Christoph Hägele

Vielleicht werden die Besucher des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters schon bald die Uraufführung des Stücks "Die Intendantin und ihre Kritiker" erleben können. An dramatischem Potenzial mangelte es der über Wochen andauernden und die Gemüter vieler Bamberger erhitzenden Diskussion über die Zukunft von Sibylle Broll-Pape jedenfalls nicht.
Nur die Entscheidung selbst hatte so gar nichts Theatralisches an sich. Sie war stattdessen eingebettet in die Nüchternheit kommunalpolitischer Beschlussroutine.
In nicht-öffentlicher Sitzung kam der Bamberger Stadtrat am Mittwoch überein, den Vertrag mit Broll-Pape bis ins Jahr 2025 zu verlängern.
Das laufende Papier der Intendantin endet in zwei Jahren. Kritiker hielten den Zeitpunkt der Vertragsverlängerung gerade vor dem Hintergrund der Vielzahl sie umtreibender Fragen deshalb für verfrüht. Im Jahr 2015 beerbte Broll-Pape Rainer Lewandowski, der das Bamberger Haus zuvor ein Vierteljahrhundert lang geprägt hatte.
Von Beginn an kannte das von Broll-Pape verantwortete Programm nur Anhänger oder Gegner. Kalt dagegen lässt es keinen.


Spannend oder belehrend?

Die Unterstützer Broll-Papes schätzen ihr an gesellschaftlichen Gegenwartsfragen interessiertes Theater.
In ihrem Urteil bestätigt fühlen sie sich unter anderem vom 2017 erhaltenen Theaterpreis des Bundes und der erstmaligen Einladung des Bamberger Theaters zu den Ruhrfestspielen in Recklinghausen.
Was die einen als hellwach und ambitioniert beklatschen, missbilligen die anderen als belehrend und eintönig. Ihnen dient vor allem die sinkende Zahl an Abonnements als schlagkräftiges Indiz. Ferner wurde gegen die Intendantin der Vorwurf erhoben, die Auslastungsquote zu schönen und die Angestellten des Theaters auf intrigante Weise gegeneinander auszuspielen.


Verheißung und Drohung

So verquickten sich in der Diskussion um Sibylle Broll-Pape künstlerische Argumente mit den Fragen der Personalführung und persönlicher Sympathie. Zupassgekommen sein dürfte Broll-Pape der einen Tag vor der Stadtratsentscheidung publik gewordene Abschluss des Haushaltsjahres 2017. Demnach unterschritt das Theater sein Budget um 120 000 Euro.
"Mit Sibylle Broll-Pape an der Spitze können wir uns auf weitere Jahre voll von abwechslungsreichen, berührenden und unterhaltsamen Theatermomenten freuen", jubelte das Theater am Donnerstag auf Facebook. Was für die einen wie eine Verheißung, klingt für die anderen wie eine Drohung.