Der Besuch einer Geburtstagsfeier in einem Haßbergedorf am 28. Januar dieses Jahres nahm für einen 69-Jährigen ein schmerzliches Ende. Am Mittwoch musste er am Amtsgericht in Haßfurt gegen seinen Peiniger aussagen.
Als er sich mit einem Bekannten an jenem Sonntagnachmittag die Füße vertreten wollte, lief ihnen ein kleiner Hund über den Weg, gefolgt von seinem Herrchen, das den Vierbeiner mit den Worten "Bleib da, sonst erschlag ich dich" verfolgte, sagte der Zeuge. Als die beiden Fußgänger den Umgang des Hundebesitzers mit seinem Hund kritisierten, eskalierte die Situation: Der Arbeiter ging auf den 69-Jährigen los. "Wir standen Nase an Nase", erinnerte sich das Opfer im Zeugenstand.
"Ich mach', was ich will", habe der Arbeiter gesagt, um ihn anschließend zu bespucken. Dieser Vorgang habe sich dreimal wiederholt. "Der hat gespuckt wie ein Lama", sagte der Geschädigte vor Gericht.
Außerdem habe der Hundebesitzer versucht, ihn zu schlagen. Er habe sich jedoch weggedreht, so dass die Hand des Angreifers nur seinen Hals traf. Der Arbeiter habe Anlauf genommen und ihn umgestoßen. Er sei auf seinem Rücken gelandet und habe sich dabei schmerzhafte Prellungen zugezogen und eine Rippe angebrochen, wie eine Untersuchung im Computertomographen ergab. Ein Finger wurde gestaucht und lief blau an. Herbeigerufene Polizeibeamte stellten bei dem Wüterich fast drei Promille Alkohol bei einem Atemalkoholtest fest.


Seit 8.30 Uhr Bier getrunken

Auf der Anklagebank schob der Arbeiter den schwarzen Peter zunächst den beiden Fußgängern zu. Sie hätten ihn als "asozialen Penner" beleidigt, weil er seinen Hund angeschrien habe. Danach sei es zu gegenseitigen Sticheleien gekommen, und er habe geschubst und gespuckt, gab er zu. Er selbst habe auch einen Schlag auf die Lippe bekommen, woraufhin er zurückgeschlagen habe.
Den hohen Alkoholwert von fast drei Promille nachmittags um 14.20 Uhr erklärte er damit, dass er bereits seit 8.30 Uhr morgens Bier getrunken habe.
Der Freund des Opfers, der bei der Auseinandersetzung nicht verletzt wurde, sagte vor Gericht aus, dass man wohl gesagt habe: "Dem gehört der Hund weggenommen." Daraufhin sei der Angeklagte "wie aufgedreht" auf sie losgegangen. Ein Dritter habe den Angeklagten dann in den Schwitzkasten genommen und im Feuerwehrhaus eingesperrt, bis die Polizei eintraf. Erst dabei sei der Angeklagte an der Lippe verletzt worden, erfuhr das Gericht.
Ein Unbekannter ist der rabiate Hundehalter vor Gericht nicht: 15 Vorstrafen stehen in seinem Sündenregister. Diebstahl, Beleidigungen, Körperverletzungen bis hin zu Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Erschleichen von Leistungen gehören zu seinem Betätigungsfeld. Erst im vergangenen Jahr wurde er wieder einmal wegen eines alkoholbedingten Aussetzers zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.


Gutachten in Auftrag gegeben

Sollte der Angeklagte nun zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden, dann droht ihm ein Bewährungswiderruf, so dass ein Jahr Haft für den Angeklagten im Raum stand. Der Verteidiger versuchte, dies zu verhindern, indem er auf eine mögliche Schuldunfähigkeit aufgrund der hohen Alkoholisierung seines Mandanten verwies.
Nach einem Rechtsgespräch zwischen der Richterin Ilona Conver, der Staatsanwältin und dem Verteidiger entschied das Gericht, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um über eine mögliche Schuldunfähigkeit und eine Zwangseinlieferung in eine Entziehungsanstalt entscheiden zu können.