Nachwuchssorgen beschäftigen fast alle Vereine, vor allem jedoch die Kriegervereine. Das machte Vorsitzender Hans Vogt bei der Hauptversammlung der Soldatenkameradschaft Seßlach und Umgebung am Sonntag im Altstadthof deutlich. Neben dem großen zeitlichen Abstand zum Kriegsende und dem Ende der Wehrpflicht, infolge deren Jüngere mit den Kriegervereinen nichts mehr anfangen könnten, komme in Seßlach erschwerend hinzu, dass 2005 der Schießstand aufgelöst wurde. Dieser habe durchaus neue Mitglieder angezogen, so Vogt.
73 Mitglieder zählt die Seßlacher Soldatenkameradschaft derzeit, Tendenz fallend, ebenso wie im gesamten Kreisverband Lichtenfels, dem Seßlach neben 21 weiteren Kameradschaften angehört. "Damit sind auch Veranstaltungen wie die Soldaten-Wallfahrt nach Vierzehnheiligen immer schwerer zu organisieren", meinte der Vorsitzende. Hinzukomme, dass nun auch aus jedem Kreisverband neun Helfer gestellt werden müssten. Vogt: "Wir sind auch dabei!"
Wie der Vorsitzende mitteilte, sollen zukünftig die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag mit dem Singen der Hymne am Ehrenmal beendet sein; nachmittags werde kein Treffen mehr stattfinden.


2017 waren es 800 Euro

Zu den Aufgaben der Soldatenkameradschaften zählt neben der Durchführung dieses Gedenktages auch die Kriegsgräbersammlung. Mit rund 800 Euro konnte 2017 in Seßlach Vogt zufolge "ein sehr gutes Ergebnis" erzielt werden: "Mit 52,56 Cent pro Einwohner liegen wir im Landkreis Coburg mit Abstand an der Spitze", freute sich der Vorsitzende. Das Geld werde gebraucht, immerhin würden rund 2,7 Millionen Gräber gepflegt.
Nach der Restaurierung der Friedhofsbank im letzten Jahr hat sich der Kriegerverein heuer ein viel größeres Projekt vorgenommen: Das Seßlacher Kriegerdenkmal muss dringend saniert werden. "Zusammen mit den Johannirittern und den Brauhausfreunden haben wir eine Initiative Kriegerdenkmal gegründet und uns bereits Gedanken gemacht", berichtete Vogt. Angesichts der "fünfstelligen Summe", die das Säubern des Denkmals und Wiederherrichten der Inschriften wohl kosten wird, hofft er auf einen zehnprozentigen Zuschuss vom Sozialwerk - und auf die Hilfe der Stadt. Bürgermeister Martin Mittag (CSU) konnten die Initiatoren bereits gewinnen. "Wenn nichts aus der Bevölkerung kommt, passiert nichts", meinte dieser. Auch der Stadtrat habe seine Bereitschaft, sich um den Erhalt der Ehrenmäler zu kümmern, bereits signalisiert, indem er im Haushalt 2018 doppelt so viel Geld wie üblich vorsah. Den Volkstrauertag werde es im Stadtgebiet auch weiterhin geben, betonte Mittag, ja, solche Mahnungen müssten gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Welt wie in Deutschland erhalten bleiben. "Wir müssen das Gedenken nach außen tragen und immer wieder an die Geschichte erinnern", forderte der Bürgermeister. Gerade wegen der Sorgen um die Sicherheit hat es für den Landtagskandidaten "mehr Sinn denn je", über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht nachzudenken. Aus eigener Erfahrung wisse er, so Mittag weiter, dass der Wehrdienst kein Schaden sei: "Man lernt fürs Leben."
Mittag und Vogt ehrten verdiente Mitglieder. Das Verdienstkreuz 1. Klasse erhielten Hans Kraus, Hubertus Müller und Heinrich Rost. Stefan Aust wurde mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet. Gleich 250 Vereinsjahre brachten die mit der Treuenadel für 50 Jahre geehrten Mitglieder zusammen.
Bettina Knauth