Wenn Herbert Erlwein durch seine Apfelplantage in Ermreus läuft, kommt er schnell ins Erzählen. Seit 1986 führt er den Obsthof Erlwein im Kunreuther Ortsteil Ermreus und das mit Leib und Seele. "Wenn man das im Vollerwerb macht, muss man es mit Herzblut machen." Er berichtet, dass es in der Fränkischen Schweiz nur noch eine Hand voll Vollerwerbsobstbauern gibt.

Um die Ernte, die von Juni bis in die erste Oktoberhälfte geht, stemmen zu können, braucht Erlwein sogenannte Fremdarbeitskräfte. "Am Anfang der Coronakrise war das schon etwas, das uns auch mental belastet hat", sagt er. Schließlich habe man jahrelang den selben Arbeitskräftestamm aus Polen auf dem Hof gehabt. "Und dann wusste man lange nicht, ob die wieder kommen dürfen oder wie es geregelt wird." Im Endeffekt habe man Abläufe umgestellt, zum Beispiel die Arbeitsverträge vorab nach Polen geschickt und eine Übertrittserklärung unterschrieben, damit die Erntehelfer über die Grenze dürfen.

Zusätzlicher Aufwand überschaubar

Der zusätzliche Aufwand, der durch Corona auf die Bauern zugekommen ist, hielt sich für Erlwein in Grenzen. "Wir brauchen ein Hygienekonzept, aber da wir ohnehin getrennte Wohnungen für die Helfer hier auf dem Hof haben, mussten wir nicht viel umstellen", erklärt er.

Allerdings habe man die polnischen Arbeitskräfte nach ihrer Ankunft in Ermreus versucht, in einer Art häuslicher Quarantäne zu halten. "Wir sind für sie einkaufen gegangen", sagt Erlweins Frau Hilde Wöhrmann. Die Wohnungen der Arbeitskräfte haben alle eine eigene Küche und eigene sanitäre Anlagen. So konnte immer gewährleistet werden, dass die Hygieneregeln eingehalten werden.

Neben dem Thema Corona treibt die Obstbauern im Landkreis Forchheim die diesjährige Ernte um. "Durch Frost Anfang und Mitte April sowie Anfang Mai kam es bei uns zu großen Schädigungen", sagt Erlwein. Auch der Dauerregen Anfang Juni habe der Ernte geschadet: "Da sieht man, wie die Kirschen platzen", erzählt er. "Das tut einem richtig weh."

Der Obsthof Erlwein hat sich breit aufgestellt, auch um Ernteausfälle ausgleichen zu können. Insgesamt werden rund 15 Obstsorten angebaut. "Quitten hat zum Beispiel nicht jeder", erzählt Wöhrmann. Diese und andere Obstsorten sind im Hofladen direkt zu erwerben. Neben dem heimischen Obst werden dort auch andere Produkte der Region angeboten. Bei erwarteten 200 Tonnen Jahresernte verkauft der Obsthof Erlwein nicht alles über den Hofladen. "Aber wir haben viele Stammkunden, die extra aus der Stadt hierher fahren", erklärt Herbert Erlwein.

Auf dem Hof ist alles Handarbeit. Dieser Handarbeit gehen zum Zeitpunkt des Gespräches auch Jolanda und Monika nach. Die beiden Arbeitskräfte aus Polen sind aktuell auf dem Obsthof Erlwein. Sie ernten aber nicht nur, sie dünnen auch aus. "Das bedeutet, dass sie die Früchtezahl am Baum verringern, damit die größeren Früchte die Nährstoffe bekommen", erklärt Gärtnermeister Erlwein. Die beiden Frauen arbeiten allein auf dem Feld. Erlwein schenkt ihnen viel Vertrauen. "Natürlich leite ich sie an, danach machen sie das aber selbstständig." Es sei ihm wichtig, dass seine Arbeiter gerne kommen und zufrieden sind. "Wir haben Stammpersonal, das jedes Jahr kommt", erklärt er. Dabei sei es wichtig, dass Arbeitskräfte, die schon länger kommen, beim Übersetzen helfen.

Jolanda ist bereits das zweite Jahr da. "Die Arbeit hier ist gut", sagt sie in sehr gebrochenem Deutsch und pflückt Apfelretter aus dem Ausland währenddessen fleißig die zu klein geratenen Früchte.

Gute Bezahlung

Der Verdienst, den die Erntehelfer bekommen, ist höher als in ihrer Heimat. Deshalb bleiben sie in der Regel vier bis fünf Wochen da, bevor sie zu ihren Familien nach Hause fahren. "Viele davon kommen aber wieder", so Erlwein. Rechtlich sei die Arbeitszeit der Saisonarbeitskräfte auf 70 Arbeitstage befristet. Durch Corona wurde die Zahl auf 115 Arbeitstage erhöht. "Aber wir achten darauf, dass unsere Arbeitskräfte nach vier Wochen zu ihren Familien kommen."

Corona-Tests wie in den Großbetrieben in Niederbayern mussten sie bei ihren Erntehelfern nicht durchführen. "Es wurden ja verstärkte Kontrollen angekündigt", weiß Erlwein, "aber sie können ruhig kommen. Wir halten uns an alle Regeln."