Ekkehard Roepert

Andere seien neidisch auf den Landkreis Forchheim, meint Manfred Zehe. Der Diplom-Soziologe von der Bamberger Modus GmbH erforscht im Auftrag der Kreisverwaltung die Pflegesituation. Zehe rühmt zum einen das vorbildliche Netzwerk des Kreisseniorenringes und die beachtliche Entwicklung der ambulanten Pflege: Seit 2012 habe sich die Zahl der Pflegekräfte in etwa verdoppelt, auf über 300. Doch Manfred Zehe weist auch auf "ein neues Sorgenkind" hin - die Kurzzeitpflege.
Ohne nachbarschaftlich organisierte "Helfer-Netzwerke" werde es keine Lösung geben, ist Angelika Fuchs überzeugt. Es gelte, der krankmachenden Altersarmut und Alterseinsamkeit entgegenzuwirken. Institutionalisierte Pflege in Heimen könne das nicht leisten.
Daher hat die 64-Jährige vor fünf Jahren in Kirchehrenbach die Seniorengemeinschaft Ehrenbürg gegründet. Der Verein baut auf die Idee der Nachbarschaftshilfe. "Weil es keine Entlastung durch die Kurzzeitpflege gibt, müssen wir die pflegenden Angehörigen entlasten", fordert die gelernte Altenpflegerin Angelika Fuchs.


"Brutaler" Mangel

Auch Jochen Misof vom Seniorenzentrum Johann Hinrich Wichern in Forchheim kennt die Notsituation in der Kurzzeitpflege aus dem eigenen Arbeitsalltag: "Wir kriegen jede Woche 30 Anfragen - und müssen allen absagen, weil wir absolut voll sind." 200 Plätze fehlen in der Kurzzeitpflege alleine in Forchheim, sagt Misof, der auch Sprecher des Kreisseniorenrings ist: "Der gesetzliche Anspruch ist da, aber er ist nicht gegeben."
Daher zweifelte Birgit Pohl (Fachstelle Diakonie) jüngst im Kreisausschuss die Aussagekraft der "Bedarfsstatistiken" an: "Viele Menschen fragen gar nicht mehr nach und fallen aus der Statistik. In den letzten beiden Jahren ist das brutal geworden." Pohl ist überzeugt, dass die Senioren mit dem Modell des betreuten Wohnens in die Irre geführt würden. "Es ist ein Wahnsinn, was da betrieben wird, das ist Betrug per se am Endabnehmer."
Weil der Mangel an gelernten Pflegekräften weiter zunimmt, müsse im Kreis Forchheim mehr über Alternativen nachgedacht werden, sagt der Grüne Kreisrat Karl Waldmann und fordert "Netzwerke in den Quartieren".
Angelika Fuchs hat diese Forderung bereits vorbildlich umgesetzt. Aus 13 Jahren Berufserfahrung in der Altenpflege weiß sie, dass in den Heimen mit "Schablonen" gearbeitet werde, die den alten Menschen nicht gerecht würden.
Angelika Fuchs ist für ihr Engagement im Dezember mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Die von ihr organisierte Seniorengemeinschaft bietet in Kirchehrenbach (und im Umkreis von zehn Kilometern) unkomplizierte Hilfe an: Begleitung zu Einkäufen, Versorgung von Haustieren, Entlastung pflegender Angehöriger und ähnliches mehr. Wobei Angelika Fuchs betont, dass der Verein keine Altenpflege im klassischen Sinne leiste.


Traum von der Senta

Aber wenn beispielsweise ein Patient nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus nach Hause kommt und niemand für ihn da ist - "dann helfen wir", sagt Angelika Fuchs. Denn einen Pflegeheim-Platz ab 1600 Euro im Monat können sich die meisten nicht leisten. "Der Pflegenotstand ist überall." Der Zustand in vielen Heimen sei zudem "unter aller Kanone", sagt Fuchs: "Wir müssen Wege suchen, damit die Leute zu Hause bleiben können."
Daher arbeitet Fuchs voller Elan am nächsten Projekt. In Kirchehrenbach will sie analog zu einer Kindertagesstätte (Kita) eine Senta, eine Seniorentagesstätte gründen: "Das ist eine niederschwelliges Angebot und mit wenig Personal zu machen." In einer Senta könnten demente Menschen auch stundenweise betreut werden, um deren Angehörigen zu entlasten. Fuchs sucht ein Grundstück oder ein Haus für ihre Senta. "Ich schreibe gerade am Konzept."