Ferkelerzeuger und Schweinemäster haben es momentan nicht leicht (siehe Artikel oben). Wir haben mit Carina Hell vom Fachzentrum für Schweinezucht in Coburg über die momentane Krise gesprochen.

Ferkelerzeuger und Schweinemäster stehen gegenwärtig mit dem Rücken zur Wand. Sehen Sie eine Chance, dass sich die momentan prekäre Lage in absehbarer Zeit ändert?

Carina Hell: Die aktuelle Lage in der Schweinehaltung ist sehr angespannt, was zum einen an den sehr niedrigen Fleischpreisen von 1,19 Euro je Kilo liegt, zum anderen an den veränderten Anforderungen zum Tierwohl. Die Landwirte erfüllen diese gerne, sie sind aber auch mit Kosten verbunden. Leider haben wir keine Glaskugel, ein schnelles Ende des bundesweiten "Schweinestaus" ist nicht in Sicht. Laut der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands ist dieser über die Feiertage auf über eine Million Tiere angestiegen. Auch in Bayern ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der schlachtreifen Schweine noch einmal etwas erhöht hat.

Wir wünschen uns natürlich eine Entspannung der Preissituation, da unsere Schweinehalter auf einen fairen, kostendeckenden Preis angewiesen sind. Erste Schritte sind die Wiederöffnung des thailändischen Marktes für Deutschland und die Aussicht auf ein verringertes Angebot an Schlachttieren ab dem zweiten Quartal durch reduzierte Lebendimporte und sinkende nationale Bestände. Aktuell baut sich auch der Schweinestau um etwa 60 000 bis 90 000 Tiere je Woche ab.

Wie sieht es im Landkreis Kulmbach aus, was die Anzahl der Ferkelerzeuger und Schweinemäster im Vergleich zum Vorjahr angeht?

Im Landkreis Kulmbach hatten wir 2019 noch 108 Betriebe mit Mastschweinen und 25 Betriebe mit Zuchtsauen. Im vergangenen Jahr waren es 96 Höfe mit Mastschweinen und 24 Betriebe mit Zuchtsauen.

Kommen auf die Landwirte weitere Aufgaben zu?

Ja - aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage und der Änderung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung, die Umbauten im Bereich der Ferkelerzeugung nach sich zieht und Investitionskosten für die Zuchtsauenhalter zur Folge haben. Diesen Schritt können nicht alle Betriebe mitgehen. Die Prognosen liegen bei etwa zehn Prozent Rückgang.

Der Bayerische Bauernverband setzt sich für seine Bauern ein, fehlt es momentan an der Unterstützung durch die Landes- und Bundespolitik?

Die Politik hat aufgrund der Coronakrise viele Herausforderungen und allerhand zu tun. Sie muss viele Interessensgruppen beachten. Die Landwirte dürfen dabei nicht vergessen werden. Schließlich sorgen sie mit ihrer wertvollen Arbeit für unsere Nahrungsmittel. Es wird jedoch eine Unterstützung durch verschiedene Förderprogramme gewährt.

Das Gespräch führte Werner Reißaus.