Christoph Böger Alexander Grau und der FC Coburg - das hat nicht so richtig gepasst. Als Sportlicher Leiter sollte der ehemalige Trainer die Geschicke der Vestekicker leiten. Doch am Mittwochabend endete das Engagement des 42-jährigen Familienvaters beim abstiegsgefährdeten Landesligisten FC Coburg abrupt. Grau trat von seinem verantwortungsvollen Posten zurück.

Für seine unpopuläre Entscheidung war aber nicht die aktuelle sportliche Situation der ersten Mannschaft ausschlaggebend, wie das die prekäre Tabellensituation (14./26 Punkte) in der Nordwest-Gruppe vermuten lassen könnte, sondern Meinungsverschiedenheiten mit anderen Verantwortlichen im Verein. Das bestätigte Wolfgang Gremmelmaier auf Tageblatt-Anfrage.

Der Vorsitzende der Vestekicker bedauert den Entschluss des bisherigen Sportliche Leiters: "Alexander Grau hat mit seiner ruhigen Art und bedachten Führungsarbeit dem FC Coburg sehr gut getan." Allerdings hätte sich die Abteilung Ende des Jahres ohnehin neu ausrichten müssen. Nachdem Grau nämlich bereits im Juli angekündigt hatte, aus familiären Gründen ab der Winterpause kürzertreten zu wollen. Die Planung der Spielzeit 2021/22 wird ab dem Jahreswechsel also ein neuer Sportlicher Leiter vorantreiben. Wer das sein wird, steht noch nicht fest.

Stolzer Familienvater

"Alex fühlt sich als Trainer wohler", mutmaßt Gremmelmaier, der betont, dass er mit dem scheidenden Fußball-Fachmann gerne und konstruktiv zusammengearbeitet hat. Grau feierte seine größten Erfolge in der Landesliga mit dem FC Lichtenfels. "Ich bin im Sommer Papa geworden und wir bauen ein Haus, da fehlt mir vor allem im Frühjahr die Zeit für den arbeitsintensiven Posten beim FCC", erklärt der stolze Familienvater, der sich künftig im Coburger DFB-Stützpunkt als Jugendtrainer mit einbringen wird. "Einmal in der Woche, immer montags - das passt mir ganz gut."

Die "Dusch-Affäre"

Zu den Meinungsverschiedenheiten, die das Fass bei ihm zum Überlaufen brachten, wollte sich weder er, noch der Vorstand äußern. Dass dabei allerdings die "Dusch-Affäre" die entscheidende Rolle spielte, kann nur gemutmaßt werden. Grau gab beim letzten Heimspiel die zuvor vereinsintern erhaltene Information an Schiedsrichter und an die beiden Teams weiter, dass die Stadt Coburg die sanitären Einrichtungen in den Umkleidekabinen an der Wiesenstraße gesperrt hätten. Deshalb könne nicht geduscht werden.

Der Corona-Beauftragte des FCC, Christian Markus, widersprach zwei Tage später dieser Darstellung, nachdem das Sportamt der Stadt vehement interveniert und klargestellt haben wollte, dass von städtischer Seite sehr wohl die Möglichkeiten geschaffen wurden, dass alle Fußballer in den Umkleidekabinen duschen können. Markus räumte ein, dass aufgrund des internen Hygienekonzeptes der Vestekicker das Duschen derzeit nicht möglich ist.

Bundesliga-Turnier auf der Kippe

Daumendrücken heißt es derzeit für die beliebten Bundesliga-Hallenturniere Ende Januar in der HUK-Arena. Jährlich lockt der FC Coburg nämlich die besten Nachwuchsmannschaften aus Deutschland nach Coburg. Ob diese Elite-Turniere der Altersklassen U12 und U14 auch 2021 stattfinden, ist aufgrund der Corona-Debatte derzeit völlig ungewiss. "Wir werden alles dafür tun, dass unser Turnier nicht abgesagt werden muss. Wir wollen den vielen Jugendlichen und Freunden des Nachwuchsfußballs natürlich wieder dieses Highlight bieten, aber das hängt ganz extrem von Corona ab", erklärt Wolfgang Gremmelmaier. Spätestens Mitte November will und muss der FCC die Entscheidung treffen, schließlich ist für diese außergewöhnliche Veranstaltung ein enorm hoher organisatorischer Aufwand notwendig - erst recht wegen der zusätzlichen Hygienevorschriften.