Niklas Schmitt Wo bis vor kurzem noch Wohnwagen und Reifen lagerten, stehen jetzt Studenten der Uni Bamberg unter den Wandmalereien in der Alten Synagoge in Mühlhausen. Die hat eine lange, wechselhafte Geschichte hinter sich. Bald soll dort ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.

Deswegen haben Christian Plätzer und Irina Gerschmann das Forum Alte Synagoge Mühlhausen gegründet. "Wir möchten das Gebäude sanieren und einer neuen Nutzung zuführen", fasst der Vorsitzende Plätzer das Ziel des Vereins zusammen. Dafür muss der Bestand zunächst aber genau dokumentiert werden. Den ersten Schritt geht dabei ein Seminar des Masterstudiengangs Denkmalpflege der Uni Bamberg.

Historische Bauforschung

Dazu erstellen die insgesamt 26 Studenten in zwei Gruppen ein digitales Aufmaß der Synagoge. Doch das alleine genügt nicht, erläutert Dozent Jürgen Giese. "Die historische Bauforschung ist wichtig, denn sie liefert die Grundlage, um den Baubestand kennenzulernen." Dabei spielen Fragen nach der Funktionalität der Räume eine Rolle. Etwa wo der Kamin war, wo die Wände entlang verliefen und wie sich das im Laufe der Jahrhunderte geändert hat.

Gebaut wurde das Gebäude im Jahr 5516 des jüdischen Kalenders, also 1754 nach christlicher Zeitrechnung. Das geht aus einer Inschrift an der Decke hervor. Bis 1835 lebte ein Rabbiner in der Synagoge, die zwei Jahre zuvor renoviert worden war. Danach wurden die Räume für die Elementarschule genutzt. Viele Jahre, so berichtet Zweite Vorsitzende Irina Gerschmann von Erzählungen älterer Anwohner, wurde das Gebäude nur ,Judenschule‘ genannt.

Nach der Schändung in der Pogromnacht 1938 habe man die Synagoge an einen Viehhändler verkauft und nach dem Krieg erneut an einen privaten Käufer, da man nicht davon ausging, dass die einst in Mühlhausen lebenden Juden zurückkehren würden. Erst im letzten Jahr kaufte der Verein die Alte Synagoge aus eigenen Mitteln und Spenden zurück. Das war die Voraussetzung für die Bezuschussung der Restauration.

Die andere ist ein genauer Plan des Gebäudes. "Das Projekt muss professionell untersucht sein", sagt Plätzer, bevor man sich Gedanken um die weitere Nutzung machen könne. Die Studenten leisten für diese Untersuchung, die später noch ein privates Unternehmen vornehme, erste Vorarbeiten.

Glücksfall für Restauration

Ein Glücksfall war die bisherige Nutzung der Synagoge, die schon aus dem landläufigen Namen erkennbar wird. Vielen im Dorf ist sie nur als ,Scheune‘ bekannt. Das große Holztor tat das Übrige zu dem Eindruck. Plätzer sagt: "Wenn das Gebäude als Wohnhaus genutzt worden wäre, hätten wir es mit wesentlich größeren Zerstörungen zu tun gehabt."

Wenn die Synagoge also nicht profan als Scheune genutzt worden wäre, ließe sich wohl nicht mehr so viel von der alten Substanz und den Malereien an Wänden und der Decke rekonstruieren.

Ein Glücksfall auch, weil die barocke Synagoge eine der ältesten in ganz Bayern ist. Plätzer sagt: "In unserer Region hat es zahlreiche jüdische Gemeinden gegeben", das Gotteshaus in Mühlhausen sei die einzige in einem guten Zustand. Möglicherweise, erzählt Jürgen Giese von der Uni Bamberg, seien die Fenster aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Man habe sie nur abgesägt und über den Backstein wieder eingesetzt.

Gerschmann sagt: "Es ist ein Kulturobjekt von besonderem Wert, sozusagen aus dem Schlaf erwacht." Was und wie genau man erhält, rekonstruiert oder umbaut, steht im Moment noch nicht konkret fest, so Plätzer. Das für dieses Jahr geplante Kolloquium in der Alten Synagoge musste coronabedingt ausfallen. Soviel kann der Vorsitzende aber sagen: Es soll ein Gedenk- und Lernort werden, an dem auch Veranstaltungen stattfinden können. Ebenso soll ein Archiv Platz darin finden, das auch auf die Arbeit von Johann Fleischmann hinweist. Dieser hat sich seit 1989 für die jüdische Lokal- und Regionalgeschichte engagiert.

Darum kümmert sich also der im Herbst 2018 gegründete Verein, der mittlerweile auf etwa 70 Mitglieder angewachsen ist. Gerschmann erläutert, dass jüdisches Leben in der Region nun nur in Erlangen und Bamberg stattfindet. Die restaurierte Alte Synagoge in Mühlhausen könnte auf eine reichere jüdische Geschichte in der Region aufmerksam machen.