Die Corona-Pandemie hat - Überraschung - auch gute Seiten. Zum Beispiel die, dass jetzt auf die Schnelle das digitale Zeitalter in den Schulen anbricht. So hat der Marktgemeinderat dieser Tage die Medienkonzepte der Schulleitungen der Grund- und Hauptschule Hirschaid sowie der Julius-von-Soden-Grundschule Sassanfahrt gebilligt. Demnach werden rund 340 000 Euro investiert, um die digitalen Kompetenzen der Schüler in fast allen Unterrichtsfächern "anzubahnen und weiterzuentwickeln". Gut 300 000 Euro (circa 90 Prozent) schießt der durch das lückenhafte "Homeschooling" aufgeschreckte Staat gemäß dem von Bund und Ländern vereinbarten "Digitalpakt Schule" zu.

Besseres WLAN gefragt

Als der einstimmige Beschluss des Marktgemeinderates gefallen war, konnten sich die anwesenden Schulleiterinnen nur gratulieren: Es gab zwar ein paar Korrekturversuche mit dem Rotstift, aber am Ende doch grünes Licht für eine nachhaltige Medienbildung aller Hirschaider Grund- und Mittelschüler ab der zweiten Jahrgangsstufe. Mit Blick auf die nicht abgewendete Gefahr weiterer Homeschooling-Perioden wird die Investition nicht lange auf sich warten lassen. Die herkömmlichen "analogen" Wandtafeln sollen nicht verschwinden, aber zunehmend durch interaktive Anzeigetafeln, Beamer-Projektion, Lehrer-PC, Dokumentenkameras und Audiosysteme ersetzt werden. Die Schüler sollen mit Notebooks, Tabletts oder Smartphones ausgestattet werden. Natürlich muss die WLAN-Struktur angepasst werden, Glasfaseranschlüsse stehen auf der Wunschliste.

Die Lehrkräfte, so hieß es unisono von den Schulleiterinnen, seien willig, sich selbst den erforderlichen Lernprozessen zu unterziehen, um künftig den Unterricht stärker auf digitaler Basis zu gestalten. Am Ende der Jahrgangsstufe 10 werden die Schüler dann unter anderem in der Lage sein, Power-Point-Präsentationen zu fertigen oder auch einen Videoclip von Ereignissen aus ihrem eigenen Umfeld zu produzieren.

Und bei alledem soll die rechtliche Seite nicht zu kurz kommen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Da kann man sich Hausdurchsuchung, Geldstrafen oder sogar Freiheitsentzug einhandeln. Die Gemeindeverwaltung wurde beauftragt, die Netzwerkinfrastruktur sowie die Beschaffung der Anzeige- und Interaktionsgeräte sowie der schulgebundenen Endgeräte auszuschreiben und anschließend zu vergeben. Das beschleunigt das Verfahren. Bei den zuständigen Stellen werden die Förderanträge eingereicht.

Norma neben Rewe

Noch einen erheblichen Klärungsbedarf sah der Marktgemeinderat bezüglich der Erweiterung des Nahversorgungszentrums II in Sassanfahrt-Köttmannsdorf. Nach Plänen der Bamberger Ingenieur-GmbH Strunz sollen neben dem neuen Rewe-Markt eine Norma-Filiale mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie ein 600 Quadratmeter großer Getränkemarkt entstehen.

Erweitertes Drogerie-Angebot

Statt der Norma war aufgrund früherer Pläne allerdings ein Drogeriemarkt erwartet worden. Die gängigen Unternehmen dieser Branche seien jedoch an dem Standort nicht interessiert gewesen, berichtete Stadtplaner Schönfelder. Der Investor habe daher der Norma-Unternehmensleitung das Zugeständnis abgerungen, ein umfangreicheres Drogerie-Angebot vorzusehen.

Heikel sehen die Marktgemeinderäte die zu erwartenden Lärmemissionen auf die künftige Wohnbebauung des gegenüberliegenden alten Rewe-Markt-Geländes. Als nämlich das Lärmgutachten für das neue Gewerbeareal erstellt wurde, war eine weitere Wohnsiedlung in der Nähe nicht in Sicht. Entsprechend wenig musste in den Lärmschutz investiert werden.

Einzelnen Marktgemeinderäten war die Erweiterung des Nahversorgungszentrums aber auch noch aus anderen Gründen suspekt: zu viel Bodenversiegelung, kritische Verkehrsentwicklung und -sicherheit für die Radfahrer an den Ein- und Ausfahrten, Ableitung des Niederschlagwassers. Da muss noch viel nachgearbeitet werden, bis eine Mehrheit im Gemeinderat dem nächsten Schritt zustimmt.

Für Teilflächen in den Bebauungsplänen "Gewerbegebiet Nord" wurde die Einleitung des Anhörungs- und Genehmigungsverfahrens beschlossen. Dabei geht es um Nachverdichtung und Bebauung von bislang unzureichend genutzten Innenflächen.