Anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stephanskirche startet die evangelische Kirchengemeinde auf dem Stephansberg am kommenden Sonntag, 19. Januar, ein umfangreiches Jubiläumsprogramm. Die "Heilige Kunigunde" und die "Bamberger Apokalypse", aber auch die fränkische Malerin Anne Olbrich aus Ebern, werden dabei eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Olbrichs Bilderzyklus "Apokalypse" wird ab 19. Januar in der Kirche sowie im Stephanshof ausgestellt und kann bei freiem Eintritt täglich von 9 bis 17 Uhr bis Sonntag, den 23. März, angeschaut werden. Einen Vortrag über die "Bamberger Apokalypse" hält zudem Professor Stephan Albrecht von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg am 24. Januar ab 19 Uhr im Stephanshof.

Die Legende über Kaiserin Kunigunde sagt, dass sie einst die Bauarbeiten an der Kirche auf dem Stephansberg überwacht und den Arbeitern den Lohn ausgezahlt habe. Viel später, im 20. Jahrhundert, habe sie während des Zweiten Weltkriegs die Kirche und die Stadt vor größerer Zerstörung bewahrt, indem sie einen Nebelschleier wie ihren Mantel schützend über die Stadt gebreitet und so weitgehend die Bombardierung verhindert habe. Das ganze Gegenteil eines schützenden Schleiers behandelt die "Bamberger Apokalypse", die ab 19. Januar in den Blickpunkt der Kirchenbesucher von St. Stephan rücken wird. Die etwa um das Jahr 1000 herum verfasste Handschrift enthält den Text des letzten Bibelbuches, die Offenbarung des Johannes vom Ende der Welt sowie dem Kampf des Teufels gegen Gott. Eine prophetische Vorstellung des Schreckens wird darin ausgebreitet, die "Apokalypse", was nach der griechischen Wortherkunft so viel wie "den Schleier wegziehen" bedeutet.

Die etwa 1000 Jahre alte "Bamberger Apokalypse" enthält neben dem handschriftlichen Text auch künstlerische Bilder. Sie ist 2003 in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes eingetragen worden. Einst war sie von Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde der Kirche des Bamberger Kollegiatstifts St. Stephan geschenkt worden. Nun wird im Jubiläumsjahr 2020 den alten Bildern der "Bamberger Apokalypse" mit Gemälden der Eberner Künstlerin Olbrich ein zeitgenössisches Werk gegenübergestellt werden: ein Bilderzyklus mit dem Titel "Apokalypse".

Olbrich hatte diese Arbeit bereits im Jahr 2018 unter anderem in Ebern gezeigt. Damals bezeichnete der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel die Gemälde als "beeindruckenden Bildzyklus". Er charakterisierte Olbrich als "eine Malerin mit vielseitigem Schaffen". Olbrich befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, aber auch mit Religion, Naturschutz und sozialer Integration. Sie hat wiederholt in der Region auf sich aufmerksam gemacht, wie etwa bei ihrer Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen in der Kunstmühle Mürsbach im Landkreis Bamberg.

Einen "beeindruckenden Bildzyklus" nannte der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel Olbrichs "Gemälde zur Offenbarung des Johannes". Er charakterisiert sie als "eine Malerin mit vielseitigem Schaffen" und lobt ihre "dynamisch bewegte Pinselführung". Unter Olbrichs Werken seien "Bilder wie Balladen".

Schon 2015 nahm Michael Koller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kunstreferat der Diözese Würzburg, Olbrichs Apokalypse-Bilder zum Anlass, das Thema in der bildenden Kunst zu beleuchten. Die Künstlerin selbst äußert sich zu der bevorstehenden Ausstellung bescheiden: "Ich freue mich sehr, denn es ist für mich eine Auszeichnung."