Die SPD ist zurzeit hin und her gerissen. Doch der Stadtverband Kronach sieht den weiteren Entscheidungen gelassen entgegen. Vor allem die Mitgliederbefragung zur Großen Koalition wird als demokratische Entscheidung begrüßt. "Immerhin wurden dadurch fast 50 000 Neumitglieder geworben, die kommen, weil wir basisdemokratisch entscheiden lassen und weil in der SPD vor einer großen Entscheidung offen diskutiert wird", meinte Kreisvorsitzender Pohl. Der SPD-Stadtverband Kronach führte seine traditionelle Aschermittwoch-Veranstaltung im Saal von "Rääblein's Pension & Pizzeria" in Ziegelerden mit anschließendem Fischessen durch.
Der Ziegelerdener SPD-Ortsvereinschef Reinhard Graf freute sich, zahlreiche Gäste zu der gutbesuchten Versammlung begrüßen zu können. Durch den Abend führte Stadträtin Marina Schmitt. Ihr besonderer Gruß galt dem Hauptreferenten, SPD-Kreischef und Landtagskandidaten, Ralf Pohl, und MdL Susann Biedefeld (Bezirkstagskandidatin).
"In der SPD stehen wir in einer sehr interessanten Zeit der politischen Neuorientierung. In der Partei wird an der Basis und mit der Basis diskutiert und das ist demokratisch gut, wenn auch manche die öffentliche Diskussion nicht gerne hätten", stellte Schmitt fest. "Aber SPD-Mitglieder sind nun mal kein Stimmvieh, sondern reden, diskutieren und bestimmen mit." MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) nannte Schmitt einen Träumer. Er fahre mehrere Male in der Woche nach München und komme nach Hause, um zu träumen. Dabei spiele er sich auf, als sei er Chef der Helios-Frankenwaldklinik und könne diese durch einen Neubau ersetzen und bilde sich ein, Oberstadtrat oder Bürgermeister von Kronach zu sein, wo er eine Stadthalle bauen möchte, ohne zu fragen, ob das die Bürger wollen und wer das bezahlen soll, zeigte sich die Stadträtin erbost.
Emotional wurde es im Saal, als sich Susann Biedefeld dazu bekannte, nach jetzigem Stand gegen eine Koalitionsbeteiligung der SPD zu sein. Gleichzeitig forderte sie auf, schnell wieder zur Geschlossenheit zurückzukommen. In Zwischenrufen wurde festgestellt, die SPD sei seit 60 Jahren in Bayern in der Opposition, dies habe ihr auch nicht mehr Stimmenzuwachs gebracht. Also solle man die Gelegenheit der Regierungsverantwortung wahrnehmen und das was in einer Koalition erreichbar ist, umsetzen. Biedefeld machte klar, dass sie zum Teil fassungslos und wütend ist: "Fassungslos über so manche Fehlentscheidung und wütend darüber, dass keiner da ist, der das Ruder in die Hand nimmt und als Steuermann fungiert." Andererseits sei sie traurig, weil es die SPD nicht verdient habe, wie sie jetzt da stehe. Als positiv wertete sie die sachliche und faire Diskussion unter Delegierten und Mitgliedern. Egal wie die Mitgliederabstimmung ausgehe, es werde eine demokratische Entscheidung sein.
Landtagskandidat Ralf Pohl blickte zunächst zurück auf die Tage nach der Bundestagswahl am 24. September 2017. Es sei richtig gewesen in die Opposition gehen zu wollen, es gab andere Optionen. Diese aber scheiterten am Verhalten der FDP.


Pohl: SPD hat einiges herausgeholt

Die SPD habe in den Koalitionsverhandlungen einiges herausgeholt, wichtige Punkte wie die Bürgerversicherung seien aber von der Union abgeblockt worden, manches komme aber auch erst noch nach der Regierungsbildung auf dem Prüfstand, das gefällt dem Kronacher Kreischef nicht. Da würden wieder Kommissionen gebildet, die monatelang - vielleicht sogar jahrelang - nur prüfen und verhandeln. Ihm stößt sauer auf, dass die CSU in der vergangenen Legislaturperiode in Berlin mit regierte, in München aber oft in die Opposition zur Regierung gegangen sei. Er rief das Führungspersonal der SPD auf, endlich zusammenzustehen. Was ihm für die Region Sorgen mache, ist der demografische Wandel. Die bayerische Staatsregierung müsse endlich mehr dagegensteuern durch den Ausbau der Infrastruktur bei Straßen und Bahn, durch die Schaffung öffentlicher Arbeitsplätze und durch einen viel schnelleren Ausbau der Versorgung mit schnellem Internet. eh