Auf dem Weg zu einer attraktiven Einkaufsstadt ist Coburg in den vergangenen zehn Jahren ein gutes Stück vorangekommen. Allerdings ist die Entwicklung in den vier Innenstadt-Quartieren Altstadt (Stadtkern mit Markt- und Schlossplatz, Spitalgasse, Theaterplatz), Ketschenvorstadt (Albertsplatz bis Ketschentor, Goethestraße bis zur Unteren Anlage), Judenvorstadt (Viktoriastraße bis Mohrenstraße, Löwenstraße bis Am Viktoriabrunnen) und Steinwegvorstadt (Mohrenstraße bis Heiligkreuzstraße, Seifartshofstraße bis Oberer Bürglaß) unterschiedlich. Nach den Worten von Prof. Walter Ackers stellt die Steinwegvorstadt aktuell die größte Herausforderung dar.


Wandel im Handel

Am Mittwochabend präsentierten Städtebauer Ackers und Roland Wölfel von der Beratungs- und Managementfirma CIMA die Teilfortschreibung "Städtebau und Einzelhandel" zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) von 2008. "Die Entwicklung des Einzelhandels ist eng mit der städtebaulichen Substanz verknüpft", sagte Ackers im "Schlick 29". Oberbürgermeister Norbert Tessmer bezeichnete den Einzelhandel "als Magneten und Herz einer jeden Innenstadt. Dieses Herz muss durchblutet und dem Online-Handel muss etwas entgegengesetzt werden."
Vor zehn Jahren begann die Arbeit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept. In dieser Zeit hat sich etwa die Prognose eines Bevölkerungsrückganges in Coburg nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: "Bevölkerung, Gästezahlen und auch der Umsatz des Einzelhandels haben sich erhöht", erklärte Roland Wölfel. Hingegen habe die Einzelhandelsfläche etwas abgenommen. Im September schließt K&L im Steinweg, das Modehaus "Matzer & Worsch" ist verschwunden, aber auch das "Out Extrem" auf der Lauterer Höhe. Durch den Stadtumbau am Alberts- und Theaterplatz in den vergangenen zehn Jahren hätten sich dort Aufenthaltsqualität, Handel und Gastronomie sowie Besucherfrequenz erhöht. "Guter Städtebau ist wichtig für die Qualität der Geschäftslage", sagte Städtebau-Professor Ackers.
Die Fortschreibung des Isek unter dem Aspekt "Städtebau und Einzelhandel" hat fünf Leitziele (Nähe, Individualität, Komfort, Stabilität, Erlebbarkeit) definiert, wonach die vier Stadtquartiere unter die Lupe genommen wurden. Nachholbedarf gebe es bei der Nahversorgung mit den Dingen für das tägliche Leben.
Beim Städtebau mangelt es dem Steinweg- und der Judenvorstadt an Quartiersplätzen, so wie es der Markt- und Albertsplatz sind. Die vielen inhabergeführten Betriebe trügen zur Individualität bei. Eine bessere Warenpräsentation und Ladengestaltung seien erforderlich.
Menschen und Kunden schätzen aber auch Bequemlichkeit. Darunter sind Erreichbarkeit, Sauberkeit, kurze Wege, Barrierefreiheit sowie Vielfalt und Service zu sehen. Dafür bedarf es kostengünstiger Anwohnerstellplätze, einer effektiven Parkraumbewirtschaftung sowie einer höheren Auslastung der Parkhäuser. Für den Einzelhandel fordert die Isek-Fortschreibung einheitliche Öffnungszeiten und einen ausgeweiteten Service, etwa Warenabholung und -lieferung sowie Reparaturannahme. Hohe Priorität habe weiter eine vollständige Präsenz des Warenangebotes im Internet und die Gründung von Standortgemeinschaften. "Der inhabergeführte Handel ist gefordert, Erlebniswelten zu schaffen", sagte Roland Wölfel (CIMA). Die Innenstadt der Zukunft müsse sich als multifunktionaler und und emotionaler Zielort begreifen.