Einen österlichen Festsaal zu dekorieren, ließ sich das Mesnerteam der Pfarrei St. Georg nicht nehmen. Gerhard Wirkner, Andrea und Roland Vogel sowie Thomas Tup-horn schmückten das Gotteshaus österlich aus. Wie in jedem Jahr erstrahlt die Stadtpfarrkirche im Glanz vieler Kerzen und bunter Blumen. "Die Leute brauchen das gerade in dieser Zeit", so die einhellige Devise.

Auch die Kirchenmusiker Wolfgang Först, Reinhard Döring und Katharina Heilmann vom Organistenteam waren sich zusammen mit dem Musiklehrer am Gymnasium, Florian Kager, im Klaren darüber, dass die Kirchenmusik in diesen Tagen eine wichtige Rolle spielt. Doch für wen eigentlich die Kirche dekorieren und für wen musizieren, mussten doch die festlichen Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden?

Das stimmt zwar, doch nur bedingt. Denn alle feierlichen Zeremonien der katholischen Kirche wurden im Internet über www.st-georg-hoechstadt.de in einem Livestream übertragen. Und das Technik-Team mit Benedikt Döring legte sich mächtig ins Zeug, eine ton- wie bildtechnisch hochwertige Übertragung zustande zu bringen. Der Aufwand der fünf Jugendlichen, die mit Abstandshaltung und den diversen Vorschriften um die Corona-Krise bestens vertraut waren, lohnte sich.

Nach der Osternacht konnte sich die Technikgruppe bereits über 12 000 Aufrufe im Internet freuen. Die "Kirchenbesucher" entdeckte man schließlich auf Fotos. Über 800 Menschen ließen sich fotografieren oder machten ein Selfie, um so "ihren Platz" in Haupt- und Seitenschiffen oder auf den Emporen bildlich zu belegen.

"Freilich wären unter normalen Umständen viel mehr gekommen, aber die vielen Bilder waren echt ein Trost für mich", gesteht Stadtpfarrer Kilian Kemmer. In seinen Ansprachen griff er dann die Wiederentdeckung von Werten wie Freiheit statt Bindungslosigkeit, Glaube statt Misstrauen und Nächstenliebe statt Egoismus und Konkurrenzkampf auf.

Die Antwort ist das Kreuz

Bei allem Suchen und Fragen in Krisenzeiten habe das Christentum keine andere Antwort als das Kreuz. "Die friedliche und gewaltlose Konsequenz des Jesus von Nazareth bis zum letzten Atemzug und die Bereitschaft, unsägliches Leid auf sich zu nehmen, stellt den unwiderlegbaren Beweis dar, dass der Gott, den er verkündet hat, der einzig wahre ist", sagte Kemmer.

So wie der Frühling wegen Corona nicht ausfällt, entfalle erst recht nicht das Osterfest als Erneuerung eines hoffnungsvollen Glaubens. Deshalb sollten sich in Zukunft bei aller Angst und Sorge Gesellschaft, Politik, Kirche und der Umgang mit der Schöpfung grundlegend verändern und sich wieder neu auf das Wesentliche besinnen.

Mit einem Zitat des lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer resümierte Kemmer die Krisensituation aus Sicht des Glaubens. Der Nazigegner Bonhoeffer schrieb aus der Gefängniszelle kurz vor seiner Hinrichtung: "Gott führe uns freundlich durch die diese Zeit, vor allem führe er uns zu sich." Wer in der momentanen Situation nicht an Wunder glauben kann, sei arm dran, meinte Kemmer.

An Ostersonntag und Ostermontag blieb die Stadtpfarrkirche ganztags zum persönlichen Gebet geöffnet. An mehreren Stellen konnte aufgrund der Abstandswahrung das Licht des Osterfeuers entzündet werden. Dafür hatte zuvor der Pfarrgemeinderat über 1000 Osterkerzen als Zeichen der Hoffnung auf dem Höchstadter Marktplatz verkauft.

Für die Technikgruppe war nach den vielen positiven Rückmeldungen eines österlichen Enthusiasmus klar: "Wir machen zur Freude der Menschen mit dem täglichen Livestream über die Homepage der Pfarrei solange weiter, bis die Situation entspannter wird." Auch in dieser Woche wird deshalb jeden Tag um 19.30 Uhr die Reihe "Halb acht - kurz nachgedacht" fortgesetzt. Alle Gottesdienste und Impulse bleiben zudem auf der Homepage der Pfarrei im Archiv abrufbar. LM