Marco Meissner

Die Fronten scheinen verhärtet, nachdem in den Hauptversammlungen der Steinwiesener und Nurner Sänger deutliche Worte gefallen sind (wir berichteten). Das "Kind" der beiden Gesangvereine ist die Chorgemeinschaft Steinwiesen - diese droht zu zerfallen.
Für die ehemalige Steinwiesener Vorsitzende Michaela Mattes ist diese Entwicklung den Rahmenbedingungen geschuldet und daher nachvollziehbar. Für die Nurner Vorsitzende Elisabeth Daum stellt das Gefühl, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein, einen Affront dar. Das Tischtuch scheint zerschnitten. Wir sprachen mit beiden Seiten wie auch mit Walter Klose, der die Chorgemeinschaft mit ins Leben gerufen hat.


Über Sänger hinweg entschieden

Für Elisabeth Daum ist der offenbar unvermittelte Vorstoß aus Steinwiesen, der Chorleiterin Karina Klaumünzner zu kündigen und somit letzten Endes die Chorgemeinschaft über die Klinge springen zu lassen, ein Unding. In ihren Augen wurde über die Köpfe der Aktiven hinweg entschieden. Dieses Vorgehen macht sie ganz konkret an ihrer Steinwiesener Kollegin Michaela Mattes fest. "Sie wollte die Dirigentin raushaben", vermutet Daum. In dieser Angelegenheit hätte man ihrer Meinung nach miteinander reden müssen. "Eine Person ist doch keine ,massive Schwierigkeit‘", ärgert sie sich über angebliche Erklärungen der Steinwiesener Vorsitzenden.
Schon im vergangenen Jahr habe sich eine Unzufriedenheit über die aktuelle Situation abgezeichnet. Von den Nurnern sei daher Gesprächsbedarf signalisiert worden, doch Mattes habe einen Alleingang gestartet und über das Wohl und Wehe der Zusammenarbeit in der Chorgemeinschaft entschieden, "ohne dass die Sänger das wussten". Die Folge sei die Entlassung der Chorleiterin gewesen, die nach Aussage von Daum bisher aber nur für den Steinwiesener Verein gültig ist, nicht für die Chorgemeinschaft.
Dann sei den Nurnern die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft aufgekündigt worden. "Alles wurde nur schriftlich mitgeteilt. Auch die Dirigentin hat nichts gewusst", schimpft Daum. Solche Entscheidungen seien doch eine Sache des gesamten Führungsteams und nicht nur einer Einzelperson.


Hexenjagd angezettelt

Genau dieser Vorwurf sorgt bei Michaela Mattes für Entrüstung. Sie spricht von einem "Spitzenteam" im Steinwiesener Vorstand, das sie nun allerdings im Zuge des öffentlich geführten Zwists mit den Nurnern verlassen hat. "Ich habe sechs Jahre lang versucht, mein Bestes zu geben, um den Gesang hier zu erhalten", blickt sie auf die Arbeit als Steinwiesener Vorsitzende zurück. Doch jetzt sei eine regelrechte Hexenjagd auf sie eröffnet worden. In dieser Situation fühle sie sich als Ehrenamtliche wie Freiwild.
"Die Vorwürfe sind lächerlich", erklärt sie zu den Anschuldigungen aus Nurn, niemanden neben sich am Ruder geduldet zu haben. "Ich bin doch keine Alleinherrscherin gewesen. Wir waren ein starker Vorstand."
Dass es vor dem Kündigungsschreiben an die Chorleiterin kein Treffen gegeben hat, macht Mattes an terminlichen Engpässen zur Weihnachtszeit fest. Im Gegenzug meint sie, dass danach auch niemand den Kontakt mit ihr gesucht habe. Das sei doch ein Widerspruch, wenn gleichzeitig immer wieder der Vorwurf gekommen sei: "Ihr kommuniziert nicht!" Statt selbst das Gespräch zu suchen, hätten sich die Nurner in die "Schmoll-Ecke" zurückgegeben.
"Wir hatten einen Plan", versichert Mattes, dass die Steinwiesener die Sänger aus dem Nachbarort nie hätten in die Wüste schicken wollen. Allerdings habe es nach 14 Jahren Chorgemeinschaft unterschiedliche Ziele bei den Aktiven und auch Ermüdungserscheinungen im Klangkörper gegeben. "Man muss doch auch mal etwas Neues probieren und neue Konzepte suchen", so die ehemalige Vorsitzende. Dass eine Zusammenarbeit beider Gesangvereine auch abseits einer Chorgemeinschaft möglich gewesen wäre, steht für sie außer Zweifel. "Wir hätten die Nurner nie hängen lassen", betont sie.
Der Steinwiesener Ehrendirigent Walter Klose hat die Chorgemeinschaft mit aus der Taufe gehoben und bangt nun schweren Herzens um ihren Fortbestand. So lange er sie geleitet habe - zehn Jahre -, habe die Gemeinschaft reibungslos funktioniert. Danach hätten die Probleme mit der Zeit zugenommen, erzählt er. Dennoch hat er kein Verständnis, wie ein Schlussstrich von den Steinwiesenern gezogen wurde: "Die Entscheidung wurde den Nurnern schriftlich mitgeteilt - so etwas macht man nicht!"