Walter Bergmann ist seit 14 Jahren Kirchenpfleger in der Katholischen Kirche St. Vitus Hirschaid und ebenso lange Kindergarten-Beauftragter der Tagesstätte St. Vitus. Neben der normalen Verwaltungstätigkeit in Kirche und Kindertagesstätte hat ihn die Sanierung der Pfarrkirche in den letzten Jahren viele zusätzliche Stunden gekostet und ihn fast zum "Baufachmann" werden lassen, wie er sagt. Die Pfarrei wollte 2020 eigentlich "nur" die Erhebung von St. Vitus zur eigenständigen Pfarrkirche vor 600 Jahren feiern.

Pandemie ändert Festpläne

Ein Vortrag zur Baugeschichte, zahlreiche Konzerte und ein Festgottesdienst zum Patronatsfest mit Weihbischof Herwig Gössl und Abt Maximilijan File vom Zisterzienserkloster Sticna (Slowenien) waren geplant. Doch mit der Corona-Pandemie hat sich alles verändert. Alle Veranstaltungen zum Pfarrjubiläum wurden abgesagt beziehungsweise ins nächste Jahr verschoben. Die Verantwortlichen haben sich auch entschlossen, die Bittgänge nach Seigendorf und "In die Büsch", die Fronleichnams-Prozession und die Wallfahrt nach Gößweinstein zu streichen.

Seit 16. März gab es auch keine Gottesdienste mehr in St. Vitus. Die Kirche war in den letzten Wochen "ein Ort der Stille", so Walter Bergmann, aber es kamen viele Gläubige, verteilt über den Tag, opferten Kerzen an der Marien-Ecke und beteten. Auch die Jahreskrippe fand viel Beachtung, es werden jeweils drei Bilder aus dem Evangelium dargestellt.

Gottesdienst unter Auflagen

Ab sofort kann wieder Gottesdienst gefeiert werden und das freut viele Gläubige. Jedoch ist das nur im eingeschränkten Maße und nur unter Beachtung der staatlichen Infektionsvorschriften wieder möglich. Die bayerischen (Erz-)Diözesen haben mittlerweile, nach Abstimmung mit der Bayerischen Staatsregierung, ein Schutzkonzept erarbeitet, das es nun gilt, vor Ort umzusetzen.

Zuvor waren bereits alle Firmungen bis zum Ende der Sommerferien abgesagt worden. Beerdigungen sind nach staatlichen Vorgaben nach wie vor nur im engsten Familienkreis mit maximal 15 Personen erlaubt. Bei Gottesdiensten im Freien sind maximal 50 Personen zulässig. Der Bamberger Generalvikar Georg Kestel wies darauf hin, dass bis auf Weiteres Proben von Kirchenchören und Instrumentalgruppen nicht stattfinden und auch alle diözesanen Fortbildungsveranstaltungen bis Ende August abgesagt sind. Alle Veranstaltungen, Sitzungen und Schulungen sollten möglichst in Telefon- oder Videokonferenzen abgehalten werden.

Ein Team aus Pfarrei-Verantwortlichen musste in den letzten Tagen zusammen mit Pfarrer Francis Plakkil die notwendigen Maßnahmen für die Hirschaider Pfarrkirche planen und umsetzen. Begonnen werden soll mit dem Vorabendgottesdienst am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag. Am darauffolgenden Montag will man dann Resümee ziehen und eventuelle Verbesserungen vorbereiten, bevor weitere Gottesdienste gehalten werden.

Die Gläubigen müssen auf viele alte Gewohnheiten und liebgewonnene Bräuche verzichten. Das sieht der Kirchenpfleger genauso, aber für ihn steht die Gesundheit der Gottesdienstbesucher an erster Stelle. Er bat dringend um Mithilfe bei der Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahen, damit man nicht "in kürzester Zeit die Gottesdienste wieder einstellen muss".

Es ist nur erlaubt, dass gesunde Personen die Kirche betreten und die allgemeinen Hygiene- und Abstandregeln müssen eingehalten werden. Der Zugang zu den Gottesdiensten erfolgt über den Haupteingang und nur körperlich eingeschränkte Personen dürfen den barrierefreien Nebeneingang benutzen.

Es steht ein Desinfektionsspender bereit und die Kirchenbesucher müssen während des Gottesdienstes einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Plätze auf den Kirchenbänken sind gekennzeichnet, es steht nur jede zweite Bank zu Verfügung, der Abstand von zwei Metern zu den nächsten Nachbarn ist einzuhalten. Pro gekennzeichnetem Platz darf entweder eine Einzelperson oder eine Familie sitzen.

In der Kirche liegt kein Gotteslob mehr aus, deshalb sind die eigenen Bücher mitzubringen. Der Empfang der Kommunion findet statt. Die Hostie wird mit Hilfe einer Gebäckzange übergeben. Der Kommuniongeber trägt Mundschutz und übergibt die Hostie in die Hände des Empfängers, ohne ihn dabei zu berühren.

Die Abwicklung ist auf einem Informationsblatt erläutert und außerdem wird Pfarrer Plakkil den Kommunionempfang noch einmal im Gottesdienst erklären.

Alle Informationen sind im Schaukasten an der Kirche, auf der Internetseite der Pfarrei und auf Schautafeln am Eingang der Kirche nachzulesen.