Bewerber. Tatsächlich kommen im Landkreis also auf jeden unvermittelten Bewerber 2,96 unbesetzte Berufsausbildungsstellen. Zum Vergleich: Im Bundesgebiet sind es gerade einmal 1,14 Angebote.

"Der Jahrgang, der jetzt auf den Ausbildungsmarkt kommt, ist keineswegs verloren, sondern hat beste Chancen", betont Wasikowski. Viele Schulabgänger spielen aktuell mit dem Gedanken, weiterführende Schulen, Hochschulen und Universitäten zu besuchen. "Wer dies nur deswegen macht, weil er Angst hat, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen, sollte seine Entscheidung noch einmal überdenken", so Rehorz. "Es ist noch nicht zu spät, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Die Chancen auf einen attraktiven Ausbildungsplatz in der Region stehen gut." Rehorz weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Ausbildungsstart auch noch nach dem 1. September möglich ist. red