Es sollte ein typischer Samstagabend im Februar 1989 für Anneliese und Adam Staudt werden: Im Partnerlook mit roter Weste und Hose sowie roten Schuhen gekleidet, machte das Ehepaar einmal mehr die Tanzflächen der Region unsicher. An diesem Abend stellten sie im "Studio Schnaid" in Hallerndorf ihre Tanzkünste unter Beweis; besonders die der damals 51-Jährigen sorgten für großes Aufsehen. "Ich wurde gefragt, ob ich nicht an einem Tanzwettbewerb heute Abend in der Disco teilnehmen wolle." Der Wettbewerb entpuppte sich als Vorwahl zur offiziellen deutschen "Disco-Queen". Dabei stellte sie die gut 30 Jahre jüngeren Mitstreiter in den Schatten und durfte sich am Ende des Abends Siegerin des Monats Februar nennen.


Gebürtiger Bamberger

Da passt es nur ins Bild, dass sich die gebürtigen Bamberger im Jahre 1956 beim Tanz im ehemaligen Stadelmann in der Franz-Ludwig-Straße kennenlernten; an Heiligabend des selben Jahres verlobten sich die leidenschaftlichen Tänzer. Am 8. Februar 1958 heirateten Anneliese und Adam Staudt standesamtlich, am 19. April gaben sie sich in der Kirche in Zettmannsdorf das Jawort. Am Donnerstag feierte das Jubelpaar nach 60 Jahren Ehe diamantene Hochzeit.
Der heute 81-jährige Adam Staudt erlernte im jungen Alter das Handwerk des Elektrikers. Seine Tätigkeit als Kranführer bei der Firma Raab aus Ebensfeld führte ihn während seiner knapp 50 Jahre langen Berufslaufbahn zu zahlreichen Baustellen. "Ich war in der gesamten Region unterwegs und hatte immer Spaß. Mit beinahe 65 war dann aber Schluss." In seiner Freizeit schwang er 40 Jahre lang zusammen mit seiner Ehefrau das Tanzbein. Wenn er gerade mal nicht in einer der zahlreichen Bamberger Diskotheken anzutreffen war, löste er gerne Kreuzworträtsel und nahm in diesem Zuge an Preisausschreien teil - ein Hobby, das sich auszahlen sollte: "Wir haben insgesamt sieben Reisen gewonnen. Die schönste war sicherlich die nach Brasilien 1996."
Seine ein Jahr jüngere Frau Anneliese Staudt, geborene Fröhling, wuchs in Zettmannsdorf in landwirtschaftlichen Verhältnissen auf. Nachdem sie bei den Klosterschwestern in Burgebrach Handarbeiten erlernt hatte, arbeitete sie zwölf Jahre für die Schuhfabrik Tron in Bamberg. Nach der Geburt ihres Sohnes kümmerte sie sich zu Hause um dessen Erziehung. "Ich war immer für meinen Sohn da", blickt sie zurück. "Und damals wie heute bin ich stolz auf ihn." Das Sticken ließ sie auch nach ihrer beruflichen Tätigkeit nicht los: Im Laufe der Jahre fertigte sie von Tanzoutfits über Kleider bis hin zu Teppichen aufwendige Handarbeiten an; auch heute häkelt sie noch abends vor dem Fernseher.
Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) gratulierte dem Paar am Donnerstagmorgen bei Sekt und Torte zur diamantenen Hochzeit und überreichte den Gastgebern Blumen und zwei Flaschen Wein.