Christoph Böger "Uns bleibt ja nichts anderes übrig. Wir können dagegen nichts machen". Brigitte Spiller vom Modegeschäft "Großartig" klingt ein wenig frustriert. Aber sie hat sich längst damit abgefunden, dass das Geschäftsjahr 2020 kein einfaches ist. Erst Corona, jetzt auch noch die Sperrung vor der Ladentür. Ab nächsten Montag dürfen nämlich keine Autos mehr durch den Steinweg fahren.

Aufgrund neuer Erkenntnisse über den Bauablauf wird die kleine Zufahrtsstraße für die Dauer der Baumaßnahme im östlichen Marktplatzbereich für den Durchgangsverkehr voll gesperrt und wird zur Sackgasse.

Die Zufahrt ist nur noch für den Lieferverkehr gestattet. Dauerparken ist verboten - so heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Wie lange die Bauarbeiten dauern, steht noch nicht fest. Allerdings müssen sich die Betroffenen auf eine längere Zeit einstellen.

Zu Beginn, wenn direkt Arbeiten am Steinweg durchgeführt werden, muss auch der Fußgänger- und Radfahrverkehr aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden. Entsprechende Hinweisschilder wurden am Dienstag am Amtshof aufgestellt. Es werde jedoch versucht, den Fußgängerverkehr so bald als möglich wieder freizugeben. Das verspricht zumindest Peter Werner vom städtischen Bauamt. Die Sperrung für den Fahrzeugverkehr bedeutet, dass der Parkplatz auf dem Marktplatz nur noch über die Brunnenstraße und den Glockenberg erreichbar ist.

Es herrscht allgemeines Verständnis für die erforderlichen Baumaßnahmen. Für Fabio Pizzato war es wichtig, dass die sieben Kurzzeitparkplätze erhalten bleiben. Der Eisdielen-Besitzer ist erleichtert: "Gut, dass diese Stellplätze für unsere Kunden weiterhin zur Verfügung stehen". Ursprünglich war angedacht, dass auch diese Parkplätze in Fahrtrichtung Marktplatz wegfallen. Doch ein Ortstermin am Dienstagvormittag mit Ordnungsamtsleiter Detlef Heerlein, Vertretern des Bauamtes, der Baufirma und Geschäftsleuten hat sich gelohnt. Denn wie bereits zu Zeiten des Weihnachtsmarktes oder auch des Marktfestes im letzten Jahr darf für eine Stunde weiter im Steinweg geparkt werden.

Heerlein erklärt dazu folgendes: "Wir sind bemüht stets die beste Lösung zu finden. Mit diesem Kompromiss kommen wir unseren Ladenbesitzern entgegen. Das ist vertretbar". Für Pizzato wäre die anfangs angedachte Regelung nach eigenen Worten eine "Katastrophe" gewesen. Denn für die Eisdiele sind die Parkplätze nach Angaben des Inhabers "überlebensnotwendig".

Wie sagte doch Brigitte Spiller: "Wir können es ja eh nicht ändern". Nur gut, dass die Geschäftsleute im Steinweg zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. So lobt Spiller vor allem die Nachbarin aus der Stadtbücherei. Über ihre Räumlichkeiten gelangen nämlich Kunden, die in der Brunnenstraße auf dem großen, ehemaligen Rossmann-Parkplatz ihr Auto abstellen, in den Steinweg. "Das geht natürlich nur zu unseren Öffnungszeiten", bestätigt Büchereileiterin Brigitte Rößler-Reuss. Sie ist wiederum dankbar, dass die Spillers gelegentlich ihre Post entgegennehmen. Das Miteinander im Steinweg ist trotz der herrschenden Probleme also anscheinend großartig.