"Ihr könnt keine anderen Menschen darstellen, wenn ihr nicht bei Euch seid", zitiert die 27-jährige Stefanie Masnik einen ihrer ehemaligen Dozenten und betont damit, dass ein Schauspieler eine starke Persönlichkeit haben sollte. Denn nicht selten komme es vor, dass man Extremes darstellen müsse. Doch in dieser Spielzeit dürfte das bei den Rosenberg-Festspielen kein wirkliches Problem werden, da die Cottbuserin neben ihren Auftritten in "Don Camillo und Peppone" und "Die Hochzeit des Figaro" vor allem als Seppl in Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker "Der Räuber Hotzenplotz" zu sehen sein wird.
Direkt von der Probenwiese auf der Bastion der Festung Rosenberg hatte Schulspielleiter Thomas Hauptmann die junge Schauspielerin abgeholt, damit sie den Schülern der Schulspielgruppe der Siegmund-Loewe-Schule einen kleinen Einblick in ihren Werdegang und ihre Arbeit als Schauspielerin gewährt. Die Fragen waren zahlreich und Stefanie Masnik hatte glücklicherweise Seppls Begriffsstutzigkeit auf der Bühne zurückgelassen und beantwortete geduldig alles, was die Jugendlichen beschäftigte. So erfuhren sie, dass es an ihrer Schule keine Theater AG oder ein vergleichbares Angebot gegeben habe und dass sie über Statistenjobs im Jugendclub des Staatstheaters von Cottbus gelandet sei. Ihre ursprüngliche Idee, etwas hinter der Bühne zu machen, wie z.B. Theaterpädagogin, verblasste zusehends und sie wurde von der Leidenschaft ergriffen, die sie bis heute für ihren Beruf ungebrochen empfindet. Dazu gehöre auch der angemessene Umgang mit Kritik. Als Schauspielerin, so Stefanie Masnik, sei man stets Berufs- und Privatperson zugleich, weshalb es enorm wichtig sei, dass positive und negative Rückmeldungen immer in Bezug auf das Geleistete und nicht auf den Menschen an sich gesehen würden.
Das gelte auch für die peinlichen Momente auf der Bühne, nach denen die junge Schauspielerin von einer Schülerin gefragt wird. Im Theater bekomme man während einer Vorstellung genau eine Chance, die es zu nutzen gelte, während beim Film einfach ein neuer Versuch gestartet werden würde. Aber das, so Stefanie Masnik, sei auch das Großartige an der Bühne und begeistere sie immer wieder aufs Neue.
Auch wenn sie sich für berühmte Schauspieler wie Anthony Hopkins und Mads Mikkelsen oder die großartige Meryl Streep begeistern könne, habe sie dennoch unter den Großen Hollywoods keine echten Vorbilder oder Idole. Vielmehr spricht sie von einer ehemaligen, älteren Kollegin, die bis zum Eintritt in das Rentenalter ihre Leichtigkeit und die absolute Hingabe an ihren Beruf bewahrt habe. Dass dies alles andere als leicht sei, erläutert sie anhand der Perspektiven, die Schauspielern heutzutage - im Zeitalter des Sparzwangs an vielen Theatern - geboten werden. Da komme es nicht selten vor, dass verkleinerte Ensembles dasselbe Repertoire pro Spielzeit leisten müssten, das vorher von deutlich größeren Gruppen umgesetzt worden sei. Obwohl sich die Verdienstmöglichkeiten in den letzten Jahren geringfügig nach oben korrigiert hätten, würde man immer noch nicht wirklich "reich" werden und nicht wenige wüssten in ihrem Berufsstand trotz Zweit- und Drittjobs nicht, wie sie über den aktuellen Monat kämen. Zu beachten sei hier auch, ob jemand fest an einem Theater engagiert oder freiberuflich aktiv sei. Sie selber schätzt ihre Freiberuflichkeit, weil ihr dies die Möglichkeit einräumen würde, ihrem zweiten Standbein, dem Schreiben von Synchronbüchern und der Arbeit im Synchronstudio, nachzukommen.