Eine berühmte Novelle auf die Bühne zu bringen, dazu gehört schon was. Jan Burdinski und sein Fränkischer Theatersommer machten aus Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts" ein szenisches Spiel. Am Donnerstagabend hatten Besucher im Kurpark die Wahl: Pedanterie hier oder Glücksrittertum dort? Doch egal welche der aus dem klassischen Stoff sprechende Weltsicht einem nah war, getragen wurde sie allemal von einer guten Aufführung.

Doch, da schien sie wieder zu sein, die Lust auf kulturelles Erleben. Nach all den coronabedingten Aufführungsausfällen strömten dem Fränkischen Theatersommer an die 100 Besucher zu. Open Air.

Und so saß man dann an einer Stelle im Kurpark, bei der man sich wunderte, dass ihr Reiz nicht schon längst entdeckt worden ist. In Blickrichtung Gradierwerk links eine Baumreihe und rechts die leichte Anhöhe, die zu den Zuschauerrängen der Seebühne führt. So saß man angenehm abseits und durfte verfolgen, wie ein Mann auszog, sein Glück zu machen, sich aus heimatlicher Verengung zu lösen, bis nach Italien zu gelangen und letztlich der Heimat und der Liebe zuzufliegen.

Eine Art Entwicklungsroman, bei dem es der Betrachter ist, der sich entwickelt; eine Art Vorgriff auf so etwas wie die Entdeckung der Langsamkeit. Und doch: Romantik.

Kein Werk der Vollendung

Oder wie durfte man von Rüdiger Safranski auf dem ausliegenden Flyer über das Werk lesen: "Eichendorff ist kein Dichter des erfüllten Augenblicks, sondern der Sehnsucht, nicht des Ankommens, sondern der Abfahrt." Doch lässt sich das auch in einem Ein-Mann-Stück vermitteln?

Burdinski machte seine Sache gut. Nicht nur als Schauspieler, sondern vor allem auch als jemand, der zu gewichten hatte, was er von der berühmten Novelle weglässt, um es für eineinhalb Stunden auf die Bühne zu bringen. So machte er aus sich den Taugenichts.

Doch so ganz alleine war der Mann bei dieser Sache nicht, denn da gab es noch Mitstreiter Bogdan Lewandowski. Der Geiger war musikalischer Reisebegleiter, Requisite und Virtuose, und in gewisser Weise auch zuständig für klangliche Spezialeffekte.

Kongenialer Partner

Nicht nur, dass der einstige Bamberger Symphoniker entlang seiner Saiten Vogelgezwitscher zu imitieren vermochte, er sorgte auch für absolut stimmige melodische Zusammenhänge. So bettete er die 1823 vollendete Novelle in Tonsetzungen ein, welche die Handlung dokumentierten und auch um jene Zeit entstanden; zwischen "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" und einem Ländler, zwischen Volkslied und Csárdás bewegte sich der Mann und rahmte das Ein-Mann-Stück gleichsam ein.

Gelungen auch das Bühnenbild, das spartanisch und überwiegend schwarz und weiß blieb. Eine mit Stoff abgedeckte Leiter hier und eine mit Stoff abgedeckte Bank dort sollten genügen, um sich einen Burdinski am Hofe eines Schlosses, in der Gesellschaft böhmischer Studenten oder sonst wo innerhalb der berühmten Handlung vorzustellen.

Und der Mann zeigte sich in Spiellaune und in manchen Szenen berührend ratlos und suchend. Irgendwie machte Burdinski glatt vergessen, dass er wohl 40 Jahre älter ist als die Figur, die er spielte.

Es war ein guter Theaterabend, und wenn man so in die Gesichter der Zuschauer sah, dann entdeckte man in ihnen neben guter Unterhaltung auch das Dankeschön dafür, dass trotz Corona ein Stück Normalität in das Jahr 2020 zurückgekehrt ist.