Alexandra kemnitzer

Sonnefeld — Pauline Walz, geborene Pfeiffer, kann am Donnerstag ihren 100. Geburtstag feiern. "Dafür bin ich dem lieben Gott sehr dankbar, denn ich habe nicht gedacht, dass ich das schaffe", sagt die Jubilarin. Obwohl sie schon in jungen Jahren hart arbeiten musste und wahrlich kein einfaches Leben hatte, sieht man ihr das Alter nicht an.
"Ich bin klar im Kopf, kann gut sehen und hören", erzählt sie weiter. Selbst die kleine Schrift in der Bibel kann die Jubilarin ohne Brille lesen. Neben dem Lesen gehört das Stricken zu den Hobbys von Pauline Walz. Sie versorgt die Großfamilie mit Socken und braucht auch dafür keine Sehhilfe.
Geboren wurde Pauline Walz in Bergdorf (Odessa) und wuchs mit fünf Geschwistern auf, von denen noch eine Schwester in Dillenburg lebt. Weil damals nur bis zur vierten Klasse unterrichtet wurde, musste Pauline Walz schon als Zwölfjährige arbeiten - erst in der Landwirtschaft, später in einer Holz- und in einer Transformatorenfabrik.
Im Februar 1939 heiratete die junge Frau Johannes Walz und schenkte Tochter Erna das Leben. Dieses junge Familienglück sollte nicht lange währen, denn im Oktober 1943, als Pauline im achten Monat mit Tochter Hilda schwanger war, fiel ihr Mann im Krieg. Durch die Kriegswirren musste die Familie 1944 die Heimat verlassen und kam nach Polen. Nach einem siebenmonatigen Aufenthalt ging es von dort aus weiter in den Kreis Weißenfels. Dort wurde der Familie versprochen, wieder nach Odessa zurückkehren zu können. "Das war aber eine Lüge", erzählt Pauline Walz weiter.
Im September 1945 wurde die Familie in Waggons verladen und kam per Schiff in den Hochural. Dort blieb sie fünf Jahre. Nachdem zwei ihrer Brüder in Gefangenschaft kamen und in Mittelasien in Gruben arbeiteten, folgten ihnen Pauline Walz mit ihren Kindern, den Eltern und Schwestern nach. Auch die junge Mutter schuftete unter widrigsten Arbeitsbedingungen, bei Kälte und Nässe in der Grube, um für den Lebensunterhalt mit zu sorgen. In den drei Jahren in Mittelasien lernte Pauline Walz Heinrich Harms kennen, den sie heiratete. Anschließend lebte die Familie zweieinhalb Jahre in Kirgisistan und kehrte dann nach Mittelasien zurück. Gerade diese Zeit war von Entbehrungen geprägt. Viele Menschen hatten nicht genügend zu essen und mussten verhungern.
1991 kam die Familie nach Deutschland und wohnte für fünf Jahre in Ebersdorf, bevor nach Sonnefeld umgezogen wurde. Dort wohnt Pauline Walz im Haus von Sohn Peter und dessen Familie. Zwei Töchter wohnen ebenfalls in Sonnefeld. Zwei weitere Kinder leben in Coburg, eines ist in Baden-Württemberg zu Hause und eines starb im Alter von 37 Jahren. Pauline Walz ist 20-fache Oma und kann sich über 35 Urenkel sowie zwei Ururenkel freuen. Weiterer Nachwuchs hat sich angekündigt. Seit einigen Jahren feiert die Seniorin ihren Geburtstag im großen Kreis, "denn es könnte ja mein letzter sein". Für ihren 100. Geburtstag haben bereits 140 Gäste zugesagt, auf die sich die Seniorin freut.