Schon von Weitem winken die goldgelben Sonnenblumen bei Uehlfeld den Wanderer zu sich herüber. Angesät wurden sie Anfang Mai unter dem Motto "Hoffnung säen 2020" von Landwirt Harald Prechtel. Die Idee dazu kam ihm bereits im vergangenen Jahr aufgrund des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". 2019 säte er die erste Blühfläche in der Uehlfelder Flur an, dieses Jahr findet man die Blühwiese "Am Baumgarten", eingekuschelt zwischen zwei Maisfeldern.

Für 60 Euro konnte man als "Blühpate" einen Anteil von 100 Quadratmetern für ein Jahr erwerben. Gingen 2019 noch 23 Anteile über den Tisch, so waren es dieses Jahr schon 30. Was gesät wird, muss gut durchdacht sein. Aus diesem Grund holten sich die Prechtels die Wildlebensraumberaterin vom Landwirtschaftsamt Uffenheim, Mathilde Bätz, ins Boot. Diese begutachtete Anfang Mai das angedachte Areal. Sie berät, wie sie selber sagt, "Landwirte bei landschaftsökologischen Maßnahmen".

Auf einer Gesamtfläche von einem Hektar finden sich nun Buchweizen, Öllein, Phacelia, besagte Sonnenblumen, Gelbsenf, Ölrettich, Alexandrinder- und Perserklee, leuchtend-orange Ringelblumen, Seradella, Sommerwicke, Koriander, Borretsch und die herrlich violette Futtermalve - alles einjährige Pflanzen. Kamille und Kornblumen haben sich von allein dazwischen geschmuggelt.

Der Honig ist erst 2021 fertig

Am Rand der Wiese stehen Bienenstöcke mit fünf im Juni gegründeten Völkern, wie Mirjam Prechtel-Knapp erklärt. "Den Honig gibt es aber erst im kommenden Jahr", sagt die zertifizierte Imkerin. Geruchstechnisch dominiert der Dill. Tritt man den Pflänzchen ein wenig näher, steigt einem lieblich-süßer Kleeduft in die Nase. Überall brummen und summen Hummeln und Bienen, dazwischen immer wieder Schmetterlinge wie Kohlweißling, Admiral und Bläuling, die im heimischen Garten deutlich seltener anzutreffen sind als vor zehn Jahren.

Heidi und Kurt Stiermann aus Uehlfeld haben zwei Anteile gekauft und sind gerade hier, um "ihre" Blütenpracht in Augenschein zu nehmen. Schon im vergangenen Jahr haben sie bei der Aktion mitgemacht. "Damit man selbst etwas beitragen kann zur Natur", erklärt Heidi Stiermann. Ebenfalls zwei Anteile erwarben Karola und Lothar Kabelitz aus Neustadt. "Weil es wahnsinnig leicht ist, bei einem Volksbegehren zu unterschreiben, aber den Prechtels 60 Euro für die Blumen zu geben, machen die wenigsten", sagt Karola Kabelitz.

Das sehen Hildegard und Bernhard Mestel aus Uehlfeld genauso. 2021 wollen die beiden wieder mitmachen. Michaela Wirth aus Linden hat einen Anteil gekauft, weil sie gern mehr tun möchte für die Umwelt und die Insekten, was auch für Judith Rehäußer aus Höchstadt gilt.

Ein Wildbienenrestaurant

Willi Frank aus Uehlfeld hat zwar keinen Anteil gekauft, tut aber daheim etwas für Wildbienen. Neben einem Insektenhotel hat er auf 2000 Quadratmetern ein "Wildbienenrestaurant", wie er erklärt. Heute ist er hier, um dem Vortrag von Mathilde Bätz zu lauschen. "Ein Drittel von Bayern ist landwirtschaftliche Nutzfläche", sagt die Fachfrau, "davon sind wiederum zwei Drittel Ackerland und ein Drittel Grünland. Eine Blühfläche ist technisch gesehen ein Acker. Statt Weizen werden Blühpflanzen angebaut."

Sie erklärte, dass sich Wildbienen in einem Radius von 100 bis 300 Quadratmetern bewegen. "Wenn die Pflanzen nicht da sind, ist die Wildbiene zum Aussterben verurteilt."

Mirjam Prechtel-Knapp hat sich unterdessen einen weißen Anzug übergestülpt und macht sich an den Bienenkästen zu schaffen. Die Bienen hat sie mit Rauch ruhiggestellt und entnimmt nun zwei Waben, die sie den interessierten Besuchern zeigt. Gut zu erkennen ist die mit einem blauen Punkt gekennzeichnete Königin, die "in Hochzeiten bis zu 2500 Eier pro Tag legt", wie Prechtel-Knapp ausführt. Auf einem Tablett zeigt sie gelbe, orangefarbene und gräuliche Kügelchen. Pollen, die von den fleißigen Bienchen auf der Blühwiese der Prechtels gesammelt wurden.

20 Kilo pro Volk

Pro Volk könne man nächstes Jahr im Schnitt 20 Kilo Honig erwarten. "Man schmeckt, was gesät wurde", sagt sie. Als Dankeschön für sein Engagement erhält jeder Blühpate auch ein Glas Sommerhonig, der den Pflanzen entspricht, die dieses Jahr angebaut wurden.